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„ihrer Religion noch nicht überzeugt ist, und also „ganz wohl zugeben konnte, daß man ihr anhing, „aber es gar nicht für norhig hielt, sie selbst zu „ergreifen. In der andern aber gab er durch „eine sehr feine Bewegung und durch eine sehr „künstliche Veränderung der Stimme zu ver: „stehen, daß ihm der Dienft des Kaysers ein

„weit wichtigerer Punct zu seyn scheine, als die „genaueste Beobachtung des Christenthums.

Eine andre Art von den Feinheiten des Schauspielers kommt auf die Verbergung der Fehler eines Stücks an. Låßt, zum Erempel, der Verfasser, eine Person, mit der er in Unter redung ist, alzulange sprechen, so macht er eg nicht, wie es wohl oft gewisse Schauspielerinnen machen, und läßt seine Augen unterdessen unter denZuschauern herumschweifen, sondern er bemüht sich, durch ein stúmmes Spiel auch alsdenn zu (prechen, wenn ihm der Dichter das Stille schweigen auflegt.

In dem dreyzehnten Bauptstücke nimt Der Verfasser, um die Feinheiten des Schauspielers näher zu betrachten, diejenigen vor, welche dem Tragischen insbesondere zugehören. „Man glaubt mit Recht, daß die „Tragödie grosse Bewegungen in uns erregen „mnusse. Wenn man aber daraus schließt, daß „sich folglich der Schauspieler diesen Bewegun

gen nicht ununterbrochen genug überlassen kön= „ne, so betriegt man sich. Oft ift es fehr gut,

„Wenn

„wenn er in denjenigen Augenblicken, in wels „chen gemeine Seelen denken, daß er sich in „der allergewaltsamsten Bewegung zeigen wer: „de, ganz vollkommen ruhig zu feyn scheinet. „Jin dieser Abstechung liegt der größte und vor„nehmsic. Theil der Feinheiten, welche in den „tragischen Spiele anzubringen sind. Ein Paar Erempel werden dieses deutlicher machen. „Die „ausnehmende Gunst, womit Auguftus den „Çinna beehrte, batte den lektern doch nicht „abhalten können sich in eine Verschwörung, „wider seinen Wohlthäter einzulassen. Das ,,Vorhaben des Cinna wird entdeckt. Uugustus „läßt ihn vor sich fordern, um ihm zu entdecken, „Daß er alle seine Untreue wisse. Wer sieht nicht „sogleid) ein, daß dieser Kayser um so vielmehr „Ehrfurcht erwecken muß, je weniger er seinen „Unwillen auslassen wird ? Und je mehr er Ur„fache hat über die Undankbarkeit eines Verrå„thers erbittert zu seyn, den er mit Wohlthaten „überschüttet hat, und der ihm gleichwohl nach ,,Chron und Leben steht, desto mehr wird man „erstaunen, die Majeståt eines Regenten, wel: „cher richtet, und nicht den Zorn eines sich rå„chenden Feindes in ihm zu bemerken.

Eben so deutlich fållt es in die Augen, daß je „Weniger man über die Grösse seiner entworfnen „Unternehinungen erstaunt scheint, desto grösser „der Begrif ist, den man bei andern von seinen „Vermögen, sie auszuführen, erweckt. Mithris

„dat

.

„dat muß daher einen weit grössern Eindruc „machen, wenn er seinen Söhnen die Entwürs „fe, die er den Stolz der Römer zu erniedrigen „gemacht hat, mit einer ganz gelassenen und ein"„fáltigen Art mittheilet, als wenn er sie mit „Schwulft und Pralerey austrahmet, und in „dem Tone eines Menschen vortrågt, welcher

„den weiten Umfang feines Genies und die „Grosse feines Muths gern möchte bewundern „lassen.

