Immagini della pagina
PDF
ePub

men möge, welche, da die gemeinen Charaktere erschöpft sind, neue Charaktere, und also einen reichern Stof zu den Fabeln darbiethet, und zu. gleich die Art des Vortrags åndert. Wenn es Leute giebt, welche nur deswegen den Komödien beywohnen wollen, damit sie in laute Gelächter ausbrechen können, so weis ich gewiß, daß fich die Terenze und die Destouches wenig um sie bekümmern werden. Denjenigen aber zu mißfallen, welche nichts als eine ausgelassene und wilde Possenluft vergnügt, wird wohl keine allzugrosse Schande seyn. Es werden auch nach uns einmal Richter kommen; und auch auf diese sollten wir sehen. Flaccus qat schon einmal fein critisches Ansehen gebraucht, und den Ausspruch gethan:

At proavi noftri Plaurinos & numeros & Laudavere sales; nimium patienter utrumque

(Ne dicain ftulte) mirati. Vielleicht werden sich auch einmal welche finden, die uns darum tabeln, daß wir bey Unitehmung dès rührenden Lustspiels, uns allzuunleidlich, ich will nicht sagen, allzuhartnåckig erwiesen Haben.

Soweit der Hr. Prof. Gellert! Ich würde meinen Lesern wenig Jutrauen, wenn ich nicht glaubte, daß sie es nunmehr von selbst wissen

könnten,

könnten, auf welche Seite die Wage den Auss fchlag thue. Ich will zum Ueberflusse, alles, was man für und wider gesagt hat, in einige kurze Såße bringen, die man auf einmal übers fehen kann. Ich will sie so einrichten, daß sie, Wo möglich, alles Mißverstånndniß geben, und alle schweifende Begriffe in richtige und genaue verwandeln.

Anfangs muß man über die Erklärung der rührenden oder weinerlichen Komödie einig wer: den. Will man eine folche darunter verstanden haben, welche hier und da rührende und Thrå

nen auspressende Scenen hat; oder eine solche, ; welche aus nichts als dergleichen Scenen bes

steht? Meinet man eine, wo man nicht immer lacht, oder wo man gar nicht lacht? Eine, mo edle Charaktere mit ungereimten verbunden sind, oder eine, wo nichts als edle Charaktere vor« kommen?

Wider die erste Gattung, in welcher Lacher und Kührung, Scherz und Ernst abwechseln, ist offenbar nichts einzuwenden. Jih erinnere mich auch nicht, daß inan jemals darwieder eta was habe einwenden wollen. Vernunft und Beyspiele der alten Dichter vertheidigen sie. Er, der an Scherz und Einfällen der reichste ist, und lachen zu erregen nicht selten Wik und Anståndigkeit, wie man sagt, bey Seite gesegt þat, plautus hat die Gefangen gemacht und, was noch mehr ist, dem Philemon seinen

Schats

Schag, unter der Aufschrift Trinummus abgeborgt. In beyden Stücken, und auch in andern, kommen Auftritte vor, die einer gårtlis chen Seele Thrånen kosten müssen. Im los liere selbst, fehlt es an rührenden Stellen nicht; die nur deswegen ihre völlige Wirkung nicht thun können, weil er uns das Sachen allzugewöhnlich macht. Was man von dem schleininigen Uebergange der Seele von Freude auf Traurigkeit, und von dem unnatürlichen dessels ben gesagt hat; betrift nicht die Sache selbst, fondern die ungeschickte Uusführung. Man see je das Erempel, welches der Franzose aus dem Schauspiele, Simfon, anführt. Frenlich muß der Dichter gewisse Staffeln, gewisse Schattirungen beobachten, und unsre Empfins dungen niemals einen Sprung thun lassen. Von einem deussersten plößlich auf das andre gerissen werden, ist ganz etwas anders, als von eis nem Leussersten allmålig zu dem andern gb langen.

Es muß also die andre Gattung seyn, über die man hauptsåchlich streitet; diejenige nehme lich, worinne man gar nicht lacht, auch nicht einmahl lächelt; worinne man durchgängig weich gemacht wird. Und auch hier kan man eine doppelte Frage thun. Man kann fragen, ist ein solches Stück dasjenige, was man von je her unter dem Namen Komddie verstanden hat? Und darauf antwortet Hr. Gellert selbst Nein.

Ist es aber gleichwohl ein Schauspiel, welches nüglich und für gewisse Denkungsarten angea nehm seyn kann? Ja; und dieses kann der frana zösische Verfasser selbst nicht gånzlich in Abrede seyn.

Worauf kommt es also nun noch weiter an? Darauf, sollte ich meinen, daß man den Grab der Nůklichkeit des neuen Schauspiels, gegen die Nüglichkeit der alten Komödie bestim..ne, und nach Maaßgebung dieser Bestimmung ents scheide, ob man benden einerley Vorzüge eins raumen muisse oder nicht? Ich habe schon: gesagt, daß man niemals diejenigen Stücke getadelt habe, welche Sachen und Rührung verbin= den; ich kann mich dieserwegen unter andern barauf berufen, daß man den Destouches niemals mit dem la Chaussee in eine Klasse gesekt þat, und daß die hartnåckigsten Feinde des legtern, niemals dem erstern den Ruhm eines vortreflichen komischen Dichters abgesprochen haben, so viel edle Charaktere und gårtliche Scenen in feinern Stücke auch vorkommen. Ja, ich getraue mir zu behaupten, daß nur dieses allein wahre Komödien sind, weldie fo wohl Tugenden als Laster, fo wohl Unståndigkeit als Ungereimtheit schildern, weil sie eben durch dies fe Vermischung ihrem Originale, dem mensche lichen Leben, am nächsten kommen. Die Klus gen und Thoren sind in der Welt untermengt, und ob es gleich gewiß ist, daß die erstern von

den

[ocr errors]

den legtern an der Zahl übertroffen werden, so
ist doch eine Gesellschaft von lauter Thoren,
beynahe eben so unwahrscheinlich, als eine Ges
fellschaft von lauter Klugen. Diese Erscheinung
ahmet das {ustspiel nach, und nur durch die
Nachahmung derselben ist es fähig, dem Voife
nicht allein das, was es vermeiden muß, audy
nicht allein das, was es beobachten muß, son:
dern bendes zugleich in einem Lichte vorzustellen,
in welchem das eine das andre erhebt. Man
sieht leicht, daß man von diesem wahren und eis
nigen Wege auf eine doppelte Art abweichen
kann. Der einen Abweichung hat man schon
(ångft den Namen des poffenspiels gegeben,
dessen charakteristische Eigenschaft darinne bez
steht, daß es nichts als Caster und Ungereimte
heiten, mit keinen andern als solchen Zügen
schildert, welche zum lachen bewegen, es mag
dieses Sachen nun ein nukliches oder ein finnloses
Sachen seyn. Edle Gesinnungen,' ernsthafte Lei-
denschaften, Stellungen, wo sich die schöne Na='
tur in ihrer Stärke zeigen fann, bleiben aus
demfelben ganz und går meg; und wenn es auf:
serdem auch noch so regelmäßig ist, so wird es
doch in den Jugen strenger Kunstrichter dadurch
noch lange nicht zu einer Komödie. Worinne
wird also die andre Abweichung bestehen? Dhn
Fehlbar darinne, wenn man nichts als Tugen-
den und anståndige Sitten, mit keinen andern
als solchen Zügen schildert, welche Bewunderung

und

« IndietroContinua »