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„glücklichen Tag würdig zu begehen. Heute „wird mein Thron befestiget; heute wird ein „Friede gestiftet, wie er unserer brüderlichen „, Treue geziemet.

Thyest. Die reiche Tafel hat mich genung gefåttiget; ich glühe vom Weine. Aber wie unendlich könnte meine Freude vermehret werden, wenn ich mich mit den Meinigen freuen dürfte.

Atreus. Glaube, daß fie so gut verwahrt find, als ob du fie in deinen Armen kielteft. Sie sind hier, und werden hier bleiben. Von deinen Kindern foll dir nichts verlohren gehen, Ich will dich ihre Gesichter, die du so sehnlich verlangst, sehen lassen; ich will sie dich alle geniessen lassen. Deine Begierde soll gesättiget werden; fürchte nichts. Sie liegen noch jeßt, mit meinen Kindern zugleichy, an dem frohen Tische; aber man soll sie gleich berhohlen. Nimın nur unterdessen diefen unsern Geschlechtsbecher, mit Bachus Gaben erfüllet, aus meiner Hand Thyest vermutħet bey diefen zwendeutigen Res den, noch nichts arges. Er greift mit Danck. sagung nach dem Becher, ihn vor dem Angesichte der våterlichen Götter auf eine ewige Liebe auss zuleeren, und ist eben in der Stellung, ihn an den Mund zu führen; als feine fürchterliche Ahndungen zunehmen. „Was ist das? die ,Hand will nicht gehorchen? die Schwere des „Bechers wåchst und ziehet die Rechte mit nieber? „Ich bringe ihn dem Munde nåher, und vers

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„giesse zitternd den Wein, ohne die betrogenen „lippen zu neßen. Siel! felbst der Tisch springt „von dem erschütterten Boden in die Hoh! Kaum „leuchtet das Feuer! Die schwere ode Luft er. „starret schrecklich zwischen Tag und Nacht! „Das krachende Gewölbe des Himmels drohet „zu stürzen! Schwarße Schatten verdicen „die Finsterniß, und die Nacht verbirgt sich in „Nacht! Alles Gestirne flieht! Es drohe, was „uns auch drohe; nur daß es meinen Bruder, „nur daß es meine Kinder verschone! Auf mein „unwürdiges Haupt allein breche das Wetter „los. Ac), jezt, jezt gieb mir meine Kinder „wieder.

Atreus. Ich will sie dir geben, und kein Tag soll sie dir jemahls wieder rauben. Hier muß man sich vorstellen, daß Utreus einen Winck giebt, und die zurück gelegten Håupter und Hände der Kinder Herben bringen läßt, unterdessen daß Thyeft in dem vorigen Tone fortfährt: „Welch ein Aufruhr durchwühlet „mein Eingeweide? Was zittert in meinem „Innern? Ich fühle eine ungeduldige last, und „aus meiner Brust steigen Seufzer auf, die „nicht meine sind. Kommt doch, meine Söhne! „Euer unglücklicher Vater ruft euch. Kommt „doch! Euer Anblick wird diesen Schmerz ver: „jagen. Hörte ich sie nicht? Wo sprachen Nunmehr sind ihre traurigen

Uebers

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Das ich

Heberbleibsel hier, und Utreus fiehet sich an feinein erwvůnschten Augenblicke.

Atreus. Halte deine våterlichen Umarmuns gen bereit! Hier find sie! (indem er sie ihm zeigt,), Erkennst du deine Söhne?

Thyest. Ich erkenne den Bruder! Erde! und so eine Schandthat konntest du auf dir dulden?

Dieses ist der Anfang von den gråßlichsten Verwünschungen seines Bruders und seiner selbst. Bruder ist ohne Zweifel ein Meisterzug, der alles auf einmal dencken låßt, was Thyeft hier kann empfunden haben. Er scheinet zwar etwas von einer spißigen Gegenrede an sich zu haben, aber gleichwohl muß seine Würckung in dem Munde des Schauspieles vortreflich gewesen Feyn, wenn er das dazu gehörige starrende Erstaunen mit gnug Bitterfeit und Abscheu hat ausdrucken fönnen.

