Immagini della pagina
PDF
ePub

zu überlegen, durch welchen Weg er dazu gelange ist. Man muß aber nur bier merken, von was für einem Wiße die Rede ist. 2n dem leichten Wiße, welcher nur zur Prahlerer dienet, und uns nur in Kleinigkeiten und unnů. Ben Dingen ein Ansehen giebt, kann es ganz wohl grossen Schauspielern gemangelt haben: - aber niemals an dem gründlichen Wige, welcher

uns das verborgenste an einem Dinge entdeckt, und es uns anzuwenden lehret

Von dem Wiße fommt der Verfasser im zweyten Bauptstücke auf die Empfindung. Er unter: fucht, was die Empfindung fey, und ob sie bey dem tragischen Schauspieler wichs tiger fey, als bey dem komischen. Unter der Empfindung wird hier nicht bloß die Gabe zu weinen verstanden, sondern dieses Wort hat einen grössern Umfang, und bedeutet bey den Schauspielern die Leichtigkeit in ihren Seelen Die verschiedenen Leidenschaften, deren ein Mensch fåhig ist, auf einander folgen zu lassen. Xus dieser Erklärung ist das übrige zu entscheiden. In den Bezirf des Trauerspiels gehören nur sehr wenig leidenschaften, Liebe, Haß, Ehrgeiß, welche noch dazu in dem Schrecklichen und Traurigen alle mit einander übereinkommen. Die Komödie hingegen schließt feine einzige Leidens fchaft qus; und diese alle muß der Schauspieler annehmen und von einer auf die anore übersprina Well aber die Seitenschaften in

der

gen können.

der Komödie nicht so gewaltsam sind, als in der Tragödie: fo muß der komische Schauspieler zwar die Empfindung in einem größern um. fange, der tragische aber in einem månnlichero Grabe besigen. - Mit der Empfindung Hat das Feuer einige Verwandtschaft, und von diesem untersucht der Verfasser im dritten Bauptstücke, ob ein Schauspieler dessen zu viel haben könne? Das Feuer besteht nicht in der Heftigkeit der Declamation, oder in der Gewaltsamkeit der Bewegungen, sondern es ist nichts anders als die Geschwindigkeit und Lebe haftigkeit, mit welcher alle Theile, die einen Schauspieler ausmachen, zusammen treffen, um feiner Action das Ansehen der Wahrheit zu geben. In diesem Verstande nun ist es unmöglich, daß eine spielende Person allzuviel Feuer haben fons

Man wird sie zwar mit Recht tadeln, „wenn ihre Action mit ihrem Charakter, oder „mit der Stellung, in welcher sie sich befindet, „nicht überein kommt, und wenn sie, anstatt „Feuer zu zeigen, nichts als convulsivische Vera „zůckungen fehen, und nichts als ein überlåstiges ,,Geschrey hören läßt. Allein alsdenn werden „leute von Geschmack ihr nicht allzuviel Feuer „Schuld geben, sondern sie werden sich vielmehr „beklagen, daß sie nicht Feuer genug bat; To „wie sie, anstatt mit dem Publico ben gewissen

Schriftstellern allzuviel Wiß zu finden, vielmehr „finden, daß es ihnen daran fehlt. Ein Schrifte

„steller

ne.

,, fteller leihet zum Erempel in einem Luftspiele „dem Bedienten oder dem Magdchen die Sprache eines wißigen Kopfes; er legt einer Person, „Welche von einer heftigen Leidenschaft getrieben „wird, Madrigale oder Sinnschriften in Mund: „und alsdenn fagt man, er habe allzuviel Wig. „Genauer zu reden, sollte man vielmehr sagen, „er habe nicht Wiß genung, die Natur zu ers „kennen, und sie nachzuahmen. So auch mit „dem Schauspieler; kommt er ben Stellen außer „fich, wo er nicht außer sich kommen soll, so ift „Dieses unnatürlich. Allein er verfälle in diesen » Fehler nicht aus Ueberfluß, sondern aus Man„gel der Hike. Er empfindet alsdenn nicht „das, was er empfinden folite; und drücft das „nicht aus, was er ausdrücken sollte. Es ist „Daher kein Feuer, was wir bey ihm gemahe „werden, sondern es ist Ungeschicklichkeit; es ist „Unsinn Aus diesem wird man leicht urtheilen können, ob ein Schauspieler des Feuers ganz und gar überhoben feyn könne. Unmög. lich, wenn man anders das, was wir angeführt haben, und nicht die blosse åußerliche Heftigkeit in der Stimme und in den Bewegungen darunter versteht Bis þierher hat der Ver. faffer die innerlichen natürlichen Gaben betrach. tet, nur kömmt er auf die außerlichen, und unterfucht in dem vierten Hauptstücke, ob es vortheilhaft feyn würde, wenn alle pers sonen auf dem Theater von ausnehmens

