Immagini della pagina
PDF
ePub
[ocr errors]

plisthenes entschuldiget sich nur wenig, und ist bloß für seinen Vater und seine Schwester besorgt, von welchen er versichert, daß sie keinen Antheil an seiner Veranstaltung zur Flucht gehabt håtten. Er bittet für sie; doch der Tyrann läßt ihn von der Wache fortschleppen, um ihn in der schmerzlichsten Ungewißheit von dem Schicks sale dieser geliebten Person hinrichten zu lassen. Nunmehr frohlocket Atreus vor sich selbst, und kißelt sich im voraus mit der Rache, die er durch das Blut des Sohnes gegen den Vater ausüben wolle. Beynahe erschrift er zwar selbst, über feinen grausamen Anschlag; doch er erinnert sich gar bald wieder, daß er Utreus rey, und den Thyest, wenn er ihn ftrafen wolle, nicht anders als auf eine unerhörte Art strafen müsse. Der unglückliche Bruder erscheint mit einem Gesichte, auf welchem sich Furcht und Traurigkeit zeigen. Er bittet, um wieder ruhig zu werden, daß man seine Kinder zu ihm lasse, und Atreus hålt ihn fu lange mit zwendeutigen Tröstungen auf, bis der våterliche Becher berbey gebracht wird. Thyest ergreift ihn, und will ihn an den Mund bringen, als er das Blut barinne gewahr wird. Er erschrickt; seine Tochter kommt dazu und meldet den Tod ihres Bruders; er merkt, daß es das Blut seines Sohnes fen, und bricht gegen den Utreus in Vorwürfe und Verwünschungen aus. Er verlangt nicht langer zu leben; doch eben darum,

meil ihm das Leben nunmehr zur (aft fer, will es ihm der Tyrann lassen. Doch Thyeft ver. -schmåhet diese grausame Gnade, und ersticht sich felbst. Sterbend beruhiget er noch seine Toch ter, und läßt fie auf die Rache des Himmels hoffen. Atreus geht mit seiner Bosheit zue frieben ab, und das Stüt schließt : : : Ich habe diesen troknen Auszug nicht in der Absicht vorgelegt, den Werth des Dichters daraus zu be stimmen; ich würde sonst eben so thörigt fenn, als derienige, welcher nach einem Skelet die vola lige Schönheit beurtheilen wollte, welche des ganze Körper fónne gehabt Haben.

Wie man aber doch aus dem Skelet wenigstens auf eta was schliessen kann, nehmlich auf den regelmåls figen Bau der Glieder ; To wird auch mein Augs zug wenigstens darzu rüßen können, daß man ohngefehr die Ärt und Weise sieht, mit welcher ein neuer Dichter einen fo alten und von den Site ten unsrer Zeit so abweichenden Stof, habe bearbeiten können. Nach meinem Urtheile fann man dem Hrn. Crebillon wohl weiter nichts vorwerfen, als daß er seinen Atreus und Thyest ein wenig gar zu neumodisch gemacht; daß er die Haupthandlung mit einer unnöthigen Episode, und zwar mit einer verliebten Episode, geschwächt, und das Ganze durch die Einführung fo. vieler Vertrauten, weldies immer nichts anders als sehr frostige Personen sind, die bloß die Mono logen müssen vermeiden helfen, matt gemacht gabe.

[ocr errors]

Wie weit er aber überhaupt unter dem
Schrecklichen des lateinischen Dichters geblieben
fen, wird man schon von sich selbst abgenom-
men haben. Er hat die stårksten Züge in seinem
Muster unberührt gelassen, und ausser dem so
gelinderten Hauptinhalte, kaum hier und da einige
glänzende Gedanken von demselben erborgt.
Doch auch diese hat er oft ziemlich gewässert,
und die Stårčke gar nicht gezeigt, mit welcher
der ältere Corneille die schönsten und prächtig-
ften Gabanken der römischen Trauerspiele in seine
überzutragen wußte. Einigemal ist es ihm lo
ziemlich gelungen; besonders bey dem agnosco
fratrem, welches er durch folgende Zeile ausge.
drückt hat:
A. Meconnois-tu ce fang? Th. Je recon-

nois mon frere.
Huch noch eine Stelle hat er sehr wohl anzu.
wenden gewußt, und zwar eine solche, welche
manchem Ausleger des alten Dichters felbft nicht
recht verständlich gewesen ist. Ich meine die
1052te Zeile:

