Immagini della pagina
PDF
ePub

ge näher Atreus seinem Bruder kommt; desto mehr verändert er seine Rede. Jeßt, da er uns gefehr von ihm gehört werden kann, beklagt er ihn schon, und erstaunt über seinen armseligen Aufzug. „Ich will mein Wort halten, fährt .,er fort. Und wo ist er denn, mein Bruder?

Hier geht er endlich auf ihn los: „Um„arme mich, sehnlichst gewünschter Bruder ! „Uller Zorn sen nunmehr zwischen uns vorbey. Un diesem Tage fenre man den Sieg des Bluts „und der Liebe. Weg mit allem Hasse aus uns fern Gemůchern.

Theseus. Ach, Atreus, ich könnte alles rechtfertigen, wenn du dich jezt nicht so erzeigtest! Ja, Bruder, ich gestehe es; ich gestehe es, ich habe alles verbrochen, dessen du mich schuldig ges halten. Deine neutige Liebe macht meine Sache zur schlimmsten Sache. Der muß ganz schuls dig seyn, den ein fo guter Bruder hat für schula dig halten können. Zu den Thrånen muß ich nunmehr meine Zuflucht nehmen. Siehe mich hier zu deinen Füssen! Jaß diese Hände, die noch feines Knie umfaßt haben, die deinigen umfas: fen. Laß uns allen Zorn bey Seite legen; laß uns allen Unwillen aus den Gemüthern vers bannen. Empfange diese Unschuldigen als die Unterpfänder meiner Treue.

Utreus. Verlaß diese erniedrigende Stellung, und umarme mich, mein Bruder.

Und auch ibr, ißr Stüßen unsers Alters, edan Jünglinge

laßt

laßt euch an meine Brust drücfen. Lege das schmußige Kleid ab; verschone meine Augen mit einem solchen Anblicke; laß dir einen Schmuck reichen, der dem meinen gleich ist; und tritt freudig in den Besik deines Antheils an dem brů. derlichen Reiche. Ich will mich des grossern Lobes erfreuen, meinen Bruder unverlegt der våterlichen Würde wieder hergestellt zu haben. Ein Reich besigen, ist Zufall; ein Reich chen fen, ist Tugend.

Thyest. Möchten dir doch, Bruber, diese deine Wohlthaten die Götter würdig vergelten. Meine Armseligkeit schläge es aus, die tonigliche Binde anzunehmen, und die unglückliche Hand fcheuet sich vor dem Scepter. daß ich mitten unter dem Volke verborgen lebeni darf.

Utreus. Unser Keich leidet zwey Regenten.

Theseus. Was du hast, soll mir so gut Kern, als ob ich es selbst håtte.

Åtreus. Wer wollte die freywillig jufliessen den Güter des Glücks verschenåhen ?

Theseus. Der, welcher es erfahren bat, wie schnell sie wieder dahin sind.

Atreus. So willst du deinen Bruber die unschåßbarste Ehre nicht erlangen lassen?

Thyest. Deine Ehrehat bereits die erhabenste Staffel erreicht, und nun ist es nur noch um meine zu thun. Ja, ich habe es fest beschlossen, das Reich auszuschlagen.

Atreus.

Erlaube mir,

Utreus. Wenn du deinen Antheil nicht wie der nimmst

, so will ich meinen verlassen. Theseus. Wohl ich nehme ihn. Ich will den Namen der mir aufgelegten Herrschaft führen; dir aber allein sollen Gefeße und Waffen mit mir dienen.

Atreus. So laß dir denn um die ehrwürdige Stirne das Diadem binden. Ich will geßen, und den Göttern die versprochnen Opfer bringen.

