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ften Verkürzung seiner Macht vorziehen würde. Alles was sich seiner heftigen Leidenschaft zu

wiberfeßen scheinet, dienet bloß fie zu unterhalten, und der Verlust seines Ansehens selbst würde feine Begierden nur mehr reißen, indem er ihn von dem Gegenstande, nach welchem er seufzet, entfernte.

Claudius, der ihn in dieser Verfasfung sieht, bezeigt ihm fein Erstaunen über seine Måßigung. Umsonst sucht Äppius sie unter dem Vorwande, daß die Strenge und die Verachtung der Virginia für ihn eine Art von Bezauberung sen, zu rechtfertigen ; fein Liebling giebt sich alle Mühe, ihn zu überreden, daß er im geringsten nicht verzweifeln müße, so lange er mit dieser Romerin noch nicht selbst gesprochen habe. „Ist sie nicht ein Weibsbild ? fågt er „hinzu. Sollten Lobsprüche, Schmeicheleyen, „Eitelkeit, Eigennuß, die Ehre dich zu ihren „Füssen zu sehen, nicht fähig seyn, den Eigensinn „fu verführen, gesegt auch, daß sie das Herz wnicht gewinnen könnten? Sollte ben ihrem ,,Geschlechte alles vergebens feyn? Entschließe „dich nur, mit ihr zu sprechen. Dieser Tag ist „ohne Zweifel ber vortheilhafteste, den bu nur „dazu aussehen könntest.

Der Decemvir gesteht zu, daß er alles anwens ben müsse, um sein Uebel zu erleichtern, allein er glaubt, daß es sich für ihn nicht schicke, of fentlich etwas zu versuchen. Seine Leidenschaft

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würde gar bald allen bekannt werden, und wenn ihm sein Unternehmen mißlingen sollte, fo måre er vor der ganzen Welt zum Gelächter gemacht. Ehe er sich einer so großen Beschimpfung ausregte, wolle er lieber Virginien aus dem Haus fe ihres Vaters oder ihres Gemahls zu entführen und sie aus dem Schooße der Glückfeligkeit zu reißen trachten.

Db nun gleich Claudius der Mann gar nicht ist, der diesen tektern Anschlag mißbilligen follte, so besteht er doch auf seinem ersten Raths fchlage und muntert den Decemvir durch Grün. de auf, die feiner Ruchlosigkeit würdig find. „Wenn es, sagt er, darauf ankommt, dasjenia „ge was man begehrt, zu erlangen, so lekt man - salles Bedenken und alle Besorgniß ben Seite. „Ein Mann, der die Gewalt in seinen Hånden „hat, fennet weder Furcht noch Ueberlegung. Wenn man sein Glück durch ein Lafter erlangen kann, so ist die Tugend unnůße. Unter„laß also ja nicht, dich der gelegenen Zeit eines „Festtags zu bedienen. Es ist natürlich, daß „sich Virginia, bloß in Begleitung der Pubs „licia, daben einfinden wird. Suche fie auf, „und wenn du sie findest, so laß es fie aus deis snem eignen Munde hören, wie viel du für fie sempfindeft. Wenn sie dich anhört, gesegt auch, bidaß sie dich mit keiner Gegenliebe belohnt, fo „muß fie dir doch wenigstens dafür verbunden osfern, und schon dieses wird für dich eine Art

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svon Erleichterung seyn, die dir noch bis jegt ge„fehlt hat

. Endlich entschließt sich Uppius, so hart es ihm auch fållt, diesem Rathe zu folgen; und weil er in eben dem Augenblicke Virginien mit der Publicia herben kommen sieht, so macht er sich ein wenig ber Seite, damit sie, wenn sie ihn erblickten, nicht wieder zurück gehen möchten; Claudius aber geht noch weiter zurück, um ihm völlige Frenheit zu lassen.

