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absichtlich fern hielt, eine grössere Ausdehnung und nahm, je weiter ich darin vorschritt, immer mehr statt der bloss subjectiven Haltung eine objectivere, für die öffentliche Mittheilung geeignetere Gestalt an. Indes dachte ich an eine solche erst auf die wiederholten Aufforderungen einiger Freunde, und so möge denn die kleine anspruchslose Schrift als ein Votum über eine hochwichtige Frage der Zeit, die noch zu den ofnen gehört, sich freundlich gesinnte Leser suchen, und ihr Hervortreten sich rechtfertigen durch die Wichtigkeit der Sache selbst, die sie bespricht, und durch das Streben nach Wahrheit, das den Verfasser bei ihrer Abfassung geleitet hat.

Dresden 30. Merz 1852.

Dr. W. Herbst. .

I NHALT.

Seite

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1. Einleitung

1 II. Das classische Alterthum und unsre poetische Literatur 13 III. Das classische Alterthum und die Romantik

34 IV. Einwirkungen der politischen Verhältnisse DeutschNiebuhr

41 V. Beschränkung des philologischen Interesses durch die Hinneigung zum deutschen Alterthum

55 VI. Rückblick auf den Einfluss der Romantik

63 VII. Kampf der historischen Schule mit der Hegelschen Philosophie

67 VIII. Zeichen der Zeit

80 IX. Engerer Anschluss der Geschichtschreibung an die Gegenwart; die Rankesche Schule

86 X. Charakteristik der Hauptrichtungen der Philologie in der Gegenwart

95 XI. Antipathien in der Zeit gegen das classische Alterthum

113 XII. Vertheidigungsmittel seiner Anhänger

132 XIII. Der Einfluss der Antike thut der Gegenwart und unsrer Bildung fort und fort noth

141 XIV. Verwandtschaft Griechenlands und Deutschlands

149 XV. Fortsetzung

162 XVI. Reform des classischen Unterrichts auf der Schule. 166 XVII. Reform desselben auf der Universität

172 XVIII. Veränderung der Studienrichtungen in der Wissenschaft

178 XIX. Schlussbetrachtung

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BERICHTIGUNGEN.

S. 128 Z. 5 v. 0. lies dass statt dazu 4

Geister statt Güter

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1. Wer den Charakter unsrer Zeit, wie er sich nicht in den letzten Jahren auf einmal, sondern in allmählichem Wachsthum seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, namentlich aber seit der ersten französichen Revolution gebildet hat, in seinen stillen wie lauten Aeusserungen belauscht, kann nicht verkennen, dass derselbe in einer Loslösung des Geistes von der Natur, in einer dualistischen Trennung des reflectierenden Bewustseins von den gegeben, gewordnen, geheiligten Zuständen, die uns durch die Hand der Tradition und der Geschichte überliefert sind, seinen letzten Grund hat. Es ist das eine Erscheinung, die sich bei allen Culturvölkern wiederholt und deren erste Spuren bei den Deutschen bis zur Reformation, ja in einzelnen Symptomen noch weiter zurückgehn. Diese ideelle Bewegung sehn wir aber immer directer auf die Grundformen und Elemente des Lebens herankommen; wir sehn, wie sie von dem Aeussern auf das Innere eindringt und keinen Punkt unerörtert und unangegriffen lässt, der sonst als selbstverständlich und unantastbar galt. Der Einfluss dieser abstracten, dem Leben und der Wirklichkeit entfremdeten Richtung, die nicht mit und in den thatsächlichen Zuständen sich bewegen, sondern aus dem philosophischen Dogma Leben und Thaten erzeugen will, hat Kirche und Religion, Staat und Recht, Sitte und Erziehung ergriffen und wird noch lange mit diesen überkommenen Lebensmächten einen erbitterten Kampf kämpfen. Dieser Trieb, in letzter Instanz fast so alt wie die Welt und der Menschengeist, muss, wenn er sich einseitig von dem ererbten Sein loslöst und in schrankenloser Selbstbestimmung allein operieren will, in seinen äussersten Consequenzen zum Bruch und zur Auflösung aller Bande des Volkslebens führen. Denn er führt, so lange der Kampf dauert, den Dualismus statt der Einheit, in weiterem Fortschreiten das leblose erstarrte Nichts statt des lebensvollen Reichthums der Wirklichkeit ein. Und finden sich nicht Zeichen einer solchen Verarmung und Verödung auch in unsern Tagen?

Ich sage aber, diese ideelle Bewegung beginnt gewöhnlich an der Schale der Dinge, nach dem Kern hin vordringend. Das ist die Beobachtung, die wir in grossen Zügen an der Geschichte der staatlichen und kirchlichen Opposition machen. Bei der letztern tritt zuerst der Gegensatz gegen eine bestehende Kirche in Form eines Bekenntnisses auf. Die Wahrheit der Sache selbst, die allem Bekenntnis zu Grunde liegt, tritt anfangs zurück, aber der Gegensatz bleibt bei der confessionellen Trennung nicht stehn, nicht einmal bei dem Glauben an Christus, er erhebt sich schrittweise immer entschiedner gegen die Grundlagen der Sache selbst und greift zuletzt den Urgrund alles religiösen Lebens, den Gottesglauben, an.

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