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neuen brainatischen Gedichte zu bequemen, welo ches von denen, die sie bisher gesehen hatten, ganz und gar unterschieden war. Diese Tragódie ward mit allgemeinem Beyfall aufgenommen. Zu eben der Zeit hatten verschiedne Schulen zu Rom und Bologna, und nicht weniger verschiedne Pornehme dieser liebenswürdigen und gelehrten Stadt, den größten Theil der Tragödien bender Corneilles und auch einige des Racine, übersekt; die erstern in der Absicht, sie von den juns gen Softgångern ihrer Schulen aufführen zu lassen, und die andern, um sic) während des Carnevals eine Ergößung zu machen. Diese Tragödien gefielen der kleinen Anzahl von Kennern ungemein; allein die andern, welche feit langer Zeit daran gewohnt waren, nichts als das niedrig koa mische und lauter folche Tragische Stücke zu sehen, die, mit possenhaften Scenen untermengt, ben den rührendsten Stellen zum lachen bewegten, und eben diejenigen waren, welche der Herr d'Aubignac in seiner Anleitung zur theatralischen Dicht: kunst, italiänische Tragödien nennt: diese andern 3. schauer, fag ich, welche noch immer den größten Theil des Schauplakes ausmachten, behaupteten, es sey nichts verdrießlicher, als ewige Sce nen zu hören, worinne nichts als Worte vorkås men. Doch diese lächerlichen Aussprüche hielten das Unternehmen des Pietro Cotta nicht zur růck; denn da er eines Theils alle die Urtheile der Leute ohne Geschmack und Wissenschaft ver:

achtete,

achtete, andern Theils aber durch die Aufmunte rungen der Liebhaber guter Werke Muth bekam: fo fuhr er fort die Rodogune, die Jpbiges nia in Ziulis und andre Trauerspiele aufzus führen, und sie, der getheilten Meinung der Zus schauer ungeachtet, auf der Bühne zu behaupten.

Er hatte zwar gegen die Stadt Venedig einige Uchtung, weil er mit allem Fleiß behutsam mit ihr verfahren wollte, und führte daher nur fehr! felten Tragödien auf. Unterdessen aber folgten die übrigen Komödiantenbanden dem Beyfpiele, welches ihnen Pietro Cotta gab, entweder ganz und gar nicht, oder verliessen doch wenig. stens diese Bahn gar bald wieder, nachdem sie den Geschmack des Publicums in Ansehung fols cher Stücke auf die Probe gestellt hatten. Kurz, das Theater war in Verwirrung; denn wenn eis ner die Komödianten antrieb, Tragödien aufzus führen, fo brachte sie ein andrer wieder davon ab, indem er sie ersuchte, ihnen nicht darmit zur Last zu fallen. Was war also zu thun ? Mittlerweile verließ Pietro Cotta das Theater und begab sich zur Ruhe.

Die Tragödie fahe sich abermals in Gefahr, von der italiänischen Bühne verbannt zu werden; die Komödianten dachten nicht mehr daran, und Der größte Theil der Zuschauer bekümmerte fich eben fo wenig darum. Was war nunmehr für ein Entschluß zu fassen? Man mußte wenigstens die Wahrheit an den Tag bringen, und entwes

der

der den Komödianten oder den Zuschauern ihr Unrecht zeigen. Hierzu zu gelangen håtte man einen Komödianten aufsuchen müssen, welcher thöricht genug gewesen wäre, auf seine Unkosten Erfahrungen davon anzustellen; denn so viel war gewiß, daß die Tragödien nichts einbrachten. Das gute Beyspiel des Pietro Cotta munterte einen andern Komödianten auf, sich mit eben diesem Unternehmen, zum Nachthelle seines Vors theils, seiner Arbeit und seiner Ruhe abzugeben, wie wir in dem folgenden Hauptstücke sehen werden.

