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welchen sie nicht zu Gerichte gekommen sind,
nicht undeutlich seyn will. „Der Endzweck dies
„ses Lustspiels, þat mein Hr. Gegner die Gůs
„tigkeit zu sagen, ist eine sehr ernsthafte Sitten-
„lehre, nehmlich die Thorheit und Unbilligkeit
„des Hasses und der Verachtung zu zeigen, wo-
„mit wir den Juden meistentheils begegnen.
„Man kann daher dieses Lustspiel nicht lesen,
„ohne daß einem die mit gleichem Endzweck ge-
„dichtete Erzählung von einem ehrlichen Juden,
„die in Hrn. Gellerts Schwedischer Gråfin ste-
„het, benfallen muß. Ben Lefung bender aber
„ist uns stets das Vergnügen, so wir reichlich
„empfunden haben, durch etwas unterbrochen
worden, das wir entweder zu Hebung des
„Zweifels oder zu fünftiger Verbesserung der
„Erdichtungen dieser Art bekannt machen wol-
„len. Der unbekannte Reisende ist in allen
„Stücken so vollkommen gut, fo edelmüthig, so
„besorgt, ob er auch etwann seinem Nächsten
„Unrecht thun und ihn durch ungegründeten
„Verdacht beleidigen möchte, gebildet, daß es
wzwar nicht unmöglich, aber doch allzu unwahr-
„scheinlich ist, daß unter einem Volfe von den
„Grundfågen, lebensart und Erziehung, das
„wirklich die üble Begegnung der Christen auch
„zu sehr mit Feindschaft, oder wenigstens mit
„Kaltsinnigkeit gegen die Christen erfüllen muß,
„ein folches edles Gemüth sich gleichsain felbft
„bilden könne. Dise Unwahrscheinlichkeit stórt

„unser

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„unser Vergnügen desto mehr, jemehr wir dem „edeln und schönen Bilde Wahrheit und Das „seyn wünscheten. Aber auch die mittelmäßige „Tugend und Redlichkeit findet fich unter dies „sem Volke so felten, daß die wenigen Beyspies „le davon den Maß gegen dasselbe nicht so sehr „mindern, als man wůnschen möchte. Ben „Den Grundfågen der Sittenlehre, welche zum „wenigsten der größte Theil derselben angenome „men hat, ist auch eine allgemeine Redlich„keit faum möglich, sonderlich da fast das ganze „Volf von der Handlung leben muß, die mehr „Gelegenheit und Versuchung zum Betruge giebt, als andre Lebensarten.,,

Man sieht leicht, daß es ben diesen Erinnes rungen auf zwer Puncte ankommt.

Erstlich darauf, ob ein rechtschafner und edler Jude an und vor fich selbst etwas unwahrscheinliches ser; zweytens ob die Annehmung eines solchen Juden in meinem Lustspiele unwahrscheinlich fer. Es ist offenbar, daß der eine Punct den andern hier nicht nach sich zieht; und es ist eben so of fenbar, daß ich mich eigentlich nur bes lektern wegen in Sicherheit feßen dürfte, wenn ich die Menschenliebe nicht meiner Ehre vorzoge, und nicht lieber eben bey diesem, als bey dem erstern verlieren wollte. Gleichwohl aber muß ich mich über den lektern zuerst erklären.

Habe ich in meinem luftspiele einen rechtschafmen und,edeln Juden wider die Wahrscheinlich,

