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ten an die Bruft fekt, und sich zu durchstechen drohet, wenn Serkules seinen Schluß nicht åndern wolle. „Entweder, spricht er, du lebst, ober „du wirst auch an mir zum Mörder. Schon „schwebt meine durch Unglück und Alter gea

schwächte Seele auf den äussersten Lippen. „Wer überlegt es so lange, ob er seinem Vater edas Leben schenken wolle? Jezt drůke ich, des „Verzögerns fatt, das tóbliche Eisen durch die » Bruft. Hier, hier wird des vernünftigen Sers „kules Verbrechen liegen.,, Und hiermit get lingt es dem Umphitryo den Herkules so zu erweichen, daß er sich zu leben, und diesen Sieg über sich selbst zu seinen übrigen Siegen hinzu zu thun, entschließt. Er ist nun weiter auf nichts bedacht, als Theben zu verlassen. „Doch wohin „soll ich fliehen? Wo werde ich mich verbera „gen? Weicher Tanais, welcher Mil, welche „gewaltige Tigris, welcher wilde Rhein wird „meine Rechte abwaschen können? Und wenn „auch der ganze Ocean über meine Hände dahin „strómte, so würden doch noch die gråßlichen Morde daran fleben. Er ersucht hiers auf den Theseus ihn in dieser Noth nicht zu verlassen, einen Ort, wo er verborgen sein könnte, für ihn auszusuchen, oder, wo möglich, ihn in das unterirrdische Reich wieder zurück zu brina gen. „Da, da will ich mich verborgen halten. Doch auch da bin ich bekannt. The feus fchlågt ihm fein eigen Land, Athen, zum

Zufluchts.

Zufluchtsorte vor, und zwar destoegen, weil es das (and sey, wo Mars selbst wegen Ermordung feines Sohnes, losgesprochen worden. „Dieses Land, welches die Unschuld der Götter „richtet; dieses land, Mides, rufet dich.

Und so schließt der rasende berkules. Ohne Zweifel erwartet man nun eine kurze

Beurtheilung desselben. Ueberhaupt werde ich mich Hoffentlich auf die Empfindung der Leser zum Vortheile meines Dicha ters berufen können.

Starée Schilderungen von Leidenschaften können unsre Leidenschaften un. möglich ganz ruhig lassen. Und diese wollen wir vornehmlich in den Trauerspielen erregt wisfen. Hat man den Zorn ter Juno, die DroHungen des Lycus, den edlen Stolk der les gara, den kühnen Uebernuth des Berkules, das Unglück einer blinden Raferen, die Verzweiflung eines Reuenden, die Bitten eines Vaters gefühlt, fo kann der Dichter gewiß seyn, daß man ihm seine Fehler willig vergeben wird. Und was sind es denn endlich auch für Fehler? Er ist mit den poetischen Farben allzuverschwendes risch gewesen; er ist oft in feiner Zeichnung zu kühn; er treibt die Grosfe hier und da bis zur Schwulft; und die Natur fcheinet ben ihm allzu: viel von der Kunst zu haben. Lauter Fehler, in die ein schlechtes Genie niemals fallen wird ! Und wie klein werden sie, wenn man sie nach

dem

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pem Stoffe des Trauerspiels beurtheilet, wela cher, wie man gesehen hat, gånzlich aus der Fa# bel entlehnt ist. Die Thaten des Herkules find für uns unsinnige Erdichtungen, und ben den Heiden waren sie Glaubensartifel. Sie überfiel ein heiliger Schauer, wenn fie Horten, daß er Gebirge zerrissen, daß er die Hölle gez stürmt, daß er den Himmel getragen: und wir wollen uns karm des Lachens daben enthalten fónnen. Allein, ist es billig einen Dichter anę ders, als nach den Umstånden seiner Zeit zu beur, theilen? Ist es billig, daß wir das, was seine Zeitverwandten in den Munde des Herkules für fchreckliche Drobingen hielten, für unsinnige Großsprecherenen halten, und sie als solche, mit famt dem Dichter, auspfeifen wollen? Ich will auf diesen Umstand nicht weiter dringen, weil man schon zu oft darruf gedrungen hat. Daß unser Verfasser sonst die Regeln der Bühne ges kannt, und sich ihnen mit vieler Klugheit zu un terwerfen gewußt habe, ist nicht zu leugnen. Er hat die Einheit der Zeit genau beobachtet. Die Handlung fångt kurz vor Tage an, und endet fich noch vor einbrechendem Abend. Daß dem also sen, beweiset die Stelle der Juno im ersten Aufzuge. Z. 124