Hiermit gehen beyde Theile ab, und der zu diesem Aufzuge gehörende Chor erhebt die brů. derliche Liebe des Atreus, dem man kaum einen Funken derselben håtte zutrauen sollen. Er vergleicht diese nach langen Verfolgungen wieder hergestellte Freundschaft, einer angenehmen Meer. stille, welche auf einen schrecklichen Sturm folgt. Er macht daben Schilderungen über Schilde: rungen, welche keinen andern Fehler haben, als da ste die Aufmerksamkeit des Zuschauers zers streuen. Vielleicht zwar, daß sie diesen Fehler nicht geäussert haben, wenn die Älten anders die Kunst, etwas so zierlich herzusingen, daß man fein Wort davon erratzen kann, eben so gut verstanden haben, als wir Neuern sie verste. hen.

Der Schluß dieses Chors find aberinals einige moralische Anwendungen über das veranderliche Glück, besonders der Grossen. „ ihr, welchen der Herrscher über Erd und

Meer, das grosse Recht des Lebens und des „ Tubes anvertrauet hat, entfaget den stolzen

„auf

[ocr errors]
[ocr errors]

„aufgeblasenen Gebehrden. Was der Geringente
„ von euch fürchtet, eben das drohet euch ein
„großrer Herr. Jedes Reich stehet unter einem
„noch mächtigern Reiche. Oft sahe einen, den
„der anbrechende Tag im Glanze fand, der un-
„tergehende im Staube. Niemand traue dem
„ihn anlachenden Glücke; niemand verzweifle,
„Wenn es ihm den Rücken zukehret. Clotho
„mischt gutes und böses, und treibt unaufhörlich
„das Rad des Schicksals um x.

Vierter Aufzug.
In dem Zwischenraum dieses und des vorhers
gehenden Aufzuges, muß man sich vorstellen,
daß Utreus seine Grausamkeiten begangen habe.
Sie waren zu schrecklich, als daß sie der Dichter,
der sich der Regel des Horaz ohae Zweifel er-
innerte:
Nec pueros coram populo Medea trucidat:
Aut humana palam coquat exta nefarius Atreus.
dem Zuschauer gåtte zeigen sollen. Er läßt sie
also blos erzehlen; und giebt sich, diese Erzehlung
mit dem Ganzen auf eine kunstmåßige årt zu
verbinden, so wenig Mühe, daß er weiter nichts
thut, als einen Mann, den er Nuncius nennt,
herauskommen und dem Chore von dem, was
er gesehen hat, Nachricht geben läßt. Der Chor
wird also hier zu einer spielenden Person, welches in
den alten Trauerspielen nichts ungewöhnliches ist.
Gemeiniglich führte alsdann der Corypbåus

F

das

1

das Wort, der entweder mit dem ganzen Chore, oder nur mit einem Theile desselben zurück blieb, nachdem es die Umstånde erforderten. Wir werden unten sehen, warum man annehmen müße, daß er hier nur mit einem Theile zurůck geblieben sey. Seine Reden sind sehr kurz, und geben blos dem skrzehler Gelegenheit, so umståndlich, als es nöthig if, zu seyn. Dieser nun tritt voller Schrecken und Entseken hervor, und wünscht von einem Wirbelwinde durch die Lüfte gerissen und in eine finstre Wolke gehållet zu werden, damit er dem Anblicke eines so gråßlichen Verbres chens entkommen möge., „ Haus, dessen sich „selbst Pelops und Tantalus schåmen müssen. Der Chor. Was bringst du neues?

Der Erzehler. Wo bin ich? Ist dieses das Sand, in welchem Urgos, Corinth und das durch die frommen Brüder berühmte Sparta liegt? Oder bin ich an dem Jster unter den wilden Alanen? Oder bin ich unter dem ewigen Schnee des rauen Hircaniens ? Oder unter den schweifenden Scythen? Was ist es für eine Gegend, die zur Mitsch,aldigen so abscheulicher Verbrechen gemacht wird?

Der Chor. Welcher Verbrechen? Entdecke doch

Der Erzchler. Noch staunet meine ganze Seele, noch ist der vor Furcht starrende Körper seiner Glieder nicht machtig. Noch schwebt das Bild der gråßlichen That vor meinen Augen 2c.

Der

[ocr errors]
« IndietroContinua »