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„feinem Unglücke erfahren soll, daß noch unter „Den Ruinen des Vaterlandes ein Römisches „Herz zu finden ren.

Siebender Auftritt. Jcilius låßt feine Wuth austoben, als eben Virginia, die iận, in der Åbsicht ihn selbst ang zufeuern, aufsucht, mit der Publicia weinend Herzukommt. Sobald sie den Icilius gewahr werden, råth Publicia ihrer jungen Gebiether rin ihre Thränen zu hemmen; doch es ist um sonst. Das Herz der Virginia ist allzuem. pfindlich verwundet, und von der fühnen Beleis digung des Decemvirs allzuschmerzlich durch. drungen. Sie muß ihnen, wider ihren Willen freyen Lauf lassen. Ihr Geliebter sieht es, wird darüber unruhig und fragt nach der Ursache. „So lange Jcilius lebt, sprich, was kann dich „betrůben? Sollte dich fein brennender Eifer, „feine Liebe nicht gegen alles beruhigen? Rede „doch, und verbirg mir die Ursache deines Vers drusses nicht långer. Du þaft jezt ohne Zweia ,,fel eine neue und eine empfindlichere als „die ist, die ich schon weis.

Virginia låßt nicht sehr in fich dringen. Ihre Thränen haben angefangen, ihren Schmerz zu entdecken, und ihr Mund zaudert nicht, das übrige hinzu zu thun. Nachdem sie ihrem Ger liebten zu verstehen gegeben, daß sie den Üppius gesehen habe, und nicht langer feinen under

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fchähmten Reden ausgesellt fern wolle, so ents deckt sie ihm, ohne allem Umschweif, ihr Vetlans gen. Sie ist nicht mehr die zärtliche liebhabes rin, die für das Leben ihres Liebhabers und ihr eignes zittert, und den Zorn ihres theuren Jcilius zu måßigen sucht. Sie ist nunmchr ein wüthendes Weibsbild, welches nach nichts als Rache dürftet. Keine Gefahr ist fähig, sie zu erschrecken. Ihr Geliebter, so werth er ihr ist, foll alles wagen. Sie will, daß er nebst ihrem Vater, den sie alle Augenblicke erwarte, nebst dem riumitor und den zwey Rathsgliedern, auf das schleunigste die nöthigen Maaßregeln ergreife, um den Tyrannen zu stürzent, und seint Vaterland indem er sie råche, aus der schimpflichen Knechtschaft, in welcher es feufze, zu ret ten. Icilius besonders, selkt sie hinzu, darf „fich an nichts weiter felrent

. Was habert wir „ňoch zu verlieren, wenn man uns die Frenheit „segar in den Gefeßen und in der Liebe raubet?

So viel war nicht einmal nöthig, um den Icilius aufzumuntern, das alleråußersle zu was gen. - Es tauert ihn mir, daß er nicht in dent Augenblicke alle Verschworne versammeln, unt mit ihnen eilen kann, feine Hand in das Blut des grausamen Uppius zu tauchen. Seitder er weis, daß seiner geliebten Virginia felbfi daran gelegen ist, sind ihm alle Hugenblicke kostbar. Er will sich einen jeden derfelben sogleich zu Nuße machen, um alles zu einer fdsleunigen

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Ausführung seines Anschlages zu veranstalten. Unterdessen råth er der Virginia, sich ohne Unstand wieder zu ihren Ròmerinnen zu begeben, welche sie bereits zuv Ferjerung des Festes Der Pales suchten; er verspricht ifr zugleich, daß er sie nicht aus dem Gesichte verlieren, sondern auf ihre Sicherheit åußerst bedacht fern wolle.

