Immagini della pagina
PDF
ePub

Europens unbekannt war, und eine neue ers habne Art ausmacht, deren Reiße nach Maße gebung des Umfanges und der Zärtlichkeit der Gemüther empfunden werden. Endlich so fahe mani auch, in der von den Alten nachgeahmten Gattung, eine auf die Sitten und Handlungen des bürgerlichen und gemeinen Lebens sich bezies hende Beurtheilung; das Lustige und Spaße hafte wurde aus dem Innersten der Sache selbst genommen, und weniger durch die Worte als durch die wahrhaftig komischen Stellungen der Spiele ausgedrückt.

Bey Erblickung dieses edeln Fluges fonnte man natürlicher Weise nicht anders denken, als daß die Komödie auf diesem Grade der Vors treflichkeit

, welchen sie endlich erlangt hatte, stes hen bleiben, und daß man wenigstens alle Müs he anwenden würde, nicht aus der Art zu schla. gen. Allein, wo sind die Geseke, die Gewohnheiten, die Vergleiche, welche dem Eigensinne Der Neuigkeit widerstehen, und den Geschmack dieser gebiethrischen Göttin festlegen könne ten? Das Unsehen des Tloliere, und noch mehr, die Empfindung des Wahren, nöthigten zwar einigermassen verschiedne von seinen Nachfola gern, in seine Fußrapfen zu treten, und lassen ihn auch noch jeßt berühmte Schüler finden. Doch der größte Theil unsrer' Verfasser, und selbst diejenigen, welchen die Natur die meia sten Gaben ertheilet hat, glauben, daß sie ein

so

fo- nůßliches Muster verlassen können, und bes streben sich um die Wette, einen Namen zu erlangen, den sie, weder der Nachahmung der Alten noch der Neuern, zu danken håtten.

Ich will unter der Menge von Neuigkeiten, die sie auf unsre Scene gebracht haben, nichts von jenen besondern Komödien sagen, worinne man Wesen der Einbildung zur wirklichen Person gemacht und sie anstatt dieser gebraucht hat: es ist dieses ein feyenmäßiger Geschmack, und nur die Oper hat das Recht sich ihn zuzueignen. Auch von jenen Komödien will ich nichts gedens ken, worinne die spißige Lebhaftigkeit des Ges språchs anstatt der Verwicklung und Handlung dienen muß; man hat sie für nichts als für feis ne Zergliederungen der Empfindungen des Hers gens, und für ein Zusammengefegtes aus Ein. fållen und Strahlen der Einbildungskraft ans zusehen, welches geschickter ist, einen Roman glänzend zu machen, als ein dramatisches Ger dicht mit seinen wahren Zierrathen auszupuken. Ich will mich vorjezo blos auf diejenige neue Gattung des Komischen einschrånken, welcher der Abt Desfontaines den Zunahmen der Weis nerlichen gab, und für die man in der That schwerlich eine anståndigere und gemäßere Bee nennung finden wird. (1)

Damit

(1) Ich gestehe es, nichts ist lächerlicher, als über Namen zu streiten; es ist aber auch eben so lås

chers

Damit man mir aber nicht ein Unding zu bestreiten, Schuld geben könne, so muß ich hiet die Marimen eines Upologisten der Mlelanide, dieser mit Recht so berühmten Komóbie,von welcher ich noch oft in der Folge zu teden Gelegenheit finden werde, einrücken.

„Warum wollte man, sagt er, „einem Verfasser verwehren, in eben demselben „Werke das Feinste, was das Lustspiel hat, mit „dem Rührendsten, was das Trauerspiel darbie,then kann, zu verbinden. Es tadle diese Vera „mischung wer da will; ich, für mein Theil, ,,bin sehr wohl damit zufrieden. Die Veråne „derungen sogar in den Ergókungen lieben, ist „der Geschmack der Natur : : :

Man geht von „einem Vergnügen zu dem andern über; bald „lacht man, und bald weinet man. Diese „Gattung von Schauspielen, wenn man wil, „ift neu; allein sie hat den Benfall der Vers „nunft und der Natur, das Ansehen des scho„nen Geschlechts und die Zufriedenheit des Pue „blicums für sich.

