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baß er ihn mit dem Feuer seines Blißes verzeh ten moge. Auf diese einzige Art könne seiner Kindern der leßte Dienst, fie zu verbrennen, ers wiesen werden. Oder wenn keine Gottheit die Ruchlofen zerschmettern wolle, so wünscht er, daß wenigstens die Sonne niemals wieder zurück kehren, sondern eine ewige Nacht diese unmensche lichen Verbrechen bedecken möge.

Atreus. Nun preise ich meine Hånde! Nun habe ich die Palme errungen! Meine laster was ren umsonst, wenn es dich nicht so schmerzte. Nun düncet mich, werben mir Kinder gebohren. Nun dúncket mídy, dem feuscheu Chebette. Die verlegte Treue miedergegeben zu haben.

Thyeft. Was hatten aber die Kinder verbrochen?

Atreus. Daß fie deine Kinder waren.
Thyeft. Dem Vater feine Söhne

Atreus. Ja, und was mich freuet, feine gewissen Söhne.

Thyeft. Euch ruf ich an, ihr Schußgotter der Frommen

Utreus. 'Warum nicht lieber die Schulle götter der Ehen?

Thyeft. Wer vergile Verbrechen mit Bere brechen?

Utreus. Ich weiß, worüber du klagft. Es schmergt dich, daß ich dir mit dem Verbrechen juvorgekommen bin. Nicht das geht dir nahe, daß. Du diese gräßliche Mahlzeit genossen, sondern

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daß du sie nicht zubereitet. Du hattest im Sinne, deinen unwissenden Bruder gleiche Gerichte vors zuseken, und mit Hülfe der Mutter, meine Kinder. eines åhnlichen Codes sterben zu lassen; wenn du sie nur nicht für deine gehelten håttest

. thyeft. Die Götter werden Råcher fenn; und diesen übergeben dich meine Wünsche zur Strafe.

Atreus. Und dich zu strafen, will ich deinen
Kindern überlassen.

Beurtheilung des Thyest.
So schließt sich dieses schreckliche Trauerspiel

, dessen blosser Inhalt, wenn er auch noch so trocken erzehlt wird, schon Entsegen erwecke muß. Die Fabel ist einfach, und ohne alle Episoden, von welchen die alten tragischen Dich. ter überhaupt keine Freunde waren. Sie führe ten den Faden ihrer Handlung gerade aus, und verliessen sich auf ihre Kunst, ohne viele Verwicklung, fünf Acte mit nichts zu füllen, als was nothwendig zu ihrem Zwecke gehörte.

Atreus will sich an seinem Bruder råchen; er macht einen Anschlag; der Anschlag gelingt, und Atreus råchet sich. Das ist es alle; aber bleibt deswegen irgendwo unsere Aufmerksamkeit můßig? Es ist wahr, der Alte macht wenig Scene; allein wer hat es uns denn befohlen, derfelben in jedem Aufzuge so eine Menge zu mas chen? Wir strengen das Gedächtniß unserer Zuhörer oft auf eine übermäßige Art an; wir

häufen

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häufen Verwirrung auf Verwirrung, Erzehlung auf Erzehlung, und vergessen es, fo zu reden mit Fleiß, daß man nicht viel benchen muß, wenn man viel empfinden foll. Wenn der Vera stånd arbeitet, fo ruhet das Herz; und wenn sich das Herz zu zeigen hat, so muß der Verstand ruhen können. Die Rache des Atreus ist so unmenschlich, daß der Dichter eine Art von Vorbereitung nothig befunden hat, fie glaubwürdig genug zu machen. Aus diesem Gesichtspuncte muß man den ganzen ersten Aufzug betrachten, in welchem er den Schatten des Tane talus und die Furie nur beswegen einführet, das mit Atreus von etwas mehr, als von der Wuth und Rachsucht seines Herzens, getrieben zu werden scheine. Ein Theil der Hölle und das Schicksal des Pelopeischen Haufes muß ihn zu den Vers brechen gleichsam zwingen, die alle Natur auf eine so gewaltige Art überschreiten. Zu der Handlung selbst trågt dieser Aufzug sonst gar nichts ben, und das Trauerspiel würde eben fo vollståndig fenn, wenn es auch erst ben dem zwenten Aufzuge seinen Unfang nåhme. Ich werde weiter unten noch eine andere Unmerckung hierüber machen Die Einheit des Orts hat der Dichter glücklich beobachtet. Es läßt alles vor dem königlichen Pallaste vor fidy gehen, und nur in dem lebten Lufzuge wird dieser Ort gleichsam erweitert, indem sich der Pallast-felbst öfnet, und den Thyest an der Tafel zeiget. Es

