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wurde seine Bewerbung abgewiesen. Wirklich eingeleitet wurde die Klage erst 65. - Unrichtig ist es auch, wenn es 30,4 heißt, Q. Marcius Rex und Q. Metellus Creticus seien durch die Bosheit der Optimaten (calumnia paucorum) an ihrem Triumphe gehindert. Tatsächlich war es 5 Pompeius, der die beiden Männer nur als seine Unterfeldherren angesehen wissen wollte; als solche hatten sie natürlich auch kein selbständiges imperium gehabt, konnten also auch keinen Triumph beanspruchen. Pompeius und die Optimaten standen aber in scharfem Gegensatz, seit- 10 dem die Macht des ersteren durch die lex Gabinia bédenklich gewachsen war. — Auch der Verlauf der wichtigen Senatssitzung vom 5. Dez. (c. 50,3—53,1) ist nicht genau geschildert. Nachdem Silanus den Antrag auf Todesstrafe gestellt hatte, ergriff zunächst Caesar das Wort; als dann 15 die meisten ihm beitraten, sprach Cicero noch einmal (vierte Catilinarische Rede), hatte aber keinen Erfolg, ja Tib. Nero stellte jetzt sogar den 50,4 erwähnten Vertagungsantrag; die Entscheidung gab erst die Rede Catos.

Unbedeutender Art sind Versehen, wie sie im Namen- 30 verzeichnis unter A. Manlius Torquatus und C. Murena erwähnt sind. Ein gewisser einseitiger Patriotismus ist es wohl, wenn Sallust im Widerspruch mit den geschichtlichen Tatsachen Caesar die Milde Roms gegen Rhodier und Karthager preisen läßt (51,5ff.), oder wenn er die echt 25 römischen Einrichtungen der körperlichen Züchtigung und der Todesstrafe, weil sie der milderen Auffassung der späteren Zeit abstoßend erschienen, auf griechischen Ursprung zurückführt (51,39).

Wesentlicher für die Beurteilung der Schrift als diese so Einzelheiten ist die offenbar demokratische Parteirichtung Sallusts, die ihn seinem 4,3 gegebenen Versprechen, möglichst wahrheitsgetreu berichten zu wollen, vielfach untreu werden läßt. Das zeigt sich in den überaus heftigen und leidenschaftlichen Angriffen, die er gegen die Laster und Fehler der Nobilität richtet, während er über die Schwächen der Volkspartei im allgemeinen still hinweggeht. Das zeigt sich namentlich in dem sichtbar hervortretenden Bestreben, Caesar in einem möglichst günstigen Lichte erscheinen zu lassen. Caesar sowohl wie Crassus standen in dem wohl 40 nicht unbegründeten Verdachte, in näheren Beziehungen zu Catilina gestanden zu haben. Beide hatten natürlich

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im Grunde nie die Absicht, dessen umstürzlerische Pläne zur Durchführung zu bringen. In der allgemeinen Verwirrung, welche das Beginnen der Catilinarier hervorrufen

mußte, wollten sie unter Beiseiteschiebung Catilinas die 5 Macht in Rom an sich reißen, um so dem allmählich über

mächtigen Pompeius, der sich in diesen Jahren in Asien befand, die Spitze bieten zu können; Catilina sollte also nur Mittel zum Zwecke sein. So war es schon bei der so

genannten ersten Verschwörung vom Jahre 66. Nachdem 10 die Wahl der für 65 gewählten Konsuln Autronius und

Sulla wegen ambitus (18,2) für ungültig erklärt war, hatten sie sich mit Catilina verbunden, um die an ihrer Statt gewählten Konsuln Cotta und Torquatus am 1. Jan. 65

(nach Cicero am 31. Dez. 66) zu ermorden und sich der 15 Gewalt zu bemächtigen; Crassus sollte dann Diktator, Cae

sar magister equitum werden. Indes die Ausführung mißglückte aus verschiedenen Gründen (18,6 ff.). Aber eine gerichtliche Untersuchung dieser Vorgänge fand nie statt,

vielleicht weil man sich scheute, einen Crassus oder Caesar 20 anzutasten, und so ist denn die Kunde davon vielfach dun

kel; aber so viel scheint doch sicher, daß diese Männer die eigentlichen Leiter des Unternehmens waren, während Catilina nur eine untergeordnete Rolle spielte. Auch bei

der Verschwörung von 63 standen wohl dieselben Männer 35 wieder im Hintergrunde. Bei den Konsulwahlen für 63

