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fen des Flaminio Scala, des Gio. Bats tista Andreini und andrer, machten die Roo mödie des siebzehnten Jahrhunderts aus. Wenn eine solche Komödie schon an und für sich selbst nicht gut war, so war sie es doch wegen der Vortreflichkeit der Komödianten.

Man håtte nicht glauben sollen, daß die italiänische Bühne noch in einen tiefern Verfall gerathen könne, weil alles auf derselben schon in gar zu schlechten Umstånden war; gleichwohl aber traf sie noch ein neues Unglück, und zwar das schrecklichste von allen,

Gegen das Jahr 1680. fehlte es gånzlich an guten Schauspielern,

Man fand keine mehr, welche die ersten Rollen der Verliebten spielten und einige Wissenschaft und Geschmack befassen; keine Frauenzimmer mehr, die sich mit der Ges lehrsamkeit ein wenig abgegeben hatten, und auch keine Harlequins mehr, die mit natürlichen Gaben etwaninige Kenntnisse verbanden. Zaccagnino und Trufaldino waren die lekten guten Harlequins in Italien, welche gleichsam das Thor hinter sich zuschlossen; und in France reich maren es Trivelin und Dominico Biancoleli

. Cinthio Romagnesi, welo cher gleichfals unter der Parisischen Bande war, war der legte, welcher die Rolle der Verliebten spielte, und Wiß und Gelehrsamkeit besaß, Als ich im Jahre 1690, in einem Alter von

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drezehn Jaþren (*), die Bühne zu besuchen anfing, waren fast alle Komödianten der damaligen Zelt unwissende Leute, und ausser dem Gio.

Battista Pagbetti, welcher die Rolle des Doctors spielte, und dem Galea330 Savorini, welcher nach ihm eben diese Rolle spielte, wußte ich keinen einzigen zu nennen, welcher 'studirt gehabt hätte. Diejenigen, welche die Verliebten machten, waren entweder Söhne von Komo: dianten, welche ohne Erziehung aufwachsen müssen, oder junge Leute, welche die Profeßion eines Komóbianten auslüderlichkeit ergriffen; und die guten Harlequins, welche ausgestorben waren, segten die Komödianten in die traurige Noth. wendigkeit, sie unter den Seiltänzern auf den öffentlichen Mårckten aufzusuchen. Nun kann man sich einbilden, was für eine Komödie zu diesen Zeiten müsse geherrscht haben. Die alten Komödianten, welche ben Schlendrian der Kunst und die Theaterspiele, die wir Lazzi nennen, ungefehr inne hatten, zogen Lehrlinge, und wenn sich schon unter diesen, von Zeit zu Zeit, einige fanden, die das Publicum vergnügten,

so (*) Hier wird eben der rechte Ort seyn , einen Fehler

wieder gut zu machen, den ich, oben auf der 135. Seite, in meiner Handschrift zu verberfern vergess sen hatte. Es erhelt nehmlich aus den Datis, melche Herr Riccoboni hier einflieilen lassen, daß er 1677. und nicht 1682. oder 83. wie ich aus einem andern Umstande geschlosen babe, mitte seyn ger bohren worden. Üebert

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so war es doch nichts als eine leichte Schminke, die man auf ein Heßliches Gesicht legte, und die die Unwissenheit der Schauspieler gar bald wieder in Verfall brachte, so daß Leute von Geschmack, welche das Elende davon einsahen, unmöglich damit zufrieden seyn konnten.

Man faße keine neue Komödien mehr, welche die Neugierde eines ehrlichen Mannes håtte reißen können, sondern nichts als Possenspiele, welche nur allzuoft mit den schrecklichsten Ungereimtheiten angefüllet wačen. Die Komödianten waren Ignoranten, welche weder Wię; noch Talente, noch Sitten hatten, und sich an nichts, als an die unerschöpflicht Quelle lüderlicher Schmåncke Galten konnten.