Nach diesen Versicherungen befürchtet Vir, ginia weiter nichts. Sie ist an Geist und Herz mit dem Jcilius vereint, uno scheuet ideDer den verhaßten Namen, noch selbst die Gegenwart des Tyrannen. Die zwey Verliebten nehmen hierauf auf das zårtlichste von einander 26schied, versprechen sich eine benderfeitige Liebe, welche selbst der Tod nicht auslöschen soll, und Publicia schließt diese legte Scene des dritten Äufzuges mit folgenden Worten: „Möchten doch „die Götter an euch beyden zeigen wollen, daß sie „die Tugend beschůgen und belohnen, ob sie die „selbe gleich manchmal zu verlassen scheinen. Vierter Aufzug.

Erster Auftritt. Der Anschlag des Uppius in Ansehung der Virginia ist dem Claudius kein Geheimniß mehr. Appius selbst hat ihn davon unterrichtet, und ihm die gehörigen Befehle ertheilet. Man kann es aus den Worten schließen, die er im Vereintreten zu,:dein Claudius fagt.

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„Dieses, Claudius, dieses ist das lekte Hülfse „mittel, welches mir meine unumschránkte Herr: „schaft anbiethet, um meinen brennenden Bes »gierden Genüge zu thun. Du, der du die

Seele des ganzen Unternehmens fenn mußt, „mache dich fertig, alles, was ich dir gesagt has „be, zu vollziehen.

Claudius entdeckt nunmehr vollends feinen verhaßten Charakter, und zeigt wie viel ähnliches er mit dem Uppius habe. „Wenn man, spridit wer, fo glücklich ist, eine Creatur von dir zu senn, „fu weis man nichts zu antworten.

Der Ges horfam spricht allein. Bis hierher sind weder „after noch Schwierigkeiten fähig gewesen, mich „zurück zu halten. Die Gewohnheit und das „Vergnügen dir zu dienen, zerstreuen alle Be„denklichkeiten.

Noch mehr wird er durch die schmeichelhaften Versprechungen aufgemuntert, welche ihm der Decemvir macht. Er will ihm zum lohne in allen behůlflich seyn, wornach seine Begierde nur streben werde, und seine Unterstügung foll ihm in feiner Sache mangeln.

Zweyter Auftritt. Nachdem aber Appiusmeg ist, so scheine es doch, als ob er bernabe unentschlossen sen, was er eigentlich thun folle. So lange er die Gez fahr nur von weiten gesehen hat, so lange hat ihm feine Verblendung nicht erlaubt, fie in ihs

rer ganzen Große und nach allen ihren Eigenschaften zu entdecken; jegt aber, da er sie in der Nähe betrachtet, und sich ihr eben aussegen soll, ist es ganz etwas anders. Ihr Unblick scheint ihn zu erschrecken. Die Ungewißheit des Zusa ganges, die traurigen Folgen, welche dieses Un= ternehmen haben kann, bewegen ihn einige kluge Betrachtungen anzustellen, und ob ihn diese Betrachtungen gleich nid)t anders Sinnes machen, so halten sie ihn doch einige Zeit in Ungewißheit und seine Kühnheit geht fast verlohren. Unterdessen sind sie viel zu schwach, als daß sie einen allzudauerhaften Eindruck auf ein verderbtes Herz machen soilten, und es währt nicht lan= ge, so hat er sie gånglich aus seiner Einbildung verjagt. Das Glück ist viel zu reizend für ihn, als daß er es nicht zu erhalten suchen folle, wenn es ihm auch noch so theuer zu stehen fåme. Die allerabscheuligsten laster sind bey ihm gerechtfertiget, wenn sie geschickt sind, glücklich zu machen. Was liegt ihm daran, daß die That die er bes gehen fou, ihres gleichen nicht habe? Wenn er keine Ehre daben einlegt, so wird er doch Nußen daraus ziehen, welches feine Eitelkeit eben fo sehr sameicheln muß. Dieses ist ihm genug, und in diesem Entschlusse begiebt er sich ben Seite, weil er Virginien nebst der Publicia und ans dern Komerinnen gewahr wirb.

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