hatten sie Catilina gegen Cicero unterstützt, und die öffentliche Meinung sah in ihnen geheime Verbündete Catilinas. Deshalb wurden ihnen am 3. Dezember auch nur die unbe

deutendsten von den gefangenen Verschworenen, Statilius so und Gabinius, in custodia libera gegeben (47, 4). Von meh

reren Seiten wurden sie denn auch offen der Teilnahme angeklagt (c. 48; 49); namentlich griff Cato in seiner Rede am 5. Dez. Caesar in diesem Sinne scharf an; und als Cae

sar die Sitzung verließ, bedrohten die jungen römischen 35 Ritter am Ausgange der Kurie mit gezückten Schwertern

sein Leben, so daß er es längere Zeit für gut hielt, den Senat zu meiden.

Nun hatte Sallust dem Wohlwollen Caesars alles zu verdanken: durch ihn war er wieder in den Senat aufgenom40 men, durch ihn hatte er die Provinz Africa erhalten, wo

er sein Vermögen erwarb. Als daher nach Caesars Ermordung von den Verschworenen zu ihrer eigenen RechtfertiSallustius, Catilina, v. Stegmann. Text. 6. Aui.

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gung wieder darauf hingewiesen wurde, daß der Diktator auch einst an den verruchten Plänen Catilinas beteiligt gewesen sei, da lag für Sallust der Gedanke nahe, seinen Gönner von diesem Vorwurfe zu reinigen; und diese Absicht hat ihn wohl wesentlich bei der Wahl des Stoffes 6 bestimmt. Man muß auch sagen, daß er sein Ziel in geschickter Weise zu erreichen gewußt hat; durch gewandte Gruppierung und eigenartige Beleuchtung der Tatsachen weiß er alle Schuld von Caesar abzuwälzen.

Bei der ersten Verschwörung (c. 18; 19) wird Catilina 10 als die eigentliche Seele des ganzen Unternehmens in den Vordergrund geschoben, daneben wird noch Piso hervorgehoben; Caesars Name wird überhaupt nicht einmal gerannt, obwohl doch die Beziehungen des Crassus zu den Catilinariern, wenn auch nur kurz, angedeutet werden (19,1). 15 Ähnlich verfährt Sallust bei der Darstellung der Ereignisse des Jahres 63. Auch hier wird zunächst wohl der auf Crassus lastende Verdacht erwähnt (17,7), aber von Caesar wieder gar nicht gesprochen; von der Verwendung beider für die Wahl Catilinas ist (23,6) gar nicht die Rede. Die 20 offenen Anklagen, die dann später gegen Caesar und Crassus erhoben wurden, konnten nicht gut ganz mit Stillschweigen übergangen werden. Aber während man aus 48,3—9 den Eindruck gewinnt, als sei Crassus wirklich schuldig gewesen und nur durch den Einfluß seines Reich- 25 tums geschützt, wird der Verdacht gegen Caesar geschickt so behandelt, daß man glauben muß, es handle sich nur um eine boshafte Verleumdung seiner persönlichen Feinde (49,1-3); und dabei wird das Zeugnis Ciceros für Caesar angeführt, aber nicht erwähnt, was anderweitig bekannt so ist, daß Cicero nach dem Tode des Diktators dessen Beteiligung an der Verschwörung behauptet hat. Die Bedrohung Caesars durch die jungen römischen Ritter wird mit jenen angeblichen Verleumdungen in Zusammenhang gebracht (49, 4); niemand kann aus Sallusts Darstellung 35 erkennen, daß dieses Ereignis sich in Wirklichkeit an die Sitzung vom 5. Dez. anschloß, wo Cato geradezu Caesar der Teilnahme bezichtigt hatte. Etwas derartiges läßt der Schriftsteller Cato in der Rede, die er ihm in den Mund legt, absichtlich nicht aussprechen, weil eine Anklage von 40. seiten eines solchen Mannes von besonderem Gewichte gewesen wäre. Und erscheint so Caesars Bild schon von aller

Schuld rein, so wird es noch besonders gehoben durch den Vergleich mit Cato (c. 53. 54).

Dagegen tritt Cicero in Sallusts Darstellung ungebührlich zurück. Gewiß hat Cicero bei vielen Gelegenheiten 5 seine rettende Tat im Jahre 63 über Gebühr gepriesen, und

es mochte darum auch wohl das Streben Sallusts dahin gehen, diese Übertreibungen in ihre Grenzen zurückzuweisen. Aber dabei wird er den tatsächlichen Verdiensten, die sich

Cicero um die Aufdeckung der Verschwörung erworben 10 hatte, nicht gerecht. Nur einmal hat er ein kühles Wort

der Anerkennung für ihn (31,6); dagegen hat er unter all den bedeutenden Persönlichkeiten, die in der Schrift auftreten, ihm allein weder eine Charakteristik noch eine Rede gegönnt.

