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mit dem Thyeft schon zu weit eingelassen gehabt und einen Sohn zur Welt gebracht, den fich jener nicht zueignen fónnen. Der erzärnte Utreus habe ihr darauf Gift beybringen lassen, und es felbst aus einem ihrer Briefe ersehen, daß Thyest der Vater ihres Sohnes sery, wela chen der Dichter, nach Maßgebung der Ges schichte, Plisthenes nennet. Gleichwohl habe Atreus diesen Prinz als sein eignes Kind-auferziehen lassen, in dem festen Vorsage, ihn fünftig. zu dem Werckzeuge feiner Rache zu machen. Thyeft fey unterdessen nach Athen geflohen, wo er Schuk gefunden und eine andre Gemahlin genommen habe, mit welcher er eine Tochter, Namens Theodamia, gezeugt. Atreus, der nunmehr geglaubet, daß plisthenes, als ein Jüngling von zwanzig Jahren, der fic, in verschiedenen Feldzugen schon rühmlich hervor gethan, reif genug fen, der Mörder Feines Vaters zu werden, habe mit dem Könige von Athen heimliche Unterhandlung gepflogen, und das Versprechen von ihm erhalten, daß er seinen Bruder ausgeliefert bekommen solle, nur müsse er selbst vor åthen kommen, und mit Gewalt darauf zu dringen scheinen. Atreus geht also fogleich mit einer Flotte von Argos aus, die er Den Lauf auf die Insel Eubỏa nehmen låßt, bamit Thyest nicht zu zeitig von feinem Vorhaben Nachricht bekommen, und sich aus dem Staube machen möge. Pon Euboa aus will

er alsdenn plößlich wieder zurücksegeln und vor. Atben seyn, ehe es sich jemand versehen könne. Doch dieser Vorsicht ungeachtet, erfährt Thyest das ihm drohende Unglück; flüchtet nebst seiner Tochter auf einem Schiffe aus Athen fort, und will sich während der Abwesenheit feines Brus ders, wieder in Urgos fest seßen, um den Atreus durch diese Diversion wenigstens zu nöthigen, von der Belagerung Athens abzus stehen. Allein das Unglück verfolgt ihn, und wirft ihn burch Sturm zu eben der Zeit gegen die Insel Euboea, als Utreus wegen wiedrigen Windes mit seiner Flotte noch vor derselben liegen muß. Hier wird er und Theodamie von dem Phlisthenes felbst, unerkannter Weise, aus dem Waffer gerettet; und nun müßte man bie französische Tragödie ganz und gar nicht kennen, wenn man etwas anders vermuthen könnte, als daß sich der Bruder in seine Stiefa schwester werde verliebt haben. Richtig! Unter diesen Umstånden fångt das Trauerspiel an, welches, Danck sen unter andern dem Schiffe bruche, nunmehr zu Chalcis, einer Stadt ilt Euboea vorgehen kann, da man doch ganz gewiß vermuthon follte, es werde entweber in Urgos, oder doch in Yiycen vorgehen. Von dieser Erzehlung, sieht man also wohl, stimmt das aller. wenigste mit der Geschichte überein. Doch da man dem tragischen Dichter nie ein Verbrechen daraus gemacht hat, diese zu verändern; To

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würde

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würde es mir sehr übel stehen, wenn ich den Herrn Crebillon deswegen tadeln wollte. Aber einer andern Kleinigkeit wegen könnte ich ihn vielleicht mit mehrerm Rechte tadeln; deswegen nehmlich, daß er die geographische Wahrscheinlichkeit hin und wieder gar mercklich verlegt habe. Denn man darf nur die Charte von Griechenland vor fich nehmen, so wird man sich gar balo wundern, was Thyeft, der von Äthen nach Urgos (chiffen wollte, in dem Euripus zu fuchen gehabt? und wie ilın ein Sturm bis nach Chalcis habe verschlagen können? Man kann wohl die Geschichte åndern; aber die Erdbe schreibung muß man ungeåndert lassen. Zwar wie hat Herr Crebillon wohl vermuthen fónnen, daß ein ångstlicher Deutscher seine Wercke fó genau betrachten werde ? Kein Wort also mehr davon. Man wirft denen, die sich an solche Schwierigkeiten stossen, nur allzuoft vor, daß sie unfähig wåren, wesentlichere Schönheiten zu empfinden. Diesen Vorwurf möchte ich nicht gern zu verdienen scheinen. Ich komme auf Den Auszug des Stückes selbst:

Erfter Zufzug. Utreus giebt Befehl, daß sich die Flotte fertig halten rolle, wieder unter Segel zu gehen. Er bleibt hierauf mit seinem Pertrauten, dem Euristhenes, allein, und entdeckt ihm fein Vorhaben; daß plisthenes fein Sohn nicht fen, fondern daß er ihn nur deswegen so lange dafür ausgegeben, um sich

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an den Thyest, durch die eigne Frucht seiner lasterhaften Liebe, råchen zu können. Diese Scene ist zum Theil eine Nachahmung des zweiten Acts des lateinischen Dichters. In der folgenden er, scheint plisthenes, welchen fein vermeinter Vater, vor fich fommen lassen, um einen Eid von ihm zu nehmen, daß er ihn nach Gefallen an feinem Feinde råchen wollen. Plisthenes ist so unvorsichtig, diesen Eid zu thun, ehe er es nod, weis, wer der Feind ses treus rey. Er hört endlich, daß es Thyest sen, auf welchen diese ganze Zurüstung ziele; er erschrift und will sein Wort wieder zurük nehmen. Er verspricht zwar, allenfalls der Sieger seines Vetters zu seyn; aber nicht sein Henker. Doch Utreuis håle ihm bey seinem Eide, und geht ab. plisthenes beklagt sich gegen seinen Vertrauten den ThefTander, und tröstet sich einzig damit, daß er vor Uthen schon den Tod wolle zu finden wissen. Endlich erklåret er ihm auch seine Liebe ges gen die unglückliche Unbekannte, die er nebst ih. rem Vater aus den Wellen errettet habe. Sie ist es selbst die diesen Auftritt unterbricht. Theos domia kommt mit ihrer Vertrauten der Los nide, und bittet den Prinzen um ein Schif für ihren Vater, weil sie gehört habe, daß die Flotte noch heut von Euboea abstoffen solle. Der Prinz betauert, daß er für sich nichts thun dürfe, und verweiset sie an den Atreus, von dem sie die Erfüllung ihres Wunsches um so viel eher er:

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warten

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warten könne, da er sie schon bereits den erstert Lag sehr gnädig empfangen, und ihr allen Ben. stand versprochen habe. Er spricht ikt hierauf von seiner Liebe, und will verzweifeln, weil er fie vielleicht nie wieder werde zu sehen bekommen. Er erkundiget sich nach ihrem Vaterlande, nach der Ursache ihrer Reise, und fragt sehr galant, ob ihre Reize nur das einzige senn sollten, was ervon ihr kennen dürfe? Theodamie giebt ihm eine kurze Antwort; er sieht, daß sie ihm ein Ges heimniß daraus machen wolle; verspricht aber Dennoch bey seinein Vater für sie zu sprechen, so nachtheilig es auch seiner Liebe seyn moge. Er geht ab und läßt die beyden Frauenzimmer als tein. In dieser Scene nun erfährt es der. Zuhörer wer Tbeodamie und ihr Vater sind, und erfährt auch jugleich, daß die erstere gegen die Liebe des plastbenes nicht eben unempfindlich fen. Sie bittet die Götter, den Thveft vor dem Atrcus zu verbergen, und hält es schon für Unglük genug, daß die Tochter des Thyest den Sohn des Atreus liebe, für welchen sie ihren Prinz nicht anders als nuch halten kann. Sie begiebt sich weg, ihrem Vater von der Wirkung ihrer gethanen Bitte, Nachricht zu geben. Zweys ter Äufzug. Thyeft und Theodamie er. dsnete ihn. Der Vater dringt in seine Tochter, daß sie ben dem Utreus'um ein Schiff bitten soll, und alle ihre Einwendungen von der Gea fahr, die daben zu besorgen fen, find, umsonst.

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