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sagt hätten, um die Zuhörer urthriten zu lassen, welcher von ihnen den Vorzug verdiene. Dies fer Beweis von der Freundschaft diefer zwey grof fen Månner konnte noch zwendeutig fennt, allein der folgende wird es ganz und gar nicht feyn. ;!

Ruccelai starb zu Rom in der erhabnen Bedienung, welche ihm ber Pabst sein Dheim anvertrauet hatte. Vor seinem Tode befahl ev noch feinem Bruder, seinem guten Freunde, dem Trifino, wenn er von Venedig, wohin:er als Gesandter gegangen war, wieder zurückkommen würde, sein Trauerspiel Orest anzuvertrauen, welches der ganzen Welt damals noch unbekannt war, und ihil in seinem Namen zu "ibitten, daß er es verbessern und gerausgeben wolle, wenn er es für würdig hielte, in der gewissen Zuver: Ficht, daß sein Freund so damit umgehen werde, als ob es fein eigen Werf wåre.

Die Rosemonde ward das erstemal zu Flo: renz im Jahr 1516, in Gegenwart Leo des zehnten, aufgeführt. Gedruckt ward sie zu Siena 1525, zu Venedig 1550 und 1582. und zu Florenz 1593. Diese lekte Ausgabe ist die richtigste unter affen. In den drey legtern ist das Trauers spiel nach den Uufzügen abgetheilt, allein die Uuftritte sind nicht angemerkt, so daß es scheia

als ob jeder Uufzug nur einen einzigen Huftritt enthalte, ob gleich die spielenden Personen von dem Theater abgehen, und andre dazu fom. men. In der Ausgabe aber von 1525, die ich

ehedem

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chebem gehabt, sind, wo ich mich nicht irre, die Aufzüge nicht angemerkt, und es ist auch ganz natürlich zu glauben, daß der erste Åborud der Rosemande in einem fort gegangen, ohne von den Aufzügen und Auftritten unterbrochen zu seyn, so wie die Sophonisbe des Trißino, und die griechischen Tragödien, welche ihMen zu Mustern gedienet. Es ist ohne Zweifel eine Erfindung der Buchdrucker, welche dreyßig Jahr darauf es für nöthig werden gehalten haben, wenigstens die Aufzüge von einander zu unterscheiden.

Obgleich der historische Inhalt der Rosemnonde aus der neuern Geschichte ist, so hat doch der Verfasser die Griechen in Einrichtung der Handlung sehr streng nachgeahmt. In den da: maligen Zeiten konnte man es auch wohl nicht anders thun, wenn man sich nicht den bittersten Critifen ausseßen wollte. Die griechische Tragodie war die einzige bekannte Tragödie, und da man aus ihr allein sich einen Begrif von dergleichen Werken machen konnte, so mußte man ihr auch folgen. Die italiảnischen Poeten haben in den nachfolgenden Zeiten es nur allzuwohl gewiesen, daß sie Einbildungskraft genug befessen, die Grenzen zu überschreiten.

Die Handlung der Rosemonde ist mit aller gehörigen tragischen Anståndigkeit bearbeitet, und ich glaube fogar, daß man, mit ganz kleinen Vermehrungen nach dem heutigen Geschmacke,

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aus diesem Stücke, so wie es ist, eine vortreflis 'che Tragödie für unser Jahrhundert machen kön

Die Stellung der Rosemonde ist ungemein rührend, und die Peripetie ist vollkommen. Nur wird man dem Verfasser vielleicht vorwerfen, daß er die Sitten der Longobarden allzugenau beobachtet, u. den Kopf des Runamundus auf die Scene gebracht habe. Es ist wahr die Longobarden, welche aus dem Innersten von Deutschland Hervorkamen, waren noch weit bars barischer als die durch einen langen Umgang mit den Römern gesitteter gewordenen Franzosen, die allezeit berselben Nachbarn gewesen wären. Und gleichwohl sieht man aus den Gesegen der

Franzosen, daß es ein gemeiner Gebrauch unter diesen Volfern gewesen, nicht allein den Feinden, welche sie im Treffen getödtet, den Kopf abzuhauen, sondern auch diese Köpfe aufzubes wahren, um die Aussenfeiten ihrer Håuser da= init zu verzieren. Das Salische Gesek hat for gar einen ausdrücklichen Artickel wider diejenigen, welche dergleichen Köpfe von den Pfosten wegnehmen würden, auf welche sie von dem Elgenthümer der Häuser gesegt worden.

