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zeichen hatten, sondern auch mit der Zeit Veränderungen eintraten. Ursprünglich war die Bewaffnung aller Kelten, wie noch der Germanen des Tacitus, eine höcht mangelhafte; aber weder die Gallier, noch später die Germanen verkannten den Werth besserer Waffen, und sobald sie die Mittel dazu hatten, vertauschten sie ihre ungenügende Ausrüstung gegen eine vollständigere, ihre hölzernen Schilde gegen lederne, ihre kupfernen Schwerter, die nach jedem Hieb wieder gerade gebogen werden mussten, gegen eiserne. Zur Zeit Cäsars mochten die Gallier sich sehr merklich in der Kleidung und Ausrüstung von den Germanen unterscheiden; aber wenn wir bei Livius von den Galliern im Heere Hannibals lesen, 22, 46: Galli super umbilicum erant nudi, so erinnert das an die Beschreibung, die Agathias von den Franken gibt, 2, 5: γυμνοὶ δὲ τὰ στέρνα εἰσὶ καὶ τὰ võta μéxoi tñs ỏoqúos. Hosen und Mantel, sagum und braccae waren die Nationaltracht der Gallier wie der Germanen.

Auch die spanischen Kelten haben ganz germanische Sitten. Von Gallaecia, das nach Strabo von unvermischten Kelten bewohnt war, sagt Silius Italicus Punica, III, 344:

Fibrarum et pennae divinarumque sagacem
flammarum misit dives Gallaecia pubem,

barbara nunc patriis ululantem carmina linguis,
nunc pedis alterno percussa verbere terra

ad numerum resonas gaudentem plaudere caetras.
Haec requies ludusque viris, ea sacra voluptas.
Cetera femineus peragit labor: addere sulco
semina et impresso tellurem vertere aratro,

segne viris; quidquid duro sine Marte gerendum,
Gallaici coniux obit inrequieta mariti.

Fast zu jedem Wort könnte man auf eine Stelle des Tacitus verweisen. Von dem Feldbau der Wakkäer war oben die Rede.

Am meisten sollen Germanen und Gallier in der Religion geschieden sein; denn allerdings wird diess von Caesar 6, 21 ausdrücklich behauptet. Es ist aber schon längst dargethan, dass Caesar hier entweder sich ungenau ausdrückte, oder schlecht unterrichtet war. Denn es kann nicht im mindesten bezweifelt werden, dass die

Germanen ganz ebenso wie die Gallier ihre Opfer, ihre Priester, ihre Götter hatten. Darauf näher einzugehen ist überflüssig, nachdem Grimm's deutsche Mythologie in Aller Händen ist. Die gallischen Götter sind keine andern als die germanischen; wenn Caesar von den Galliern sagt: Deum maxime Mercurium colunt, so sagt Tacitus ganz dasselbe von den Germanen: deorum maxime Mercurium colunt. Sogar die Namen der Götter sind zum Theil dieselben: Hesus ist Eru, Tanarus ist Thunar, Camulus ist Humblus, Hamal, Segemon ist Sigmund. Mars Albiorix, de Wal 292, ist der deutsche Alberich im Ortnit und in den Nibelungen, der Name des gallischen Gottes der Gesundheit, des Apollo Grannus, ist bewahrt im Namen des ihm geweihten heilkräftigen Wachholders, chranapoum, Kranawitu, woher der Kranwitsvogel, und im Namen der durch ihre Heilquellen berühmten Stadt Aquis Grani; Toutiorix, de Wal 269, ist deutlich Dieterich, u. s. w. Die Gallier opfern ihren Göttern Menschen, ebenso die Germanen; die Gallier rühmen sich ihrer Abkunft von den Göttern, ebenso die Germanen.

Diess weiter auszuführen muss einer spätern Arbeit vorbehalten bleiben; ich will nur noch bemerken, dass Lucan in der berühmten Stelle, wo er die drei gallischen Götter nennt, nicht von Galliern, sondern von Germanen spricht. Die gallischen Völker freuen sich, dass Caesar mit seinem Heere abzieht; es werden die einzelnen Völker aufgezählt, und kein Theil Galliens dabei vergessen; nachdem also bereits alle gallischen Völker genannt sind, fährt Lucan fort: und auch diejenigen freuen sich, bei welchen noch Menschenopfer fallen. Hier spricht er nach der Anschauung seiner Zeit. Unter Nero hatten die Menschenopfer in Gallien schon längst aufgehört; Lucan spricht also von den Germanen. Darum bezeichnet er auch ihren Wohnsitz näher: quos despicit arctos. So bezeichnet er die Germanen: die Völker finibus arctois revulsi sind 1, 481 diejenigen, welche zwischen Rein und Elbe wohnen. Nachdem er nun diese Völker und ihren Glauben geschildert hat, fährt er fort 463:

et vos crinigeros bellis arcere Cauchos
oppositi petitis Romam, Rhenique feroces
deseritis ripas et apertum gentibus orbem.

Jene Völker freuen sich, denn auch diejenigen römischen Besatzungen, welche den Rein vor den jenseitigen Völkern schützen sollen, ziehen nach Rom. Es ist also ganz deutlich, dass jene Völker, welche sich des Abzugs der Römer freuen, welche mit Menschenopfern die Götter Teutates, Hesus und Taranis verehren, und welche auf die Lehren der Barden und Druiden hören, keine andern sind als die germanischen. Man würde die Stelle nie anders aufgefasst haben, wenn man es nicht für eine Unmöglichkeit gehalten hätte, dass Barden und Druiden und jene gallischen Götter einem germanischen Volk zugeschrieben würden.