Wenn man dieses gehörig überlegt, so wird man Hoffentlich nicht einen Augenblic leger daran zweifeln, daß grosse Ger sinnungen zur Vorstellung einer Tragödie noth. wendig erfordert werden. Ein Acteur , 'welcher keine erhabene Seele hat, wird diese verlangten Abstechungen auf keine Weise anbringen können;

kaum daß er fähig sein wird, diefelben sich vor*zustellen.

Das vierzehnte hauptstücke handelt von denjenigen Feinheiten insbesondere, welche für das Komische gehören. Diese sind zweyerlen. Entweder der komische Schauspieler inacht uns über seine eigne Person zu lachen, oder über die andern Perfonen des Stůcks. Das erste zu thun, sind eine unzähligę Menge Mittel vorhanden. Das vornehmste aber besteht darinne, daß man sich der Umstår de zu Nuße madjt, welche den Charakter der Person an den Tag legen können. Jít zum Erempel diese Person ein Geiziger und es brens

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nen zwen Wachslichter in dem Zimmer, so muß er nothwendig das eine auslöschen. Auch bei den Leidenschaften kann man viel komische Feinheiten von dieser Art anbringen; wenn man nehinlich thut, als ob sie sich wider Willen der

Person, die sie gerne verbergen will, verriethen. Ferner kann man über seiner Person zu lachen machen, wenn man sie etwas thun läßt, was ihren Absichten zuwider ist. Ein Liebhaber, der wider seine Schöne in dem heftigsten Zorne ist und sie fliehen will, ergoßt uns allezeit, wenn wir ihn aus Gewohnheit den Weg zu dem Zimnmer seiner Geliebten nehmen sehen; desgleichen ein unbedachtsam Duinmer, wenn er dasjenige, was er gerne verschweigen möchte, ganz laut ers gehlt. Unter den komischen Feinheiten, von der andern Art, wodurch man nehmlich ans. dre Personen lächerlich zu machen sucht, gehöret der rechte Gebrauch der Anspielungen, und bes sonders das Parodiren, welches entweder aus Unwillen, oder aus blosser Munterfeit geschieht. Gleichfalls gehören die Hindernisse hierher, die man der Ungeduld eines andern in Weg legt. Zuin Erempel ein Herr glaubt den Brief, den ihm der Bediente bringt, nicht hurtig genug lesen zu können; und dieser zieht ihn entweder durch die langsamkeit, mit welcher er ihn sucht, oder durch die Unvorsichtigkeit, ein Pappier für bas andre zu ergreifen, auf.

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In dem funfzehnten Sauptsůcke fügt der Verfasser zu dem, was von den Feinheiten gesagt worden, einige Regeln, die man bey Un= wendung derselben beobachten muß. Sie müss sen vor allen Dingen diejenige Person nicht wikig machen, welche entweder gar keinen oder nur sehr wenig Wiz haben soll

. Sie müssen auch alsdenn nicht gebraucht werden, wenn die Person in einer heftigen Bewegung ist, weil die

Feinheiten eine völlige Freyheit der Vernunft voraussehen. Ferner muß man sich lieber gar nicht damit abgeben, als solche anzuwenden was gen, von deren guten Wirkung man nicht gewiß überzeugt ist; denn in Ubsicht auf angenehme Empfindungen, wollen wir lieber gar keine, als unvollkommene haben.

Alle diese Feinheiten sind von der Art, daß fie fast immer so wohl gesehen als gehöret wer: den müssen. Es giebt deren aber auch noch eine Art, welche blos gesehen werden dürfen, und diese sind das, was man Theaterspiele nennt. Der Verfasser widmet ihnen das sechszehnte hauptstück. Sie helfen entweder die Vorstellung blos angenehmer, oder wahrer mas chen. Die legtern, welche die Vorstellung wahrer machen, gehören für die Tragödie so wohl, als für die Komödie; die andern aber, insbesondre nur für die Komödie. Ferner hangen sie entweder nur von einer Person, oder von als len Personen, die sich mit einander auf der Büh.

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