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fenn "Will, Hochachtung und Mitleiden in uns zu erregen.

Man weis in Paris noch gar wohl, was einem gewissen Schauspieler wieder fuhr, welcher seine Probe spielen sollte. Es fehlte ihm weder an Empfindung , moch an Wige, noch an Feuer; aur fein ausserliches war gar nicht heldenmäßig. Einsmals stellte er die Person des Mithridats vor, und stellte sie so vor, daß alle Zuschauer mit ihm håtten zufrieden seyn müssen, wenn er lauter Blinde zu Zuschauern gehabt hätte. In dem Auftritte, wo Yonime zu dem Könige sagt: Berr, du ånderst dein Gesicht, rufte ein Spottvogel aus dem Par. terre der Schauspielerin zu:Laßt ihn doch andern. Auf einmal verlohr man alle Gaben des Schauspielers aus den Augen, und dachte bloß und allein an die wenige Uebereinstimmung, die fich zwischen ihm und seiner Person befånde.

In dem dritten Bauptstücke kommt i der Verfasser auf das wahre oder anscheis nende Verhältniß, welcheszwischen dem Alter des Schauspielers und dem Alter der Person feyn muß. Ein Portrait, das wegen seiner Zeichnung und seiner Farbenmi. schung auch noch so schåsbar ist, wird doch mit Recht getabelt, wenn es diejenige Person, die es vorstellen soll, ålter macht. Eben fo wird uns auch ein Schauspieler , wenn er auch sonst noch so vollkommen spielt, nur mittelmäßig gefallen, wenn er für seine Rolle allzu alt ift. Es ist nicht

genug,

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genug, daß man uns Iphigenien nicht mit Runzeln und den Britannicus nicht mit grauen Haaren zeiget; wir verlangen bende in allen Reißungen ihrer Jugend zu sehen. Einige Jahre zwar kann der Neteur ålter als feine Pera fon fenn, weil er uns alsdann, wenn er diesen Unterscheid wohl zu verbergen weis, das Vers gnügen einer doppelten Täuschuirg verschaft, welches wir nicht haben würden, wenn er in dies Fem Falle nicht wåre. Dieses ist zu deutlich, als daß der Verfasser nöthig haben sollte viel Worte damit zu verschwenden. Er thut es auch nicht, sondern eilt mit dem ersten Theile feines Werks zu Ende, indem er nur noch ein kleines Hauptstück, welches das vierte ist, und besonders die Magdchen und die Bes dienten angebet, hinzu thut. Ben einigen Rollen ist es gut, wenn die Schauspielerinnen, welche die Migdchen vorstellen, nicht allzu jung mehr sind; ben einigen aber müssen sie nothwens dig jung seyn, oder wenigstens jung scheinen, um ihre Jugend zu einer Art von Entschuldia gung für die unbedachtsamen Reden, welche sie meistentieils führen, oder für die nicht allzuklus gen Rathschläge, die sie ihren Gebietherinnen oft bei liebeshåndeln geben, zu machen. Wenn aber das Magdchen eben nicht allezeit jung fenn darf, so muß sie doch immer eine ausserordentliche Flüchtigkeit der Zunge besigen.' Diese Elgenschaft ist besonders in den Lustspielen des

Regnards

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Regnards sehr nöthig, wo ohne diefelbe ben verschiednen Rollen alle Anmuti wegfällt. Auch fordert man von den Magdchen eine schalkhafte Mine, und von den Bedienten Geschwindigkeit und Hurtigkeit. Ein dicker Körper schickt sich daher für die Bedienten eben so wenig, als fich für die Mågochen das Stottern schicken würde.

