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CONERAL

Vorwort.

Als Adam Eussner im Jahre 1889 verstarb, war die von ihm übernommene Schulausgabe des Sallustius erst bis zum zweiten Bogen vorgeschritten. Auf den dringenden Wunsch der hochverehrten Verlagsbuchhandlung habe ich es trotz mancherlei Bedenken übernommen, nicht sowohl den Eussnerschen Kommentar zu Ende zu führen, als vielmehr einen ganz neuen auszuarbeiten.

Zu ersterem konnte ich mich nicht entschliessen: denn die Eufsnerschen Anmerkungen schienen mir für eine Schulausgabe, namentlich nach den heutigen Anschauungen und Anforderungen, einerseits viel zu reichlich und ausführlich, andrerseits auch inhaltlich nicht immer zweckentsprechend zu sein. Ich habe mich bemüht, die Erläuterungen nach Zahl und Umfang möglichst zu beschränken und dem Schüler nur soviel zu bieten, als für ihn zur häuslichen Vorbereitung nötig zu sein schien, ohne dass dem Unterricht in der Klasse zu sehr vorgegriffen würde. Selbstverständlich habe ich bei Ausarbeitung des Kommentars die vorhandene Litteratur nach Möglichkeit herangezogen und auszunutzen gesucht, im besondern aber mich von den Erfahrungen leiten lassen, die ich selbst bei langjähriger Behandlung der Schriften Sallusts in der Klassen- und Privatlektüre gemacht habe. Vielleicht wird manchen die Anzahl der direkt angegebenen Übersetzungen befremden. Doch habe ich die Beobachtung gemacht, dass gerade bei Sallust in dieser Hinsicht sich eine grössere Freigebigkeit empfiehlt, als bei andern Schriftstellern, da bei ihm die Worte und Redensarten nicht selten in einer Bedeutung stehen, die dem Schüler nicht geläufig und nicht immer aus dem Lexikon zu entnehmen ist. Hoffentlich ist es mir gelungen, in diesem Punkte und sonst im Wesentlichen das richtige Mass zu treffen.

Der Text ist im Ganzen der von Adam Eussner. Die Abweichungen sind im Anhang verzeichnet und teils durch kurze Bemerkungen, teils durch Verweisungen begründet. Auch ausserdem enthält dieser noch einige Nachweise, wo es mir gerade angemessen zu sein schien. Irgendwelche Vollständigkeit ist dabei nicht beabsichtigt worden,

Da die Sallustlektüre nicht selten mit dem Jugurtha begonnen wird, sind zunächst die beiden ersten Hefte völlig selbständig von einander gehalten; es finden keinerlei Verweisungen von dem einen auf das andere statt; die kurze Einleitung über Sallusts Leben und Schriften wird beiden beigegeben.

Zum Schlusse richte ich noch an alle Verfasser von Abhandlungen, Aufsätzen, Rezensionen u. s. w., die Sallust zum Gegenstand haben, die ergebene Bitte, mir ein Exemplar derselben freundlichst zukommen zu lassen. Sonst ist es nicht möglich, die einschlagende Litteratur auch nur annähernd vollständig zu benutzen.

Dresden-Neustadt, Ende December 1893.

Th. 0.

Einleitung

C. Sallustius Crispus war im Todesjahre des Marius, d. h. 86 v. Chr., am 1. Oktober in Amiternum im Sabinerlande geboren. Somit erlebte er als Knabe und heranwachsender Jüngling die Diktatur Sullas und die Machtentwickelung des Pompejus, namentlich dessen Kriege gegen die Seeräuber und Mithridates, und war zur Zeit der Catilinarischen Verschwörung 23 Jahre alt. Was für eine Erziehung und wo er sie genossen hat, ist nicht bekannt. Doch geht aus seinen Werken hervor, dass er durchaus auf der Höhe der Bildung seiner Zeit gestanden hat. Er selbst bezeugt (Cat. 4, 2), dass er von früh auf eine lebhafte Neigung zur Geschichtschreibung gehabt hat.

Herangewachsen widmete er sich dem Staatsleben und verwaltete zunächst die Quästur, frühestens unter Cäsars Konsulat, 59 v. Chr. Im Jahre 52 war er Volkstribun, also in dem Jahre, in dem Clodius durch Milo ermordet wurde. An den sich daran anschliessenden Ereignissen war er insofern beteiligt, als er gegen Milo und dessen Verteidiger Cicero auftrat. Da er jedoch diese Thätigkeit bald einstellte, entging er nicht dem Verdachte, mit beiden ein Abkommen getroffen zu haben. Im Jahre 50 wurde er durch den Censor Appius Claudius wegen schlechten Lebenswandels aus dem Senat ausgestossen. Wie weit dieser Vorwurf begründet war, ist heutigen Tages nicht mit Sicherheit zu sagen. Denn die mancherlei Angaben, die in dieser Hinsicht aus dem Altertum auf uns gekommen sind, stammen aus ziemlich trüben Quellen. Ohne Zweifel jedoch bot Sallusts Lebenswandel nur den äussern Vorwand zu jener Massregel, während der wahre Grund dazu vielmehr in seiner politischen Parteistellung zu suchen ist. Denn Sallustius hatte sich nicht auf Pompejus', sondern auf Cäsars Seite gestellt. Und so begab er sich denn auch zu diesem nach Gallien, als er infolge des erwähnten Vorfalls die Hauptstadt verliess. Von Cäsar freundlich aufgenommen und mit wichtigen Aufträgen betraut, hatte er bald darauf ihm seinen Wiedereintritt in den Senat zu verdanken.

Ende des Jahres 47 wurde er als designierter Prätor von SALLUSTIUS, ed. Opitz. I. Heft.

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