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Diese Härte bringt endlich den Vumitor auf ; er ermahnt den Claudius die Ehre der Virginia auf folche Urt nicht zu beleidigen, fondern er und sein Herr möchten sich so lange måßigen, bis man sie angehöret habe; doch Virginia låßt ihn nicht weiter reden. Sie ist in ihrer Verwirrung allzu aufgebracht, und glaubt fest, daß sie in ihrem geliebten Jcilius einer Hißigern und standhaftern Vertheidiger finden werde, und fährt daher fort, zu rufen: "Komm!

fordre deine Gattin wieder! Wo bist du? „Warum hörst du mein Geschren nicht?

Sechster Auftritt. : Sie wird in ihrer Erwartung nicht betrogen. Jcilius hört fie , antwortet ihr, erscheint den Hugenblick, reißt sie mit Gewalt aus den Hån. den des Claudius, und fpricht zu diesem Treue losen: „Weg, Barbar! Du mußt keine Hand „entheiligen, die mir selbst nicht erlaubt ist, zu „berühren! Dein scheufliches Unternehmen ist „gar bald, von Mund zu Mund, bis zu meinen „Dhren gelangt. Das Volk breitet es bereits ,sals das abscheulichste deiner Verbrechen aus, „und die Neugierde halt noch diejenigen auf dem Markte zurück, die du hier und da zerstreut .fiehlt. Deine Forderung scheint ihnen so forw „derbar, daß sie dir sie kaum zu trauen. Sie warten voll Shahm und Buth, daß man sie ihnen bekräftige. Du allein bist ben deiner

frechen

frechen Unternehmung blind, und bestehst dare „auf, eine Person zu mißhandeln, die dir nichts „als Ehrerbiethung einflossen follte. Umsonst, „Tollkühner, schmeichelst du dir, sie zu erhalten. „Wie hast du dir einbilden können, daß sie dir „jemand zusprechen werde, so lange Icilius „noch lebt?

Durch diese Frage fühlt sich der December beleidiget, und ergreift sogleich das Wort, und Fagt: „Wenn Rom einen obersten Richter, era ,,kennt, kann die Gerechtigkeit, wohl noch durch „bie Furcht aufgehalten werden? Dieses zu ver. „suchen, kommst du zu spåt, Icilius. Deine „Drohungen werden mich nicht bewegen, dass „jenige zu wiederrufen, was ich einmal gespro„chen habe.

Doch diese hochmuthige Antwort ist auch eben so wenig vermogend, den muthigen Jcilius abs zuschrecken. Er ist ganz anders als VIumitor, und erklärt dem Decemvir, daß er sich nicht Werde begnügen lassen, sich seinem ungerechten Urtheile durch blosse Worte zu widerseken. Er hat noch in seinem Arme Stårhe genung, die grausame Wuth des Appius und seiner Anhånger zurück zu halten. So lange er lebet, wird er es ju verwehren, wissen, daß ihm Claus dius seine Gattin entreiffe, und sie zu einer Beute der viehischen Luft des Decemvirs mache. War es für den grausamen Uppiys nicht geAug, daß er die Consuls und Tribune, welche

eine fichre Zuflucht für den Adel und für das Volf waren, aufhob? Håtte er sich nicht damit follen begnügen lassen, daß er den Römern die stärkste Stůke igrer Frenheit geraubet, indent er dem Volfe, durch seine Treulosigkeit, die Bes rufung auf die allgemeinen Versammlungen benommen? Will er noch durch eine andre abs dheuliche lift die Ehre der feuschen Römerinnen Frånken, und sie zu seinen Ausschweifungen mißbrauchen? Mag er doch mit allem, was er als Reichthum anfieht, den Durst, der ihn verzehret, löschen. Mag er ihn doch, wenn dieses nicht genug ist, in dem reinen und ebeln Blute der Römer fühlen: nur verehre er wenigstens ihre Gattinnen, und suche sie nicht zu Opfern seiner wüthenden Wollust zu machen. Es schickt fich für römische Seelen niche, sich bis zur Er. buldung einer solchen Entehrung herabzulaffert. Als Erben der Keuschheit ihrer Vorfahren, bes wahren sie in dieser Tugend das Andenken ihrer ersten Stifter. Uppius, wenn er es darauf ankommer låßt, soll erfahren, daß es noch Måne ner giebt, welche dem Benspiele des Brutus zu folgen, fähig find. Er soll wissen, daß obgleich die Furcht die Bewegungen, die unter den Vol. te entstehen, unterdrůdt, er dennoch deswegen nichts mehr gesichert-ist. Der, der den Brus tus in der Liebe nachahmet, wird es ihm auch an Entschlossenheit und Muthe gleich thun. Wie? Jcilius sollte von der Hand des nichts