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IV. Die Sprache Sallusts. I. Abweichungen vom klassischen Sprachgebrauche!) in Rechtschreibung, Grammatik und Wortschatz finden sich bei Sallust nicht wenige; sie gehen auf seine

Vorliebe für altertümliche Wendungen wie für die Volks20 sprache zurück.

a) Orthographie.

1. Für i tritt oft ein altertümliches u ein, so in den Superlativen auf umus (maxumus, pessumus), ebenso in Wörtern

wie finitumus, maritumus, vicesumus; manufestus, aestumo (ex95 istumo), lubet, lubido; ebenso steht u für e im Gerundium

und Gerundivum der 3. und 4. Konjugation: perdundus, sumundus, capiundus.

2. Für vu oder ve tritt vo ein in voster, volt, volgus, volnus, voltus und vorto mit seinen Ableitungen (vorsare, di30 vorsus, advorsus, univorsus).

b) Deklination und Konjugation zeigen Formen wie senati als Genetiv (30, 3; 36,5); fast durchweg fecere, scripsere, constituere usw. für fecerunt usw. Dahin gehört

auch das häufige forem, das zwar meistens noch futu35 rische Kraft zeigt, zuweilen aber auch schon ganz gleich

essem steht.

1) Diese sind natürlich nur so weit herangezogen, als sie im bellum Catilinae vorkommen.

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c) Syntax.

Hier zeigt sich einmal eine oft stark hervortretende Vorliebe für gewisse Konstruktionen, die sich in der klassischen Sprache nur gelegentlich finden. So gebraucht Sallust gern den Dativ des Zwecks bei esse, z. B. auxi- 5 lio, detrimento, formidini (20, 7), honori, laetitiae (51, 34), ludibrio (13, 2; 20, 9), oneri esse etc.; ferner per c. acc. in modalem Sinne, so per laborem (7,4), scelus (12,5), turpitudinem (13, 2), dedecora (37,5) usw.; für opus est facere sagt er regelmäßig opus est facto (1, 6; 43, 3; 45, 1; 10 46, 2; 20, 10 incepto; 31, 7 perdita re publica). Auffallend häufig erscheint namentlich der infinitivus historicus, der sich im bellum Catilinae allein 98 mal findet und wesentlich dazu beiträgt, der ganzen Darstellung das Gepräge der raschen Kürze zu verleihen. Zu beachten ist auch die 15 häufige Verbindung von postquam (ubi) mit dem imperf. (z. B. 6, 3; 56, 4) oder plusqupf. (24, 3) zur Bezeichnung eines in der Vergangenheit bestehenden Zustandes; zuweilen ist auch das imperf. mit einem perf. verbunden (10, 1; 12, 1).

Daneben finden sich nicht wenige Einzelheiten, die vom klassischen Sprachgebrauche abweichen. Dahin gehört esse c. genet. gerund. zur Bezeichnung des Zwecks (6, 7; 46, 2); der gen. partitivus in nihil (quicquam) pensi habere (5, 6; 12, 2); die Verbindung von liberalis (7,6), profusus (5, 4), 25 alienus (40,5), manufestus (52, 36), interrogo (18, 2) mit dem Genetiv, von expers (33, 1) mit dem Ablativ, alles Ausdrucksweisen, die sich aus der Analogie sinnverwandter Wörter erklären; ferner hortor (5,9) und moneo (52, 3) c. inf. statt mit ut; quo= ut eo auch ohne folgenden Kom- 80 ;

30 parativ; das kausale quippe qui c. indic. (48, 2); Verbindungen wie perditum ire (36, 4; 52, 12); der ungewöhnliche Wechsel der consecutio (32, 2; 34, 1); que - que in korrespondierendem Sinne (9,3); der ungewöhnlich gebrauchte Plural von uterque (5, 7) u. a. m.

d) Wortschatz. Ein Teil der Eigentümlichkeiten Sallusts niag hier wohl auf die Volkssprache zurückgehen, anderes auf seine Neigung, altertümliche Wendungen zu gebrauchen; eine genaue Scheidung nach dem Ursprunge ist unmöglich. Zu beachten ist negotium in dem abgeschwäch- 40 ten Sinne von res (2,2; 29, 2; 44, 1; 51, 24); popularis

socius oder particeps (22, 1; 24, 1; 52, 14); necessitudo

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