der

1

der Gestalt wären: „Gewisse Zuschauer, „welche das sinnliche Vergnügen dem geistigen „vorziehen, werden mehr durch die Schauspies slerinnen, als durch die Stücke vor die Bühne „gelockt. Als Leute, die nur gegen die Gestalt wempfindlich und immer geneigt sind, ein liebens„ldürdiges Gesicht für Talente anzunehmen, „wollten sie lieber gar, daß auch die alte Mutter „des Orgons im Tartuff, die Madam „Pernelle, reißend" wåre. Doch diese Herren verstehen den Vortheil der Zuschauer sehr schlecht, und noch schlechter verstehen sie das, was die Einrichtung der Komödie felbft erfordert. Den erstern verstehen sie deswegen nicht, roeil, wenn es wahr wäre, daß nur ausnehmend schöne Gestalten auf dem Theater erscheinen dürften, das Publicum nicht selten die portrefs lichsten Schauspieler entbehren würde, denen es sonst an keiner Art von Geschicklichkeit mangelt. Noch schlechter, wie gesagt, verstehen sie das, was die Einrichtung der Komödie erfordert, nach welcher die äusserlichen Vollkommenheiten unter die Acteurs nicyt gleich vertheilt fenn müssen, ja nach welcher es so gar oft gut ist, wenn ges wisse Acteurs einige von diesen Vollfommenheis ten ganz und gar nicht besigen. „Regelmåßige „Gesichtszüge, ein edles Ansehen nehmen uns wfrenlich überhaupt für eine Person auf dem Theas „ter ein; allein es giebt Rollen, welche ihr weit „besser anstehen, wenn ihr die Natur diese Box,

„jůge

„üge nicht ertheilt hat. Ich weis wohl, daß „man, ohne von dem Mangel der Wahrschein„lichkeit beleidiget zu werden, ja daß man sogar „mit Vergnügen eine junge Schöne die Person „einer Alten, und einen liebenswürdigen Schaus „spieler einen groben und tolpischen Bauer vore „stellen sieht. Ich weis woul, daß wir nicht in „Die Komödie gehen, die Gegenstånde felbst, „sondern blos ihre Nachahmung zu sehen „Gleichwohl aber muß man doch unter den Gat„tungen der komischen Rollen einen Unterschied „machen. Einige ergoßen uns durch die blosse „Nachahmung gewisser lächerlichen Fehler. „Andre aber ergößen uns durch die Übste„chung, die sich entweder zwischen dem Vor„geben der Person und den Beweisen, auf welche „sie dasselbe gründet, oder zwischen dem Ein„Drucke befindet, den sie bey denjenigen Perso= „nen, die mit ihr spielen, machen sollte, und „zwischen dem Eindrucke, welchen sie wirklich „bey ihnen macht. Je mehr ein Schauspieler, in „den Rollen von der ersten Art, die Volkom„menheiten hat, die den Fehlern, welche er nach „ahmt, entgegen gefekt sind; desto mehr wissen „wir es ihm Dank, wenn er uns gleichwohl ei„ne vollkommene Abschilderung von Blefen Feld „lern macht. Je weniger aber, in den Rollen „von der zweyten Urt, ein Schauspiel die Voll„kommenheiten hat, welche die Person, die er svorstellt, haben will, oder welche ilm die an

modern

« IndietroContinua »