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Beilage

zu der Schrift

die Sage von Tanaquil

von

Dr. J. J. Bachofen.

Theodor Mommsen's Kritik

der

Erzählung von Cn. Marcius Coriolanus

vorgelesen

in der Gesammtsitzung der königl. preuss. Akademie

der Wissenschaften

zu

Berlin

am 25. Februar 1869.

Heidelberg,
Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr.

1870.

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In der Einleitung zu der Tanaquil-Untersuchung haben wir die erste Aufgabe der objectiven Geschichtsforschung folgendermassen festgestellt. „Sie wird, da die Ueberlieferung in allen ihren Entwickelungsstufen nur aus Schriftwerken zu schöpfen ist, damit beginnen, zu untersuchen, was jeder einzelne Schriftsteller gesagt hat, und das Ergebniss ihrer Arbeit gegen alle Einwendungen, die sich wider die Echtheit des Textes oder die Richtigkeit der Exegese erheben liessen, sicher zu stellen.“ So selbstverständlich diese Grundbedingung jeder gewissenhaften Untersuchung scheinen mag, so dürfte es doch nicht überflüssig sein, ihre Wichtigkeit durch ein einzelnes Beispiel zu erläutern. Wir wäblen dasselbe aus einem Sagenkreise, der auch in unserer Forschung mehrfach berührt worden ist, aus der Erzählung von Cn. Marcius Coriolanus, dessen sabinische Abstammung die hoke Bedeutung des sabinischen Mutterthums in Erinnerung ruft. Für die Geschichte der Processverhandlungen, welche das Exil des unbeugsamen Patriciers, darauf den Rachezug gegen Rom und die Begegnung mit Veturia zur Folge hatten, ist Dionysius von Halikarnass die einzige Quelle. Der Ausgang des Gerichts wird von ihm in folgenden Worten mitgetheilt.

VII, 64: ως δ' έπεψήφισαν άπαντες, διαριθμουμένων των ψήφων ου μέγα το διάλλαγμα εφάνη. μιάς γαρ και είκοσι τότε φυλών ουσών αις η ψήφος ανεδόθη, τας απολυούσας φυλας έσχεν ο Μάρκιος εννέα ώστε ει δύο προσήλθον αυτώ φυλαί, δια την ισοψηφίαν απελύετ' αν ώσπερ ο νόμος ήξίου.

)

Nichts kann klarer, bestimmter und zusammenhängender sein als dieser Bericht. Der zur Abstimmung berufenen Tribus sind es 21. Davon sprechen 9 den Angeklagten frei. Wären von den verurtheilenden 12 noch 2 zu den 9 übergetreten, so hätte sich das Stimmenmehr für Coriolan entschieden. Er wäre in Folge des gleichen Stimmrechts der Tribus nach dem Gesetz freigesprochen gewesen.

Die Richtigkeit der vorstehenden Interpretation bedarf kaum unterstützender Beweise. Aber es fehlt an solchen keineswegs. Wir machen auf den Zusammenhang aufmerksam, welcher die Stelle des Cap. 64 mit Cap. 59 verbindet. In dem letztern spricht Dionysius von dem Streite der Patricier und der Volkstribunen über die Gerichtsbestellung, schildert die günstigen Aussichten, welche eine Abstimmung nach Centuriat-Comitien für die Freisprechung eröffnete, und entwickelt dann die Vortheile, die die Tribunen bewog, auf Beurtheilung durch die Tribut-Comitien zu bestehen, in folgenden Worten: ένα μήτε οι πένητες των πλουσίων μειονεκτώσι, μήτε οι ψιλοι των οπλιτών άτιμοτέραν χώραν έχωσι, μήτε απερριμμένον εις τας εσχάτας κλήσεις το δημοτικών πλήθος αποκλείεται των ίσων ψήφων, ισόψηφοι δε και ομότιμοι πάντες αλλήλοις γενόμενοι μια κλήσει την ψήφον επενέγκωσι natà qulás. Was wir durch diese Darstellung gewinnen, ist die