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keit

feit angenommen? - Noch muß ich dieses nur bloß nach den eignen Begriffen meines Gegners untersuchen. Er giebt zur Ursache der Unwahrscheinlichkeit eines solchen Juden die Verachtung und Unterdrückung, in welcher dieses Volf feufzet, und die Nothwendigkeit an, in welcher es sich befindet, blos und allein von der Handlung zu leben. És ser; folgt aber also nicht nothwendig, daß die Unwahrscheinlichkeit . wegfalle, ro bald diese Umstånde sie zu verursachen aufhören? Wenn hören sie aber auf, dies ses zu thun ? Ohne Zweifel alsdann, wenn sie von andern Umständen vernichtet werden, das ist, wenn sich ein Jude im Stande befindet, die Perachtung und Unterdrückung der Christen weniger zu fühlen, und sich nicht gezwungen sieht, durch die Vortheile eines kleinen nichtswürdigen Handels ein elendes Leben zu unters halten.“ Was aber wird mehr hierzu erfordert, als Reichthum? Doch ja, auch die richtige Un= Wendung dieses Reichthums wird dazu erfordert. Man sehe nunmehr, ob ich nicht berdes bey dem Charakter meines Juden angebracht habe. Er ist reich; er fagt es selbst von fich, daß ihm der GOtt seiner Våter mehr gegeben habe, als er brauche; ich lasse ihn auf Reisen fenn; ja, ich rever Be ihn so gar aus derjenigen Unwissenheit, in welcher man ihn vermuthen könnte; er liefet, und ist auch nicht einmal auf der Reife ohne Bücher. Nan sage mir, ist es also nun noch

wahr,

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wahr, daß fich mein Jude håtte selbst bilden müssen? Besteht man aber darauf, daß Reichthum, bessere Erfahrung, und ein aufgeklårs terer Verstand nur ben einem Juden keine Wirkung haben könnten: so muß ich sagen, daß diefes eben das Vorurtheil ist, welches ich durch mein Lustspiel zu schwächen gesucht habe; ein Vorurtheil, das nur aus Stolz oder Haß fliesfen kann, und die Juden nicht blos zu rohen Menschen macht, sondern sie in der That weit unter die Menschheit sekt. Sit dieses Vorurs theil nun bey meinen Glaubensgenossen unübers windlich, so darf ich mir nicht schmeicheln, daß man mein Stück jemals mit Vergnügen fehen werde. Will ich sie denn aber bereden, einen jes den Juden für rechtschaffen und großmüthig zu balten, oder auch nur die meisten dafür gelten zu lassen? Ich sage es gerade Heraus; noch alss benn, wenn mein Reisender ein Christ wäre, würde sein Charakter sebyr felten seyn, und wenn das Seltene blos das Unwahrscheinliche auge macht, auch sehr unwahrscheinlich.

Id bin schon allmålich auf den ersten Punkt gekommen. Ist denn ein Jude, wie ich ihn angenommen habe, vor sich selbst unwahrscheinlich? Und warum ist er es? Man wird sich mies ber auf die obigen Ursachen berufen. 21 lein, können denn diese nicht wirklich im gemei. nen leben eben so wohl wegfallen, als sie in meimemn Spiele wegfallen? Frenlich muß man, die

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fes zu glauben, die Juden näher kennen, als aus dem luderlichen Gefindel, welches auf den Jahrmårften herumschweift. Doch ich wil lieber hier einen andern reden lassen, dem dieser Umstand nåher an das Herz gehen muß; einen aus diefer Nation selbst. Ich kenne ihn zu wohl, als daß ich ihm hier das Zeugniß eines eben fo wißigen, als gelehrten und rechtschafnen Maimes versagen könnte. Folgenden Brief þat er bey Gelegenheit der Göttingischen Erinnerung, an einen Freund in seinem Volfe, der ihm an guten Eigenschaften vollig gleich ist, ges schrieben. Ich sehe es voraus, daß man es schwerlich glauben, sondern vielmehr diesen Brief für eine Erdichtung von mir halten wird; allein ich erbiethe mich, demjenigen, dem daran geles gen ist, unwidersprechlich von der Avthenticitåt desselben zu überzeugen. Hier ist er.

Mein Herr, „Jch überschicke Ihnen hier, das 70 Stüd „der Göttingschen gelehrten Anzeigen. Lesen Sie „Den Artickel von Berlin. Die Herren Anzei„ger recensiren den 4ten Theil der Leßingschen

Schriften, die wir so oft mit Vergnügen geles „sen haben. Was glauben Sie wohl, daß fie „an dem Lustspiele, die Juden, ausseßen? Den „Hauptcharakter, welcher, wie sie sich ausdrücken, „viel zu edel und viel zu großmüthig ist. Das Vergnügen, sagen sie, daß wir über die Schón

„beit

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