In dieser Stelle des Lucan wird auch der Glaube an Unsterblichkeit und die auf diesen Glauben gegründete Tapferkeit der nordischen Völker gepriesen, 1, 458:

certe populi quos despicit Arctos

felices errore suo, quos ille timorum

maximus haud urget leti metus, inde ruendi
in ferrum mens prona viris, animaeque capaces
mortis; et ignavum rediturae parcere vitae.

Diess ist der gemeinsame Glaube der gallischen und der germanischen Völker. Wer auf dem Schlachtfeld stirbt, ist Odins Kind und wird in Walhalla aufgenommen. Von den Germanen Ariovists sagt Appian S. 75, dass sie den Tod verachteten, weil sie an Unsterblichkeit glaubten. Dasselbe war nach Caesar und Mela die Lehre der gallischen Druiden: atque hoc maxime ad virtutem excitari putant, metu mortis neglecto.

So ist also die äussere Erscheinung sowie der innere Lebensgehalt der Kelten und der Germanen ganz gleich. Die Thatsachen bestätigen aufs vollständigste, dass die Germanen zu dem Keltischen Volksstamm gehören, dass aber die brittischen Völker von den Kelten geschieden werden müssen.

Vierter Theil.

DIE SPRACHE.

Was kann aller Widerspruch helfen, was können Zeugnisse und Thatsachen ausrichten, wenn die Sprache den Ausschlag giebt? Gewiss muss die Sprache es sein, die in dem Streite entscheidet; und alle beigebrachten Gründe verlieren ihren Werth, sobald erweislich ist, dass die Sprache der alten Gallier dieselbe war, die noch jetzt, wenn auch mit dialectischer Abweichung, in der Bretagne, in Wales gesprochen wird. Und dass diess der Fall sei, wird überall so zuversichtlich behauptet, dass es fast unerlaubt und unmöglich scheint, den geringsten Zweifel dagegen aufkommen zu lassen. Nichts destoweniger können wir nicht umhin, die Sache mit eignen Augen zu betrachten. Zu oft schon haben wir erfahren, dass allgemein geltende Ansichten aller Begründung entbehren können, um nicht mit Misstrauen jede Meinung aufzunehmen, die wir nicht selbst geprüft haben. Besonders ist diess der Fall bei herrschenden Meinungen über Sprachenverwandtschaft, die sich in einer Zeit festgestellt haben, als man von Vergleichung der Sprachen eigentlich noch gar nichts verstand und sich mit einigen Aehnlichkeiten des Lautes begnügte, und an den kühnsten und willkührlichsten Etymologien Vergnügen hatte. Wir müssen also, wie wenn noch nichts geschehen wäre, die Sache von vorn beginnen, und untersuchen, ob die keltischen Wörter, die uns von den Griechen und Römern aufbewahrt sind, in den brittischen oder in den germanischen Sprachen wiedergefunden werden. Denn leider besitzen wir von der alten Sprache der Kelten nichts als Namen und einzelne Wörter, nirgends zusammenhängende Sätze. Es bleibt also zur Entscheidung unsrer Streitfrage nichts zu thun übrig, als dass wir diese Wörter sammeln und sie betrachten, ob

sie wirklich brittisch sind, wie man jetzt allgemein behauptet, oder ob sie als deutsche erkannt werden können, wie nothwendig der Fall sein muss, wenn nach unsrer Ansicht die Germanen zu dem keltischen Volksstamm gehören. Dabei ist aber allerdings zu bemerken, dass wir nicht verpflichtet sein können, jedes gallische Wort in den deutschen Sprachen nachzuweisen. Denn die Sprachen ändern sich nicht nur im Bau, sondern noch mehr im Wortvorrath. Wir haben im Gothischen eine grosse Anzahl von Wörtern, die schon im ältesten Hochdeutsch ausgestorben sind; und in den ältesten hochdeutschen Quellen finden wir zahlreiche Wörter, die schon nach einigen Jahrhunderten ganz vergessen sind. So ist zu erwarten, dass im alten Gallischen, in der vorchristlichen Zeit, eine Menge Wörter im Gebrauch waren, von denen man schon zur Zeit des Ulfila, noch mehr zur Zeit des Otfried, also ein ganzes Jahrtausend später, durchaus nichts mehr wusste. Wenn wir manche gallische Wörter nicht im Deutschen nachweisen können, so ist damit nicht das geringste gegen unsre Ansicht bewiesen; diese muss vielmehr als erwiesen gelten, wenn es uns gelingt, eine kleine Anzahl ganz entschieden deutscher Wörter im Gallischen nachzuweisen. Es ist ferner zu bemerken, dass die brittischen Sprachen nicht nur urverwandt sind mit den germanischen und lateinischen, und daher manches Wort gemeinsam mit diesen besitzen, sondern auch von jeher sich aus fremden Sprachen bereichert haben, besonders aus dem Keltischen, dann aus dem Lateinischen, dann aus dem Angelsächsischen, Normannischfranzösischen, und endlich aus dem Englischen. Wenn wir daher in den heutigen brittischen Sprachen Wörter finden, die mit den gallischen zusammenzutreffen scheinen, so müssen wir nicht vorschnell daraus schliessen, dass die gallische Sprache die brittische sei; es können diess theils Wörter sein, die allen, oder einigen Sprachen des sanskritischen Stammes gemeinsam sind, ohne eine nähere Verwandtschaft zu beweisen, und theils solche, die wirklich aus dem Gallischen ins Brittische aufgenommen wurden. Auch ist Vorsicht beim Gebrauch der brittischen Wörterbücher nothwendig; da die brittischen Gelehrten schon längst überzeugt sind, dass ihre Sprache die alte gallische ist, so haben sie kein Bedenken getragen, die altgallischen Wörter in ihre Wörter

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