Der Umstand mit dem Kopfe des Runa, mundus, aus welchem ein Trinkgeschirr ges macht worden, ist in der Historie gegründet, und den wilden Sitten dieser barbarischen Jahrhunderte gemål.

Wenn

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Wenn man sich einen Stof zu einem Trauerspiele wehlt, so muß man überhaupt nicht die wahren Sitten der Geschichte verstellen, um sich nach den Sitten seiner Zeit zu richten; man muß vielmehr das ganze Unternehmen fahren lassen und sich einen bequemiern Stof aussuchen.

Seit einem Jahrhunderte haben nicht alle Nas tionen fö gedacht als ich, und man wird mich ganz gewiß für einen Ausschweifenden Halten. Ich glaube aber, daß es doch wenigstens erlaubt senn wird seine Meinung zu sagen, besons ders wenn man eben nicht Willens ist Regeln zu geben, sondern sich vielmehr der Entscheidung andrer unterroirft.

Man ist schon seit langer Zeit gewohnt, die Helden-der Fabel in dem Trauerspiele zu verschönern, und wider die Gefeße und wilden Sits ten der Nationen, entweder gesittete Hofleute oder irrende Ritter aus ihnen zu machen. Es ist diefes ein vortreflicher Kunstgrif, allen denen zu gefallen, welche weder von der Geschichte, noch von der Fabel, noch von dem Theater etwas wissen, und nichts ålters kennen, als ihre Großåltern. Dergleichen Werke sind daher nicht nur allen denen sinstößig, welche Wiffenschaft und Gelehrsamkeit besiken, sondern sie sind auch der Ehre ihrer zeitverwandten Schriftsteller nachtheilig, und es wäre zu wünschen, daß fie durch den Druck ganz und gar nicht bekannt

gemacht

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gemacht wurden, und sich ihre Dichter mit dem
Beifalle der Vorstellung begnügten.
- Wenn die Italianer dren Viertheile von ihren
Tragödien aus den vergangenen Jahrhunderten
weniger Håtten drucken lassen, so würden sie zwar
in Betrachtung ber Anzahl årmer, an Ehren
aber desto reicher seyn.
* Um wieder auf die Rosemonde zurück zu
kommen, so finde ich so wenig daran auszulegen,
daß ich, wenn ich sie während meines Aufente
Halts in Italien auf das Theater gebracht Håtte,
nicht mehr als zehn Zeiten darinne würde veráns
dert haben, in welchen ich von dem Kopfe des
Kuitamiindus bloß gesprochen - Håtte ; ohne
ihn selbst auf die Scene zu bringen." Und auf
diese Art håtte ich mich nicht fürchten dürfen,
zärtlichen Zuschauern eckel zu werden.

zu Ende des vierten Aufzuges fålle Roses
monde ohnmächtig in die Arme der Frauerte
zithmer vom Chore, und bleibt in diefer Stel
lung bis zu Anfange des fünften Uufzuges. Heut
zu Eage würde es låcherlich fern eine Person
von einem Aufzuge zum andern, unterdessen das
die Musik im Orchester gehet, ohnmachtig lies
gen
zu lassen.

Wenn wir aber überlegen, daß, wie ich schont gesagt, die Tragödie Rosemonde durch) nichts anders in Uufzügen unterschieden ist, als durch die Unterbrechung des Chors, daß also; nach dem Muster der griechischen Tragödien, die

Handa

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