wure

roürdigen Unterhåndlers der unreinen Süste des Decemvirs, die anbetensivůrdige Schönheit empfangen, die ihin von ihrem Vater selbst vere sprochen ist. Nein, nein. Uppius schmei. chle fich dessen nur nicht. Er lege diesen Wahn ab, und lasse sich von seiner Leidenschaft niche berblenden. Die Römer, welche den Jcilius begleiten, und mit einem scharfen Blick alles, was vorgehet, bemerken, werden sein unbilliges Urtheil niemals unterschreiben. Die Soldaten kennen gleichfalls die Tapferkeit und Verdienste des Virginius allzugut, als daß sie bey ders gleichen Gelegenheit einem so großen Manne entstehen sollten. Wenn sich aber auch niemand dieser Ungerechtigkeit widerseken, nochy fich der Ehre des Schwiegervaters und des Eidamms annehmen sollte, so firid die zwen Verliebten allein vermogend genug, die stråflichen Anschläge des Decemvirs fehl schlagen zu lassen. Durch die Entschlossenheit

, mit welcher Jcis lius dieses spricht, wird einer von den Romein aus seinem Gefolge dreufte gemacht, und erklärt öffentlich, daß er ben einem fo gerechten Unters nehmen auf den Benftand aller seiner Mitbůre ger, so balb er ihn nöthig haben werde, Rechnung machen könne.

ålle diese Reben werden von dem Uppius frech und unverschähmt gescholten; gleichwohl aber machen sie einigen Eindrud bey ihm. Er thut, als ob er sie nicht so wohl für eine Folge

der liebe des Jcilius gegen Virginien, roma der für eine Wirkung des boshaften Neides die fes Römers hielte, welcher gerne einen Aufstand unter dem Volke anspinnen, und vermittelft dels selben das Unsehen des Tribunats, nach dem er strebe, wieder herstellen möchte. Unter dem Vorwande also, daß er mehr Klugheit als Rache zeigen wolle, um seine Aufführung zu rechtfer: tigen und dem Jcilius alle Gelegenheit zu eta nem Aufruhre zu benehmen, ist er es zufrieden, daß Virginia ihre Frenheit so lange mieber erhalte, bis der Handel vor seinem Richterstuhle geschlichtet fen. „Ich befehle, spricht er, daß „diese Unglückliche, deren Namen ich noch nicht „einmal weis, fren bleibe, und ich hoffe, daß „Claudius, aus Liebe zur Ruhe des Vaterlanejdes, darein willigen werde.

Claudius findet keine Ursache fich darwiber zu legen. Die vorgegebene Gerechtigkeit, die er begehrt, ist bloß aufgeschoben. Alles was er verlangt, ist dieses, daß Jcilius Virgi. nien nicht ohne Gewehrleistung überkomme. Ein Rómer von dem Gefolge des Icilius ers biethet fich, mit allen seinen Gefehrten dafür zu stehen; doch Jcilius, welche ihre Dienste auf eine wichtigere Gelegenheit versparen wil, wenn fich dergleichen zeigen sollte, dankt ihnen, und Phlågt sich mit den Unverwandten der Virginia selbst als hinlänglich sichere Gewehrleister vor, bie Appius in Ansehung iører Personen, und

DAS

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