Achtes Hauptstück. Das Theater wird in Ansehung der Tras fodie wieder auf einen beisern

Geschmack Jelenkt. Eine neue Art von Romédien. Derfuch mit der guten Romédie in Verfen aus dein fechzehnten

Jahrhunderte. Der Mangel an guten Schauspielern und eia rige natürliche Gaben, welche meine Kameraden in mir zu bemerkten glaubten, vermochten sie, mir nzuliegen, daß ich mich an ihrer Spike stellen nochte, ob ich gleich damals nicht älter als zwen md zwanzig Jahr war. Jch ward gendthiget, jachzugeben, und mich einer Arbeit zu unterzies Im, welche weit über meine Kråfte war. In len ersten zwen Jahren meines Amtes folgte ich

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muthig den Ideen des Pietro Cotta, und befee stigte mich in dem Geschmacke an Tragobien: doch da kurze Zeit darauf Pietro Cotta, dessen Beyspiel mich einzig und allein aufmuntern und zus gleich mein Unternehmen rechtfertigen konnte, das Theater verließ, so ftand ich eine Zeitlang ben mir an, ob ich fortfahren sollte. Während meiner Ungewißheit rieth mir der Herr Marquis Scipio Maffei, ein Nann, welcher in der gelehrten Welt" bekannt genug ist, mit unsern alten Tragödien einen Versuch zu wagen, weil ser bemerkt hatte, daß ich von Zeit zu Zeit überFekte französische Tragödien aufführte. Ich über. ließ mich der Führung dieser weisen Anschläge und brachte die Sophonisbe des Trißino die Semiramis des tranfredi, den Oedip des Sophocles vom Orsato Giustiniana die Iphigenia in Tauris vom Ruccelal ben Torismondus vom Torquato Tasso die Cleopatra vom Kardinal Delfino, un andre aus dem guten und schlechten Jahrhundert auf die Bühne. Hierauf wandte ich mich zu den Neuern, und machte einen Versuch mit de

Iphigenia in Tauris und der Rachel de Herrn Martelli, welche er ganz kürzlich in den ersten Theile seines Theaters hatte drucken lassen

, und sehr wohl aufgenommen wurden.

Luo führte ich die Merope des gedachten Herrn Mas quis Maffei auf, und man kann sich das Uu Feben, welches fie machte, und den Benfall, we

che

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chen sie erhielt, faum vorstellen. Es wurden in eben demselben Jahre vier Ausgaben davon ver-> anstaltet. Endlich hatte ich in den Städten der Lombarder und selbst zu Venedig die Tragödie auf einen so guten Fuß gefeßt, daß ich mich we gen der zehn Jahr Arbeit, die es mir gekostet Hatte, zufrieden geben konnte. Ich hatte unnin dersprechlich einen sehr grossen Punct geroonnen; allein das, was mir noch zu thun übrig war, war das allermühsamste; die Komödie nehmlich. Den Tag darauf, wenn ich eine gute Tragobie aufgeführt hatte, stellte ich eine von unsern ge. wöhnlichen Komödien vor, in welchen die Eins richtung der Fabel ganz unregelmäßig ist, und die Theaterspiele durchaus oft ganz ohne Vera stand angebracht sind. Ich durfte nicht hoffen, einen einzigen von den Schriftstellern dahin zu: vermogen, daß er für uns eine regelmäßige Kos módie gemacht håtte; die vier verlarvten Schaus spieler unsers Theaters würden den allerkühnsten Kopf abgeschreckt haben.

Ich mußte daher auswertige Hülfe fuchen, um Italien eine wuhl eingerichtete Komóbie von wohl ausgeführten Charakteren zu zeigen; ein Werk, wovon man seit länger als einem Jahrs hunderte ganz und gar keine Kenntniß mehr hatte. Ich bediente mich der französischen Bühne. Aus ben Alten in ihren Komödien machte ich ben Pantalon und den Doctor, und aus den Bedien. ten den Harlequin und Scapin. Ich will ihre

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