Zweyter Auftritt. Virginia ist igres geliebten Icilius wegen besorgt. Weil sie fürchtet, daß ihn seine natürs liche Hiße allzuweit treiben, und er seine Person der Gefahr allzusehr ausseşen dürfte, fo betaus ert sie es, daß sie ihm nicht alle ihre Furcht entdeckt habe, um ihn dadurch zurück zu halten. Sie möchte ihm gerne antreffen, um es nach zu thun, und dieses ist es, was sie hierher bringt. publicia hat ihrer Ungeduld nachgegeberi; ale lein sie fürchtet ihr Nachgeben könne ihrer jungen Gebietherin nachtheilig seyn, wenn sie up: pius etwan antreffen follte.

Sie findet ihre Ereue dadurch beleidiget, und erkennt, daß es der bitterste Vorwurf seyn würde, den sie sich selbst machen könnte. Diesem Unglücke vorzus kommen, nöthiget fie Virginien, mit ihr wieder fortzugehen; doch in eben dem Augenblicke entdeckt sie den Decemvir. Voller Bestürzung

ruft

ruft sie sogleich aus: „gerechter Himmel! Meine „Besorgniß trift ein. Ich sehe den Appius.

Bey diesem Namen 'erkaltet das Herz der Virginia, und diese tugendhafte Romerin stellt ihre Aufseherin zwischen sich und den Decemvir, um ihr gleichsam zur Schußmehr zu dienen. Doch dieses verhindert den Uppius nicht, sich ihr zu nåøern, und ihr alles zu sagen, was die Liebe nur zärtliches und lebhaftes einflossen kann. Publicin welche beståndig ihrer Pflicht auf das genaueste nachzukommen sucht, erinnert den Dez ; cemvir an die Antwort, die sie ihm schon im Nas men ihrer jungen Gebietherin gegeben habe, une feßt hinzu: „Schmeichle dir nicht, daß Vir: »ginia deinem Verlangen heut geneigter senn „Werbe.

Sie ist kein Weibsbild, welches ge„wohnt ift Reden anzuhören, die ihre Tugend „beleidigen. Wende dich damit zu andern, die „sie anhören wollen, wenn du dich durch ihr ,,Stillschweigen nicht einer neuen noch größern „Krånkung aussehen willst.

Der Decemvir ist zu verliebt, als daß er sich foplößlich sollte abschrecken lassen, und beschwort sie, daß sie ihm erlauben wolle, Virginien alle die Stårke seiner Leidenschaft zu erkennen zu geben, oder daß ihm wenigstens diese anbethens würdige Schöne mit ihrem eignen Munde die abschlägliche Antwort ertheilen dürfe. Doch die Aufseherin erklärt ihm, daß es umsonst feyn

würde,

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würde, wenn sie es auch erlaubte, ja wenn auch Virginia felbst darein willigte.

Um so wohl die eine als die andre zu gewin. nen, zeigt Uppius benden die Vortheile, die fie aus dem Opfer seines Herzens und seines Ans febens ziehen könnten. „Fragt ihr denn, spricht ser zu ihnen, so wenig nach dem Glücke, daß iht „es so veráchtlich von euch stosset? Und du Dir, „ginia, kannst du mit einem gleichgültigen Auge „denjenigen zu deinen Füßen sehen, welchem als

Herrn von Rom, alles zu Gebothe steht? „Schmeichelt es dir so gar wenig, daß er dir nicht „einmal des geringsten Zeichens der Erkenntlich: „keit werth zu fenn scheinet? Ich halte dich für »sju klug, als daß du dein Glük so hassen, und „Ben Appius verachten solltest, der dir seine „Hoheit anbiethet und aufopfert.

Unterdessen fömmt er damit nicht weiter. Virginia und Publicia halten es für ihrer unwürdig, sich durch die Keizungen des Eigene nußes und des Glückes verführen zu lassen. Der Decemvir geråth darüber in Wuth, er kann sich nicht långer halten, und drohet der Virginia, ihr und ihrem Geliebten die Wirkungen seines Zorns und der Macht, die sie verachtet, eme pfinden zu lassen. Ich will dich, spricht er, die Güter die du verachtest, höher schåßen „lehren. Ich will - .

Publicia will ihn hier unterbrechen, doch Virginia legt ihr Stillschweigen auf, und er.

| greift

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