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strice, an die dieses gerichtet war; ich würde sauf das schleunigste, einen andern Lieb„haber

zu bekommen suchen. Ja, wenn „Das ist, antwortete ihre Freundin, fo ift ih. ste und meine Mühe vergebens. Ich „werde sie ihre Rolle nimmermehr ges „hörig spielen lehren. Diese Folge war sehr richtig; denn eine wahre Zärtlichkeit auszudrücken, dazu ist alle Kunst nicht hinlänglich. Man mag fich auch noch fv fehr bestreben, das unschuldige und rährenden Wesen derselben zu erreichen; es wird doch noch immer von der Natur eben so weit unterschieden seyn, als es die frostigen Liebkofungen einer Buhlerinn, von den affektvollen Blicken einer aufrichtigen {tebhabes rin sind. Man stellt alle übrige Leidenschaften unvollkommen vor, wenn man sich ihren Bewegungen nicht überlåßt, aber wenigstens stellt man fie doch unvollkommen vor. Man ahmet mit faltem Blute den Ton eines Zornigen schlecht nad), allein man kann doch wenigstens einige von den andern åufserlichen Zeichen, durch wels che er fid) an den Tag legt, entlehnen; und wenn man in verschiedenen Rollen schon nicht die Ohten betriegt, so betriegt man doch wenigstens die Augen. Jn ben zärtlichen Rollen aber kann man eben so wenig die Hugen, als die Dhren bes triegen, wenn man nicht von der Natur eine zur Liebe gernachte Seele bekommen hat. Will „man, fährt der Verfasser fort, die Ursache wise

„fen,

üfen, warum man zwar die Larve der andern Leie „benschaften borgen, die Entzückungen der Zårt mlichkeit aber nur auf eine sehr ungetreue Art nach

bilden kann, wenn man nicht selbst liebe, oder „wohl gar zu lieben nicht fähig ist, so will ich es was „gen eine Vermuthung hierüber vorzutragen.

Die übrigen leidenschaften mahlen sich blos das

durch auf dem Gesichte, daß sie in den Zügen „eine gewisse Art von Verånderung verursachen; „die Zårtlichkeit hingegen þat, so wie die Freuá „de, das Vorrecht, Der Gesichtsbildung neue »Schönheiten zu geben und ihre Fehler zu verbesissern. Daher also, daß man uns von gewissen „Leidenschaften ein unvollkommenes Bild vorstels „len kann, ohne von ihnen felbft beherrscht zu „Werden, folgt noch nicht, daß man auch die .sanfte Drunkenheit der Liebe auch niur unvolls „kommen nachahmen könne, whne sie felbft

" zu , fühlen.

Uus allem diesen zieht det Verfasser in dem fünften hauptstücke die Folgerung, daß man sich nicht mehr mit diesen Rollen abgeben müsse, wenn man nicht mehr in dem glücklichen Alter zu lieben ser. Die Wahrheit dieser Folgerung fällt zu deutlich in die Augen, als daß es nöthig wår, Teine Gründe anzuführen, die ohnedem auf das vorige hinaus lauffen. Wir kommen vielmelör fogleich auf den zweyten Abfchnitt dieses gwenten Buchs, worinn, wie schon gesagt, die aufferlin then Gaben abgehandelt werden, worldje mu gewif

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fen Rollen insbesondere nöthig sind." Es gee fchieht dieses in vier Hauptstücken, wovon das erste die Stimme angeht, und zeiget, daß eis ne Stimme, welche in gewissen Rollen hinlänglich ist, in andern Rollen, wels che uns einnehmen sollen, es nicht sey. Ber komischen Schauspielern ist es fast genug, wenn wir ihnen nur alles, was sie sagen sollen, hinlänglich verstehen können, und wir können ihnen eine mittelmåßige Stimme gar gern überfehen. Der tragische Schauspieler hingegen muß eine starke, majestátische und pathetische Stimme haben; der, welcher in der Komödie Personen von Stande vorstellt, eine edle; der, welcher den Liebhaber macht, eine angenehme, und die, welche die Liebhaberin spielt, eine bezaubernde. Von der letztečn besonders verlanget man dieje nigen überredenden Tone, mit welchen eine Schóne aus dem Zuschauer, alles was fie will, mas chen und von ihrem Liebhaber, alles was sie begehrt, erlangen kann. Eine reißende Stimme fang: anstatt vieler andern Vorzåge seyn. Beny mehr als einer Gelegenheit hat die Verführung der Direit über das Zeugniß der Augen gesiegt, und eine Perfon, der wir unsere Huldigung vers weigerten, wenn wir sie blos fahen, hat fie volle kommen zu verdienen geschienen, wenn wir sie gex hörer haben von der Stimme fonuinc der Verfaffer auf die Gestalt und zeigt in dem zweyten Bauptstücke, daß die Liebhaber

