Immagini della pagina
PDF
ePub
[ocr errors]

Der Chor. Du marterst uns durch die Ungewißheit noch mehr. Sage, wovor ou dich : entsegest, und nenne den Urheber. Einer von den Brüdern muß es fenn, aber welcher? Rede doch Nunmehr wåre es ohne Zweifel billig, daß der Erzehler sogleich zur Sache kåme, und diese geschwind in wenig kurzen und affectvollen Worten entdeckte, ehe er sich mit Beschreibung kleiner Umstände, die vielleicht ganz und gar unnöthig sind, beschäftige. Allein was glaubt man wohl, daß er vorher thut? Er beschreibet in mehr als vierzig Zeilen vor allen Dingen den heiligen Hayn, hinter dèr mitter, nächtlichen Seite des Pelopeischen Pallafts, in welchem Atreus die blutigen Opfer geschlacht hatte, ohne dieser mit einer Sylbe zu gedenken. Er sagt uns, aus was für Bäumen dieser Wald bestehe, zu welchen Handlungen ihn die Nach. kommen des Tantalus gemeihet; mit was für gelobten Geschenken und Denkmåhlern er ausges ziert und behangen Ter. Er meldet, daß es barinne umgehe, und mahlt fast jede Art vor, Erscheinungen, die den Tag sowohl als die Nacht barinne schrecklich madten. Ich begreife nicht, was der Dichter hierben, muß gedacht has ben; noch vielweniger begreife ich, wie sich die Zuschauer eine solche Verzögerung können ges. fallen lassen. Eine kleine Vorbereitung, wenn etwas sehr wichtiges zu erzehlen ist, wird gar mohl erlaubt; fiereigt die Zuhörer, ihre Aufmerk.

F2 samkeit

[ocr errors]

1

samkeit auf das, was folgen soll, gefaßt zu halten. Allein fie muß diese Aufmerksamkeit nicht vor. weg ermüden; sie muß das, was in einer Zeile eine sehr gute Wirkung thun würde, nicht in vierzig ausdehnen. Doch damit ich auch meinen Tadel nicht zu weit ausdehne, so will ich das Gemåhlde des Hanns an seinen Drt gestellt seyn lassen, und mit dem Dichter wieder weiter gehen. „Als nun, låßt er den Erzehler forte

fahren, der rasende Utreus in Begleitung der „Kinder feines Bruders in den Hann gekommen „war, wurden die Altåre fugleich geschmückt

. „Uber nun, wo werde ich Worte finden? „Die Hände werden den edlen Jünglingen auf „den Rücken gebunden, und um ihre Stirne „wird die traurige Opferbinde geschlagen. Da „fehlt kein Weihrauch, kein geheiligter Wein; „das Opfer wird mit Salgmehl bestreuet, ehe „es das Schlachtmesser berühren darf. Aue „Ordnung wird beybehalten, damit ja eine solche „lasterthat nicht anders als auf die beste Weise „geschehe..

Der Chor. Und wessen Hand führte das Eisen?

Der Erzehler. Er selbst ist Priester; er felbst hålt das blutige Gebeth, und läßt aus schrecklichem Munde das Sterbelied tonen. Er selbst stehet am Altare, befühlt die dem Tode Geweihten, legt sie zurechte, und ergreift den Stahl. Er selbst giebt Acht, und kein einziger

Dpfer:

[ocr errors]

Dpfergebrauch voird übergangen. Der Hann erzittert; der ganze Pallast schwankt auf dem durchschütterten Boden, und drohet bald hier bald dahin zu stürzen. Dben zur linken schießt ein Stern durch den Himmel, und ein schwarzer Schweif bemerkt seine Bahn. Der in das Feuer gesprißte Wein wird Blut; dreymal entfållt dem Haupte das Diadem; die Bildsäulen weinen, und ein jeder wird von diesen Vorbes deutungen gerührt. Nur Atreus allein bleibt unbeweglich und sich selbst gleich, und hört nicht auf die drohenden Götter zu schrecken. Sånger will er nicht verweilen, er springt wieder zu dem Altare, und schielet mit grimmigen Blicken um fich. So irret ein hungriges Tiegerthier in den Gangetischen Wåldern zwischen zwey jungen Stieren. Es ist auf den einen Raub so begierig, wie auf den andern, und nur ungewiß, welchen es zuerst zerreissen solle. Jezt bleckt és den Rachen auf diesen; jezt bleckt es ihn auf jenen zurück, und hålt seinen Hunger in Zweifel. Nicht anders betrachtet der ruchlore Atreus dié Schlachtopfer feines verfluchten Zornes, und steht bey fich an, welches er zuerft, und welches er hernach abthun wolle. Es wåre gleidyviel, aber doch steht er bey fich an, und freuet fich, über seine verruchte That zu künsteln.

