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Dritter Zufzug. Diesen eröfnet Thyest mit seinen Söhnen, und unter diesen führet Plisthenes das Wort. Sie langen auf die betriegerische Einladung des Atreus, an. Thyest erfreuet sich Anfangs, daß er endlich seine Vaterstadt, und die Götter seiner Våter, wenn anders, fegt er hinzu, Götter sind, wieder siehet. „Bald, spricht er, „wird mir nun das Volk aus Urgos fröhlig ent„gegen kommen. Doch auch Atreus wird „mit fommen. Dfliehe Thyest, und suche die „bunkeln Wålder wieder, wo du unter dem „Wilde ein ihm ähnliches Leben führtest. Laß „dich nicht den falschen Glanz des Reiches blen: „ben. Wenn du auf das siehest, was dir an„gebethen wird, so siehe auch auf den, der dir „es anbietet. Unter den härtesten Beschwerlich„keiten bin ich bisher muthig und frölich gendes „sen. Doch nun falle ich in marternde Furcht „furůck; der Geist ist in banger Erwartung, „und möchte den Körper nur allzugern zurück „bewegen. Jeder Schritt stockt, den ich thun „will.

plisthenes erstaunt über die Unentschlossenheit seines Vaters, doch Thvest fährt fort: „Warum stehe ich noch an? War„um quảle ich mich noch über einen so leichten „Entschluß? Da ich niemanden trauen darf, soll „sich meinem Bruder, foll ich der Hofnung zu „regieren trauen? Was fürchte ich schon über: „Wundene, von mir schon gebåndigte Uebel?

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„Warum

„Warum fließe ich Trůbsaten, in die ich mich e bereits geschickt? Jich will, ich will elend seyn. „Zurück also, Thyest, zurück, und rette dich, „ba es dir noch vergönnt ist.

plisthenes. Was bewegt dich, o Vater, deinen Schritt von der nun wieder erblickten vás terlichen Burg zurück zu wenden? Waruna willst du dich selbst so grossen angebothenen Gütein entziehen? Dein Bruder hat seinen Zorn abges legt, und wird aufs neue dein Bruder. Er giebt dir deinen Antheil an dem Reiche zurück, fammelt die Glieder des zerrütteten Hauses, und seßt dich wieder in den Besig deiner selbst.

Thyest. Du willst die Ihsache der Furcht wissen, die ich selbst nicht weis. Ich sehe nichts, wovor ich mich fürchten sollte, und fürchte mich dennoch. Ich will gern gehen, aber die Knie finken unter mér zusammen, und ich werde mit Gewalt von dem Orte zurück getrieben, zu dem ich doch will.

plifth. O schlage alles nieder, was sein Gemüth so unentschlüßig macht, und betrachte, was für Belohnungen deiner warten. fannst regieren, Vater

Thyest. Unter beståndiger Furcht des Todes.

plisth. Du sollst die höchste Gewalt erlatgen.

Thyest. Die hocyste Gewalt ist die, nichts zu begehren.

Plifth.

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plisth. Du kannst nun deinen Kindern ein Reich lassen.

Thyest. Rein Reich fasset zwey Regenten.

plijth. Wer will wohl elend fenn, wenn er glücklic, fenn fann?

Thyest. Glaube mir; das Grosse gefällt nur durch die falschen Namen, die wir ihm benlegen. Mit Unrecht fürchtet man ein geringes und hars tes Schicksal. Solange ich auf der Spike der. Ehren stand, habe ich nicht einen Zugenblick zu zittern aufgehört, und mich selbst für mein eignes Schwerd an meinen Lenden gefürchtet. O welch ein Glück ist es, niemanden im Wege zu stehen, und auf dem Boden hingestreckt, fichre Speisen zu geniessen! Kein Verbrechen schleicht sich in schlechte Hütten, wo man sich an einem geringert Dische forglos sáttigen kann. Das Gift wird aus Golde getrunken; und ich weis es aus der ; Erfahrung, wie weit das schlechte Glück dem guten vorzuziehen ist

. Hier verirrt sich Chyest in eine poetische Beschreibung der auss schweifenden Pracht und Uippigkeit der Grossen. Sie ist schon und paßt fehr wohl auf die damas ligen Zeiten der Römer; aber auch deswegen verliert sie in dem Munde des Thyeft sehr vieles von ihrer Schönheit. Endlich schließt er mit den Worten: „Es ist ein Reich über alle Reiche, „das Reich entbehren zu können.

Plisth. Man muß das Reich nicht ausschlagen, wenn es Gott giebt.

Thyest.

Thyest. Noch weniger muß man darnach trachten.

Plisth. Dein Bruder bittet dich ja, zu ree gieren.

Thyeft. Er bittet und das ist schrecklich. Hier inuß eine List verborgen liegen.

plisth. Die brüderliche Liebe kann ja wohl das Herz, woraus sie vertrieben worden, wieder einnehmen, und neue Kräfte, anstatt der verlohr. nen, sammeln.

Thyeft. Wie? Atreus sollte seinen Bruder lieben? Eher wird die Nacht die Erde erleuchten; eher wird das Feuer mit dem Wasser, der Tod mit dem Leben, der Wind mit der See Bündniß und Friede schliessen.

plifth. Vor welchem Betruge fürchtest du did) denn aber?

Thyest. Vor allem? Und was kann ich meiner Furcht für Grenzen reken, da feine Macht so groß ist, als sein Haß?

plisth. Was kann er gegen dich vermogen?

Thyest. Für mich fürchte ich auch nichts, sondern ihr allein, meine Kinder, macht, daß ich den Utreuis fürchte,

plifih. Uber du bist schon gefangen, und fürchtest dich, gefangen zu werden? Mitten in der Noth ist es zu spåt, sich dafür zu húten.

Thyeft. So kommt denn. Nur dieses eins zige will ich, euer Vater, noch betheuern: Ich folge euch, nicht ihr mir.

Plisth.

Plisth. Gott wird unsere gute Absicht gnådig ansehen. Seke den zweifelhaften Fuß nur weiter.

Hier kommt Utreus darzu und macht durch seine Erscheinung die zwente Scene dieses Aufzuges. In den ersten Zeilen, welche er in der Entfernung vor sich sagt, freut er sich, daß er seinen Bruder nunmehr im Neşe habe; und zwar ganz, mit allen seinen dren Söhnen. Der zweyte dieser Söhne hieß Tantalus, wie wir weiter unten hören werden; der Naine des drit: ten aber kommt in dem Stücke nicht vor. „Kaum, fagt Utreus, daß ich mich måßigen, „und die ausbrechende Wuth zurüche halten kann. „So wie ein Spierhund, der an dem langen „Leitbande das Wild ausspårt, und mit gebůck„ter Schnauke die Wege besdynaubert. Solange „er noch durch den schwachen Geruch sich weit „von dem Eber merkt, ist er folgsam, und durchs „irret schweigend die Spur. Doch kaum fühlt „er sich der Beute näher, so stemmt er sich, „kämpfet mit dem unbåndigen Nacken, und ruft „winselnd feinen säumenden Führer , bis er sich „ihm entreißt. Wenn der Zorn Blut wittert, „Wer kann ihn verbergen? Und doch muß ich „ihn verbergen. In dem Munde des Dichters würde dieses Gleichniß sehr schön seyn, aber in dem Munde der Person felbst, welche diese schwer zu zähmende Wuth fühlet, ist es ohne Zweifel zu gesucht und zu unnatürlich

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