in der Komödie eine liebenswürdige, und die Gelden in der Tragödie eis ne ansehnliche Gestalt haben müssen.

Weil es wahrscheinlich ist, daß die erhabenen Gesinnungen einer Prinzeßin fie bewegen kön= nen, bey einem Helden die nicht allzu regelmåsfige Bildung seines Gesichts in Ansehung seiner übrigen grossen Eigenschaften, zu vergessen: so ist es eben nicht so unumgånglich nöthig, daß der Liebhaber in der Tragödie von einer durchaus reißenden Gestalt fen, wenn seine Rolle sich nur ungefehr zu seinem Alter schikt. In der Romos die aber pflegen wir strenger , zu fenn.

Weil diese uns in den Gesinnungen und Handlungen ihrer Personen nichts als das Gemeine zeigt, so bilden wir uns ihre Helden auch von keinen so ausnehmenden Verdiensten ein, daß sie über das Herz siegen könnten, ohne die Augen zu reißen, und ihre Heldinnen stellen wir uns nicht so gar pårtlich vor, daß sie bey dem Geschencke ihres HerJens nicht ihre Augen zu Kathe ziehen sollten. Die Gestalt des Liebhabers muß die Zärtlichkeit berjenigen, von welcher er geliebet wird, rechtfer-tigen; und die Liebhaberin muß uns ihre Liebe nicht blos mit lebendigen Farben abschildern, sondern wir müssen sie auch nicht für unwahrscheinlich halten, noch ihren schlechten Geschmak daben tadeln können. Man wirft zwar ein, daß man im gemeinen Leben oft genug eine Schöne nach einen gar nicx liebenswürdigen Menschen Feuf

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jen sehe, 'und daß uns daher ein klein wenig Ueberlegung gleiche Ereignungen auf dem Theater erträglich machen könne. Hierauf aber ist zu antworten, daß man in der Komödie das Vergnügen durchaus nicht von der Ueberlegung will abhängen lassen. Ber den Liebhaberinnen ist diese Bedingung noch nothwendiger, als ben den liebhabern. Es ist zwar nicht eigentlich Schönheit, was sie besigen müssen; fondern es ist etwas, was noch mehr als Schönheit ist, und welches noch allgemeiner und noch måchtiger auf die Herzen wirkt; es ist ein ich weis nicht was, wodurch ein Frauenzimmer reißend wird, und ohne welches sie nur umsonst schon ift; es ist eine gewisse fiegende Anmuth, welche eben so gewiß allezeit rührt, als es gewiß ist, daß fie fich nicht beschreiben läßt. Gleiche Bervandniß hat es auch mit denjenigen Personen, welchen der Verfasser in Ansehung ihres Standes und ihrer Gesinnungen über das Gemeine hinaus feet; ibre åusserliche Gestalt muß ihre Rolle nicht era niedrigen. Qbgleich die Natur ihre Gaben nicht allezeit dem Glanze der Geburth gemäß einrichtet, und obgleich oft mit einer sehr schlecha ten Physiognomie sehr ehrwürdige Titel verbunden fino: so ist es uns doch zuwider , wenn wir einen Schauspieler von geringen Unsehen eine Person von Stande vorstellen sehen. Seine Gestalt muß edel, und seine Gefichtsbildung muß fanft und glücklich seyn, wenn er gewiß

seyn

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