Der Chor. Aber gegen wen braucht er ends lich den Stahl zuerst ?

[ocr errors]

Der Erzehler. Das erste Opfer damit man, ohne Zweifel, die kindliche Ehrfurcht nicht vermissen moge wird dem Großvater geweihet. Tantalus ist dieses erste Opfer.

Der Chor. Mit welchem Muthe, mit wela chem Gesichte duldete der Jüngling den Tod?

Der Erzehler. Umbeforgt für sich selbst ftano er da, und verschwendete keine Bitte vergebens. Aber der Wůtrich stieß und drückte so lange nach, bis sich der Stahl in der Wunde verlohr, und die Hand an die Gurgel traf. Da er das Eisen zurückzog, stand der-leichnam; und als er lange gezweifelt hatte, ob er auf diefe oder auf jene Seite fallen follte, fiel er endlich auf den Vetter. Voller Wuth riß dieser hierauf den Plifthenes zum Altare, und schickte ihn dem Bruder nach. Er hieb ihm den Hals ab; Der Rumpf fiel vor fich nieder, und der Kopf rollte mit einem un= verständlichen kläglichen Murmeln auf den Boden hin.

Der Chor. Nachdem er diefen doppelten Mord vollbracht, was that er alsdann? Schonte er des Knabens ? Oder häufte er Verbrechen auf Verbrechen?

Der Erzehler. So wie ein Löwe in 2tr. menischen Wåldern mit siegender Wuth unter den Rindern tobet, und mit blutigem Kachen, auch nach gestilltem Hunger, seinen Grimm nicht ableget; fondern noch hier einen Stier und noch

ba

F 4

da einen anfällt, bis er mit miden Zähnen endlich auch den Kälbern drohet: eben so wüthet Utreus und schwellet vor Zorn. Er hålt das vom dope pelten Morde blutige Eisen, vergißt was für ein fchwaches Kind er zu durdystossen habe, und hoşlt weit von dem Körper aus. (*). Der Stahldrang in der Brust ein, und fuhr durch den Rücken heraus. Das Kind fiel, löschte mit seinem Blute das Feuer quf dem Altar, und starb an der zwiefachen Bunde.

Der Chor. Übscheuliche Lasterthat!

Der Erzehler. Ihr entseget euch? Wenn er hier innegeļaltenhåtte; so wåre er noch fromm.

Der (*) Die Worte heillen in dem Originale:

Ferrumque gemina cæde perfusuin tenens, Oblitus in quem rueret, infesta manu Exegit ultra corpus Alle Ausleger übergehen diese Stelle, und gleichs wohl zweifle ich, ob sie von allen gehörig ist vers standen worden. Das exigere corpus ist mir un: geinein verdächtig. Ich weis wohl, was bey dem Virgil exigere ensem per 'corpus heißt; allein ob schlechtweg exigere corpus eben dieses heissen könne, daran zweifle ich, und glaube nicht, daß man bey irgend einein Schriftstellet ein áhnliches Erempel finden werde. Ich erkühne mich daher, eine kleine Veränderung zu machen, und anstatt infesta manu zu leseni infestain inanum; so daß ultra, welches inan vorher adverbialiter nehmen mußte, nunmehr zur Präposition wird, die zu corpus gehöret. Was aber manum exigere bevise, und daß es gar wohl aushohlen heissen könne, wird man leicht einse: hen. Vielleicht könnte auch die Bedeutung, da exigere versuchen, probiren heißt, hier zu Stats ten kommen.

[ocr errors]
« IndietroContinua »