muß

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muß dieses ein ganz anderer Anblick gewesen fenn, als wenn ein jeßiger Dichter in gleichen Fällen den hintern Vorhang muß aufziehen lassen. Nur wolte ich, daß der Römer bey dieser pråcha tigen Aussicht in einen starck erleuchteten Speisea saal des Pallasts, ein wenig mehr Kunst anges bracht hätte. Atreus ist draussen vor dem Palaste, und giebt selbst den Befehl ihn zu öfnen: (3. 901.)

turba famularis fores
Templi relaxa ; festa patefiat domus.

Warum befiehlt er aber dieses? Der Zuschauer wegen, ohne Zweifel, und wenn keine Zuschauer da wären, fo würde er vielleicht ohne diese weite Eröfnung zu seinem Bruder hinein gegangen senn. Ich würde es viel lieber sehen, wenn der Pallast gleich vom Anfange des Aufzuges geofnet wåre; Utreus könte in der Entfernung doch wohl noch sagen, was er wollte, ohne von dem Thyest gehört zu werden. So gut sich dieses ben der legten Helfte feiner Rede thun ließ, eben so gut hätte es auch bey der ersten geschehen können. Es wäre gut, wenn ich ben der Einheit der Zeit, weiter nichts als nur eben so eine Kleinigkeit zu erinnern håtte. Plein hier wird. man mit dem Dichter weniger zufrieden fenn fónnen. Er seßt den Anfang seines Stücks noch vor den Anbruch des Tages, und mußte nothwendig eir-en Theil der Nacht zu Hülfe nehs men, weil er Geister wollte erscheinen lassen,

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und diese, nach der Meinung der Heiden, am Dage'nicht erscheinen durften. Die fekten Worte, welche die Furie zu den Schatten des Tantalus sagt, zeigen es deutlich genug: En ipfe Titan dubitat, au jubeat sequi,

Cogatque habenis ire periturum diem. Die Sonne also geht eben auf, als die Geister von der Bühne verschwinden, und die Berath. schlagungen des Utreus in dem zweyten Auf juge fallen am frühesten Morgen vor. Alles bieses hat seine Richtigkeit.

Aber nunmehr kommt ein Punct, bey welchem es mehr wird zu

bedencken geben. Am Ende des zweyten Aufzuges befchließt Utreus seine Söhne, dentenes laus und Ugamemnon, an den Thyest abzuschicken; und zu Anfange des britten Aufzuges erscheinet Thyest bereits mit seinen Söhnen. Was muß alsó in dem Zwischenraume vorges fallen seyn? Utreus hat seinen Söhnen das Geschäfte aufgetragen; sie haben es über sich genommen; sie haben den Thyest aufgesucht; fie haben ihn gefunden; fie haben ihn überredet; er macht sich auf den Weg; er ist da. Und wie viel Zeit kan man auf dieses alles rechnen? Wir wollen es gleich sehert. Im vierten Aufzuge, nachdem Utretis den Thyeft empfangen, nach dem er ihm alle Schmeicheleyen einer verstellten Aussohnung gemacht, nachdem er ihm den koniga lichen Purpur umlegen lassen, nachdem er sein grausames Opfer vollzogen, nachdem er das

unmenschliche

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