Von cherlich, einen bekannten und bestimmten Namen einer Sache beyzulegen, der er nicht zukommt. Der Name einer Komödie kommt dem weiner: lich Romischen nicht besser zu, als der Name eines Epischen Gedichts den Abentheuern des Dom Quichott zukommt ss Wie soll man also diese neue Gattung bezeichnen? Eine in Gesprås che gebrachte pathetische Declamation, die durch eine romanenhafte Berwicklung zusammen gehale ten wird xc. Man Tehe Principes pour lire los Poetes im aten Theile. Lettres lur Melanide. Paris, 17417

Von dieser Art sind die gefährlichen Maris men, gegen die ich mich zu regen wage; denn man merke wohl, daß ich von einer aufrichtigen Bewunderung des Genies der Verfaffer durchdrungen bin, und niemals etwas anders als den Geschmack ihrer Werke, oder vielmehr das weinerlich Komische überhaupt genommen, angreiffe

. Ich habe mir beståna big die Frenheit vorbehalten, den liebenswüra digen Dichtern tausend Jobsprüche zu ertheilen; die uns durch sehr wirkliche Schönheiten der Ausführung, durch die Entdeckung verschieds mer wahren und sich ausnehmenden Schilderune gen und Charaktere, durch die blendende Neuiga keit ihrer Farbenmischung, oft dasjenige zu verbergen wußten, was an dem Wesentlichen ihrer Fabel etwa nichtig oder fehlerhaft seyn konnte: Das Genie des Verfassers strahlet allezeit durdy, und kann ihm, ohngeachtet der Fehler seines Werks, ein gerechtes Lob erwerben: allein die Feho ler seines Werks strahlen gleichfalls durch und fónnen, Troz den Bezaubrungen, die das Genie des Werkmeisters angebracht hat, mit Grund geo tadelt werden.

Nachdem ich also den hochachtungswürdigen Gaben der Künstler in dieser neuen Gattung, Gerechtigkeit wiederfahren lassen, so laßt uns ohne Furcht den Geschmack ihrer Stücke unters suchen, und gleich Anfangs fehen, ob ihnen das Alterthum Benspiele darbiethe, die sie uns

zur

Critif gebraucht habe

zur Rechtfertigung ihrer Wahl entgegensegen fönnen.

Aus dem leichten Entwurfe, den wir eben jekt betrachtet haben, ist es klar und deutlich, daß ihnen das griechische Theater keine Idee, die mit dem weinerlich Komischen analogisch wäre, geben konnte.

Die Stücke des Aristophanes sind eigentlich fast nichts, als fatyrische Gesprås che ; und aus den Fragmenten des Menanders erhellet,' daß auch diefer Dichter bloß die Farben des Lächerlichen, oder derjenigen allgemeinen freuet, als das Gemůthe angreift.

Die Art und Weise des lateinischen Theaters ist eben so wenig für sie. * und gar nicht die Weichmachung der Herzen, die Plautus zum Gegenstand feiner Lustspiele gewählt hat. Keine einzige von seinen Fabeln, kein einziger von fainen Zwischenfällen, kein einziger von seinen Charaktern ist dazu bestimmt, daß wir Thränen darüber vergiessen sollen. Es ist wahr, daß man ben dem Terenz einige růhrende Scenen findet; zum Erempel diejenigen, wo Pamphilus seine zårtliche Unruhe für die Glycerium, die er verführt hatte, ausdrückt: allein die Stellung eines jungen verliebten Men:

schen

Es ist ganz

[ocr errors]

Man redet hier vou dem lateinischen Theater bloß nach Beziehung auf die zwei Schriftsteller, die uns davon ubrig sind.

« IndietroContinua »