clarescit dies Ortuque Titan lucidus croceo fubit. und die Stelle im vierdten Aufzuge: Z. 930.

Sed

Sed quid hoc? medium diem Cinxerc tenebræ. Wenn es also da noch Mittag ift, so bleibt für den Schlaf des Herkules Zeit genug übrig, daß er noch vor Abend aufmachen kann. Auch die Einheit des Orts wird man nicht unterbrochen finden. Die Scene ist bey dem Altare, welcher Dem Jupiter vor dem Pallaste des Herkules auf gebauet war. Zu diesem nehmen Umphitryo und Megara nebst ihren Kindern mit Anbruch des Tages ihre Zuflucht. An diesem wollte fie Lycus verbrennen lassen, weil er sie nicht mit Gewalt davon wegreiffen durfte. Bey diesem findet sie Herkules, als er pldklich erscheinet. Auf diefem will er den Göttern ein Dankopfer anzünden 26. Endlich ist auch die Einheit der Handlung ohne Tadel. Die Ermordung des Lycus ist eine blosse Episode, welche mit vieler Kunft in das Ganze eingewebt worden. Sie ist nicht die Haupthandlung, sondern bloß die Gelegenheit zu derselben. Dieser Um stand führt mich auf eine Vergleichung mit des Euripides

rasendem Berkules. Der 'Hpanan SM.LVOLLevos ist das achtzehnte unter den übrig gebliebenen Trauerspielen des Griechen. Daß sich der Römer dasselbe zum Muster vorgestellet habe, ist nicht zu leugnen. Allein er hat nicht als ein Sklave, sondern als

ein

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ein Kopf, welcher selbst denkt, nachgeahmt, und verschiedne Fehler, welche in dem Vorbilde sind, glücklich verbessert. Ich fann mich hier in keia nen weitläuftigen Auszug des griechischen Stücks einlassen, so viel aber muß ich anmerken, daß Euripides die Handlung offenbar verdoppelt hat. Ben ihm crófnet Umphitryo das Stück, wel= cher die Zuhörer von den nöthigsten historischen Umständen unterrichtet.. Megara kommt dazu, und beyde beklagen ihr Unglück. Lycus eröf= net iljnen ihr Todesurtheil, mit den bittersten Verspottungen des Herkules. legara und Amphitryo ergeben sich in ihr Schicksal, und bitten nur noch um eine kurze Frist, unter dem Vorwande, den Kindern ihre Zodtenkleider anzulegen. Als dieses geschehen, und sie vor dem Ältar auf die Hinrichtung warten, erscheinet Berkules, welcher unerkannt in die Stadt ges kommen.war. Er erfährt das Unglück, welches feinem Hause drohe, und ermordet den Lycus. Was erwartet man nunmehr noch weiter? Nichts, ohne Zweifel. Doch ehe man fichs vera fieht erscheinen mitten in dem dritten Aufzuge Iris und eine Furie. Die Furie soll dem sers Eules auf Befehl der Juno den Verstand vera růcken; die Furie weigert sich, doch endlich muß fie wider thren Willen gehorchen. Hierauf werden im vierten Aufzuge die Wirkungen der Raferen des Herkules nur erzehlt, und in den fünften kommt Theseus dazu, welcher seinen Freund,

ber

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