Es fehlt so viel, daß Atreus von den Verwünschungen seines Bruders follte gerührt werden, daß er ihn vielmehr auf die spåttischste Art unterbricht:

Atreus. Nimm sie doch lieber hin, die so lange begehrten Kinder.

Dein Bruder vers wehrt es dir nicht långer. Geniesse fie; furie fie; theile unter alle drei die Zeichen deiner Liebe.

Thyest. War das der Bund? War das die Aussöhnung? Ist das die brüderliche Treue ? So legft du deinen Haß ab? Ich kann dich nun nicht bitten, mir meine Kinder unverlezt zu laf

Fen;

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sen; aber das muß ich dich bitten, ein Bruder den Bruder, was du mir, deinem Verbrechen, deinem Hasse unbeschadet, verstatten kanst. Erlaube mir, ihnen die lezte Pflicht zu erweisen. Gieb mir ihre Körper wieder, und du sollst sie sogleich auf dem Scheiterhaufen brennen sehen. Ich bitte dich um nichts, was ich besißen, sondern um etwas, was ich verlieren will.

Utreus. Was von deinen Söhnen übrig ist, follst du haben; was von ihnen nicht mehr übrig ift, das hast du schon.

Thyest. Hast du sie den Vögeln zur Speise hinwerfen lassen? Oder werden sie zum Frasse für wilde Thiere gespart?

Atreus. Du selbst hast deine Söhne in ruchlosen Gerichten genossen.

Thyeft. Das war es, wovor fich die Götter entsezten! Das trieb den Tag in sein ostliches Lhor zurück! In welche Klagen foll ich Elender ausbrechen? Welche Worte soll mein Schmerz wählen? Hier seh ich sie, die abgehauene Köpfe und die vom zerschmetterten Urme getrennten Hånde! Das war es, was dem hungrigen Vater nicht herab wollte! Wie welzet fich das Eingeweide in mir! Der verschlossene Greuel tobet und suchet einen Ausgang.

Gib mir, Bruder, das von meinem Blute schon trunckene Schwerd, um mit dem Eisen meinen Kindern den Weg zu öfnen. Man versagt mir das Schwerd? So mag denn die hoble Brust von

traus

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traurigen Schlägen ertönen. Halt ein, Unglück: licher! Verschone die Schatten. Wer hat der gleichen Abscheuligkeit gefehen? Welcher Senioa che auf den rauhen Felsen Des unwirthbaren Eau casus? Welcher Procrustes, das Schrecken der attischen Gegenden? Ich Vater drücke die Söhne, und die Söhne den Vater. So kanna test du denn ben deinem Verbrechen keine Maaß?

Utreus. Maaß muß man in den Verbrechen Halten, wenn man sie begehet, nicht aber wenn man sie rachet. Auch das ist mir noch zu geringe. Aus den Wunden selbst håtte ich das warme Blut in deinen Mund follen fliessen lassen, damit es aus ihren lebendigen Leibern in deinen gekom men wåre. Mein Zorn hat mich hintergangen. Ich war zu schnell; ich that nichts, als daß ich fie mit dem Stahle am Altare niederstieß, und die Hausgótter mit diesem ihnen gelobteri Opfer verföhnete. Ich trennte die Glieder von den todten Körpern und hieb sie in kleine Stücken. Diefe warf ich in siebende Kessel, und jene ließ ich am langsamen Feuer braten. Ich hörte sie an dem Spiesse zischen; ich wartete mit eigener Hand das Feuer. Alles dieses håtte ihr Vater weit besser thun können. Meine Rache ist falsch aus. geschlagen. Er hat mit ruchlofem Munde seine Kinder zermalmt; aber ei noußte es nicht; aber fie wußten es nicht. “ Thyest hebt hierauf neue Verwünschungen an, und alles was er von dem Beherrscher des Himmels bittet, ist dieses,

baß

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