Eine einzige Bande behielt bey diesem schreklichen Verfalle noch die Änståndigkeit auf dem Theater bey; allein dieses gute Erempel dauerte nicht lange genug, um die übrigen wieder auf ben rechten Weg zu bringen. Sie verließ Stas lien und zog nach Deutschland, in die Dienste des Churfürsten von Bayern nach München und nach Brüssel, und von da Iging sie nach Wien, in die Dienste des Kaysers Leopold und des rómia schen Königs Joseph. Un der Spike dieser Bande befand sich Francesco Calderoni, genannt Silvio, und agata Calderoni, genannt Flaminia, dessen Frau, von welcher meine Frau eine Enckelin ist. Dieses nun war ein Verfall, welchem man abzuhelfen gar nicht

hoffen

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hoffen konnte, weil nicht allein die gute Komós die, sondern auch zugleich die guten Komodi. anten verschwunden waren.

Gleichwohl aber gab man sich deswegen alle Mühe, und wir wols len gleich sehen, auf was für Weise.

Sowie sich in allen Profeßionen oft ein Merisch von Geist und Geschmack findet, der sich von andern unterscheidet, so entschloß sich auch in den lektern Zeiten, als die Komödianten noch die Frenheit hatten, nach Rom zu gehen, und während dem Carneval daselbst zu spielen, ein junger Mensch aus dieser Stadt, Komödiant fi: werden, und begab sich unter eine Bande. Er war so glücklich dem Francesco Calderoni und der Ugata Caideroni, feiner Frau, in die Hände zu gerathen, die ich eben genannt habe, und die ihm, als die einzigen, bey welchen fich noch ein Rest von dieser Kunst und besonDers die Anständigkeit erhalten hatte, ein gutes Thor eröfnen und den wahren Weg zeigen konnten.

Dieser junge Mensch, welcher bloß darauf be. bacht war Ehre einzulegen, ging alle Staffeln Der Komödie durch, und gelangte endlich durch seine Anstrengung und feinen Fleiß dahin, daß er das Haupt einer Bande und der größte Schauspieler seiner Zeit ward. Sein Name war Pietro Cotta und sein Theatername Celio. Er ist allezeit für einen sehr rechtschafnen Mann gehalten worden, welcher sich als einen abgesag

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ten Feind aller zweydeutigen Gedanken und aller
unanståndigen Freyheiten erklärt hatte, die am
Ende des vergangnen Jahrhunderts auf unsern
unregelmäßigen Bühnen so sehr im Schwange
Waren. Er war der erste, welcher das Theater
wieder zu reinigen anfing, und wandte alle mögs
liche Aufmerksamkeit an, es mit den besten Stüs
den zu bereichern. Er spielte sehr oft den ges
treuen Schäfer des Guarini, und machte
auch einen Versuch mit des Talso Amintas.
Der Name der Tragödie , welcher von Zeit zu
Zeit von jenseits der Geburge zu uns kam, brachte
ihn auf den Einfall eine Tragödie aufzuführen.
Er wehlte dazu eine von den allerneusten, die
einen Mann zum Verfasser hatte, der bereits wes
gen andrer Werke in einem grossen Anseßen stand.
Es war der ristodemus des Dottori, eines
Edeln von Padua, welcher ohngefehr vierzig
Jahr vorher gestorben war. Diese Tragödie ist
in Perfen und nach allen Regeln abgefaßt. Er

stellte sie zu Venedig das erstemal vor, und
brauchte die Vorsicht, es ben Ankündigung dersela
ben, den Zuschauern gleich vorher zu sagen, daß
in dem Stücke fein Harlequin vorkomme, daß
der Inhalt dieser Tragödie sehr rührend sey, und
daß ihnen die Vorstellung Thränen, auspressen
werde; kurz, er vergaß in seiner vorläufigen Nach-
richt nichts, was die Zuschauer, welche seit langer
Zeit von der Tragödie ganz und gar nichts ges
hört hatten, vermogen konnte, rich nach diesem

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