Dieses also wåre der Inhalt des ersten Theils. Er handelt, wie man gesehen hat, nichts anders ab, als diejenigen natürlichen Gaben, ohne wele che es nicht einmal möglich ist, ein guter Schaus spieler zu werden. Wie viel håßliche Gegens stånde würden wir unter ihnen entbehren, wenn fie alle fo billig gewesen wåren, sich darnach zu prüfen. Noch weniger Stümper aber würden wir sehen, wenn diejenigen die diese Prüfung vorgenommen, und darinne bestanden haben, nicht geglaubt håtten, daß sie nunmehr schon vollkommne Schauspieler wåren, und nichts mehr als diese natürlichen Vorzüge nöthig håtten, um den Benfall der Zuschauer zu erzwingen. Sie mögen sich ja nicht betriegen; sie haben aufs höchste nur die Anlage von dem, was sie seyn müssen, und wenn sie sich nicht durch Kunst und Fleiß ausarbeiten wollen, so werden sie zeitle= bens auf dem halben Wege stehen bleiben. Wie dieses aber geschehen müsse und worauf sie insbesondere zu sehen haben, handelt unser Verfasfer in seinem zweyten Theile ab, welcher, ohne einige Unterabtheilungen, aus neunzehn Haupt=

Ps

stůcken

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stücken besteht, deren Inhalt ich gleichfalls an: zeigen will.

Das erste Sauptstück untersucht worins ne die Wahrheit der Vorstellung bester be? Diese Wahrheit bestehet in dem Zusammenfluße aller Wahrscheinlichkeiten, welche den Zuschauer zu betriegen geschickt sind. Sie theilen sich in zwey Klassen. Die einen entstehen aus dem Spiele des Ucteurs; und die andern aus gewissen Modificationen des Schauspielers, in Ansehung seiner Verkleidung oder der Aus zierung des Orts, wo er spielt.

Die Wahrs fcheinlichkeiten von der ersten Art gehören vornehmlich hierher, und bestehen in der genauen

Beobachtung alles dessen, was sich geziemt. Das Spiel des Acteurs ist nur alsdann wahr, wenn man alles darinne bemerkt, was sich für das Alter, für den Stand, für den Charakter und für die Umstånde der Person, die er vors stellt, schicket. Diese Wahrheit aber theilt sich in die Wahrheit der Action, und in die Wahrheit der Recitation.

Von der ersten handelt das zweyte Baupts stück. Diese Wahrheit ist oft diejenige gar nicht, welche dem Schauspieler zuerst in die Ges danken kommt. Ugamemnon zum Erempel, (Iphigenia Zufz. II. Auft. 2.) als ihn Iphigenia fragt, ob er ihr erlauben werde, dem Dpfer, das er vorbabe, benzuwohen, antwortet ihr: Du bist dabey, mein Tochter.

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Perfthiedne Schauspieler glauben diese Stellung recht pathetisch auszudrücken, wenn fie Blicke voll Zärtlichkeiten auf Iphigenien heften, allein diere Action ist ganz wider die Wahrscheinlich keit, weil Agamemnon, indem er dieses zu feiner Tochter gesagt, die Jugen gewiß wird abgewendet haben, damit sie den tödlichen Schmerz, Per fein Herz zerfleischte, nicht darinne lesen möge. Die Schwierigkeit alle kleine Schattirungen zu bemerken, aus welchen die Wahrheit der Action bestehet, zeigt sich besonders in dem verwickel ten Stellungen. Der Verfasser verstehet unter diefer Benennung diejenigen Stellungen, in welchen die Perfon entgegengesekten Absicha ten ein Genüge thun muß. In diesem Falle ift Isabelle in der Männerschule, wenn sie sich zwischen dem Sganarelle und Valere befindet, und den einen umfaßt indem sie dem andern: die Hand giebt, und zu den einen etwas spricht, was sich der andre annehmen soll. Die Schaus spielerin, die diefes fpielt, hat sehr viel Genauiga feit anzuwenden, damit ihr die Zuschauer weder allzuwenige Vorsicht in Unsehung ihres Eiferfüchtigen, noch allzuwenig Zärtlichkeit gegen ihren Liebhaber Schuld geben können.

In dem dritten Sauptstücke betracht der Verfasser die zwey vornehmsten Stücke der. Uc tion; die Minen nehmlich und die Gestus. Bende müffen Hauptsächlich wahr fenn. Der Schau: fpieler muß die Leidenschaften nicht allein in fei:

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