. Gewissheit, dass die Worte des C. 64: δια την ισοψηφίαν απελύετάν durch „aequato jure suffragii“, nicht durch „aequato numero suffragiorum“, wiederzugeben sind. Dionysius ist gewiss der beste Ausleger seiner Worte. Derselbe Sinn, den er der iooympia in der Erzählung von dem Streite über die Gerichtsbestellung giebt, derselbe muss in der Angabe über den Schlussausgang des Processes wieder vorliegen. Verbindet er also dort, um keinerlei Zweifel übrig zu lassen, mit dem Ausdruck looympoi die weiteren ομότιμοι πάντες αλλήλοις γενόμενοι, 30 folgt mit Nothwendigkeit, dass auch hier Isopsephie gleichbedeutend mit Homotimie, also zur Hervorhebung der die Tribut-Comitien auszeichnenden gleichen Stimmberechtigung Aller gebraucht wird. Ja es zeigt sich nun, warum der Zusatz dià triv looympiav in C. 64 überhaupt aufgenommen wurde. Dionysius weist durch ihn auf seine frühere Erzählung in C. 59 zurück und will, seinen dort ausgesprochenen

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Gedanken wieder aufnehmend, sagen: durch den Grundsatz der Isopsephie des Volkes in den Tribut-Comitien, von welchem die Demarchen so glänzende Resultate gegen Coriolan sich versprochen hatten, würde der verhasste Patricier freigesprochen worden sein, hätten zwei Tribusstimmen sich den neun absolvirenden beigesellt; mehr aber verlangte das Gesetz (über Entscheid durch Stimmenmehrheit) nicht.

Das Wort looympia wird auch in anderm als dem von Dionys gebrauchten Sinne angewendet. Sehr bekannt ist die Stelle des Aeschylus Eumen. 733 ed. G. Hermann, wo Athene sagt: νικά δ' Ορέστης, κάν ισόψηφος κριθή. Ηier spricht der Dichter von der Zahlengleichheit der weissen und schwarzen Stimmsteine. Aber die Folgerung, dass das Wort keinen andern Sinn haben könne, und überall, wo es begegnet, nach Aeschylischem Gebrauch ausgelegt werden müsse, wird Niemand über sich nehmen. Zahlreiche Stellen beweisen das Gegentheil. Dionysius II, 46 nennt die Könige Romulus und Tatius iooungous xaù truds zaprtovuévous tas ioas, Plato legg. III, p. 692 die Macht der Ephoren nơóUnpos cũy Baơéo, Thukydides II, 141 die peloponnesischen Staaten ισοψήφους και ουχ ομοφύλους, derselbe III, 79 Brasidas nicht soóungos des Alkidas, u. . w.: Stellen, welchen der Gedanke an eine Gleichheit der Stimmenzahl durchaus fremd ist, dagegen jener der Øuotiția ausschliesslich entspricht. Noch zweimal kommt Dionysius auf die Verurtheilung des Coriolanus in dem Gericht der Tribut-Comitien zurück, und beide Male wiederholt sich dieselbe Anschauung, welche in C. 64 ihren Ausdruck gefunden hat. In B. VIII, 6 schildert Marcius in seiner Rede an die Volscer das ihm von den Römern zugefügte Unrecht, die Anklage vor den Tribut-Comitien, das Uebergewicht, das diese der grossen Masse liehen, endlich seine Verurtheilung, die dennoch nur von der Stimme zweier Tribus abhängig gewesen sei. Die dabei gebrauchten Worte δυσί μόνον εάλων ψήφους wiederholen sich in C. 24, welches die Rede der römischen Gesandten an den siegreichen Verbannten mittheilt. Auch hier sind sie bestimmt,

. die Schuld des Volkes auf das geringste Mass zurückzuführen und durch den hypothetischen Fall, den C. 64 näher angiebt, nämlich die Fiction des Uebertrittes zweier Tribus von den ver

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