Sceleri modus debetur, ubi facias fcelus,

Non ubi reponas welche er sehr kurz und schon so übersezt hat: Il faut un terme au crime, & non à la

vengeance. Ich will zum Schlusse noch das mittheilen, was Herr Crebilon felbft von diesem seinem Stücke sagt. Es ist ein Theil der Vorrede,

[ocr errors]

in welchem man verschiedene hieher gehdrige Gedanken finden wird. Fast ein jeder, sagt „ er, hat sich wieder den Inhalt dieses Trauers , spiels emport. Ich kann weiter nichts darauf „ antworten, als dieses, daß ich nicht der Era

finder davon bin. Ich sehe wohl, daß ich Unrecht gethan habe, mir die Tragödie allzue „sehr als eine schrekliche Handlung vorzustellen, die den Zuschauern unter rührenden Bildern

müsse gezeigt werden, und die sie zum Mita „, leiden und Schrecken bewegen solle, doch ohne „Zůge, welche den Wohlstand und die Zårt. „ lichkeit beleidigen könnten. Es kommt also nur „ darauf an, ob ich diesen so ndthigen Wohle „stand bevbachtet habe. Ich glaube mich dessen

fchmeicheln zu dürfen. Ich habe nichts ver

gessen, was meinen Stof lindern und unsern „Sitten gemäß einrichten könne. Um den „Utreus unter feiner unangenehmen Gestalt » zu zeigen, lasse ich die Zerope von dem „Ältare selbst entführet werden, und fege diesen „Prinz, (wenn ich þier diefe Vergleichung brau„chen darf,) gerade in eben den Fall des bei

zauberten Sechers ben dem la fontaine,

L'eroit-il? ne l'eroit-il point? „Ich habe, durchaus die Fabel verändert, um „ seine Rache weniger schrecklich zu machen, und „mein Atreus ist ben weiten nicht so grausam,

als der Atreus des Seneca. Ich habe mich „ begnügt, für den Thyeft alle den Greuel

des

[merged small][ocr errors][ocr errors]

„des von seinem Bruder ihm bestimmten Bechers,
„fürchten zu lassen, und er bringt nicht einmal
„seine lippen daran. Ich gestehe es zwar, daß
„mir diese Scene selbst schrecklich schien. Es
„ůberfiel mich ein Schauder; aber nichts desto-
wweniger glaubte ich, daß sie sich in ein Trauers
„spiel sehr wohl schicke. Ich sehe nicht, warum
„man sie mehr davon ausschlieffen solle, als die
„Scene in der Rodogune, wo Cleopatra,
„nachdem sie einen von ihren Söhnen schon ér.
„mordet, den andern vor den Augen der Zus
„schauer vergiften will. So unwillig man auch
„gegen die Grausamkeit des Atreus gewesen,
nso glaube ich doch nicht, daß man ein vollkoms
„mener Bild auf die tragische Scene bringen
„fónne, als das Bild von der Stellung des
„unglücklichen Thyeft, welcher sich ohne Hülfe
„Der Wuth des barbarischsten unter alien Nens
„schen ausgefekt sieht. Ob man sich nun abet
sfchon von seinen Thrånen und seinem Jammer
serweichen ließ; fo blieb man mir dennoch dess
„Wegen auffäßig. Man hatte die Güte, mir
walle Abscheulichkeit der Erfindung zu lassen,
„und rechnete mir alle die Sasterthaten des
Utreus an. An einigen Orten betrachtet man
„mich auch noch als einen fürchterlichen Mens
„schen, bey), welchem man nicht recht fichero fen;
eygleich als ob alles, was der Wiz erdenket,
», feine Quelle in dem Herzen haben müsse. Eine
wschöne Section für die Schriftsteller, welche sie

1

« IndietroContinua »