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Latin
Market
2-6-30
20782

VORRE D E.

Von Sallustius kommt man nicht leicht wieder weg.

Das haben die neusten Heraugseber erfahren und jeder mehrere Ausgaben hinter einander geliefert. Darin ist zunächst nur ein Beweis dafür zu sehen, dass der Schriftsteller viel gelesen und viel gekauft wird. Man kann die Thatsache auch dahin deuten, dass eine eigentlich erschöpfende und abschliessende Arbeit noch fehlt, wenn man nicht die Tiefe des Schriftstellers als Erklärungsgrund gelten lassen will. Für mich ist dies nur ein Antrieb in aller Bescheidenheit meine neue Ausgabe darzubieten und bei dem Leser einzuführen.

Als ich, vom Verlangen für die kritische Textesgestaltung eine sichere Grundlage zu gewinnen getrieben, 1858 mit meiner letzten Ausgabe hervortrat, drangen viele Freunde in mich, die frühere, 1843 begonnene, 1847 vollendete durch eine andere erklärende zu ersetzen und zwar mit deutschen Anmerkungen. Einigermassen geschmeichelt gab ich das Versprechen und hoffte, frisch von den Sallustischen Studien kommend, die Arbeit rasch zu vollenden. Doch anders kam es, neue Pflichten nahmen meine Zeit und Kraft in Anspruch und ich hätte gern gesehen, wenn ich von meinem Versprechen entbunden worden wäre. Vielleicht ist für die Erfüllung nicht ungünstig gewesen, dass ich erst nach längerer Unterbrechung zur Beschäftigung mit dem Schriftsteller zurückkehrte; ich bin mir wenigstens bewust, vieles unbefangener angesehen und geprüft zu haben, und selbst der Text, hoffe

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ich, soll dafür Zeugnis geben, obgleich ich voraussehe, dass viele über die Kühnheit oder meinetwegen Nachgiebigkeit, mit der ich die von Linker vorgeschlagne Transposition angenommen habe, die Hände über den Kopf zusammenschlagen werden. Eins, weiss ich, ist mir ungünstig gewesen, der Mangel an Zeit zu ununterbrochenem Arbeiten aus einem Guss, und deshalb trete ich mit dringender Bitte um Nachsicht hervor.

Ueber die Grundsätze, welche mich geleitet, muss ich um so mehr Auskunft geben, als man eine Schulausgabe erwarten wird, ich aber eine solche in dem Sinne, in welchem man das Wort gewöhnlich gebraucht, nicht liefern wollte und deshalb auch auf dem Titel das Wort nicht gebraucht habe. Recht gut kenne ich den Nutzen von solchen Ausgaben, welche den Schüler bei der Präparation unterstützen sollen, vorausgesetzt dass sie ihn zur Arbeit zwingen, nicht diese überflüssig machen. Allein wie der Gebrauch der Speciallexika nur bis zu einer gewissen Stufe befürwortet, dann aber der eines allgemeinen Lexikons wegen der Geist übenden Nötigung zum Finden der speciell passenden Bedeutung aus der allgemeinen empfohlen wird, so wünschen auch verständige Lehrer auf höheren Stufen nicht mehr dem unmittelbaren Schülergebrauch dienende Ausgaben, sondern nur solche, welche ihnen aufhältliche Entwicklungen in den Lectionen ersparen. Ich habe in meiner langjährigen Praxis stets als das zweckmässigste gefunden, wenn der Lehrer zwar alles brauchbare und gute aller Ausgaben, die ihm zu Gebote stehen, benützt, auch den Schülern die zweckmässigsten zur eignen Benützung empfiehlt, aber bei seinem Unterricht keine andere als die eingeführte Textesausgabe in den Händen der Schüler voraussetzt, ihnen die Anleitung zur Präparation selbst gibt und die Bedürfnisse zum Verständnis nach bestem praktischem Ermessen und den gemachten Beobachtungen selbst befriedigt. Mit Unrecht macht man gegen Lehrbücher geltend, dass sie selten dem Bedürfnisse und den Wünschen des Lehrers vollständig entsprechen und manchen unwillkommnen Zwang auferlegen; es gilt, dass der Lehrer das Buch zweckmässig benützt und für den Schüler brauchbar macht, und der Gewinn ist im Verhältnis zu dem Zeitverlust durch Dictieren unvergleichbar grösser. Aber was von Lehrbüchern gilt, findet auf Schulausgaben keine Anwendung, weil hier ein Text vorliegt, welchen der Schüler verstehen lernen soll, zu dessen Verständnis aber er schon durch Sprachunterricht Vorbereitung und in Lexikon und Grammatik Hülfsmittel besitzt. Dieselbe Forderung jedoch, die man bei Lehrbüchern fallen lassen muss, dass sie nämlich den Forderungen einer bestimmten Stufe allseitig entsprechen, nichts was darunter und nichts was darüber hinausgeht enthalten sollen, darf man an Ausgaben von Klassikern noch viel weniger stellen, um so weniger, als dieselben ja fast nirgends in gleichen Klassen gelesen werden. Ich habe also meine Ausgabe des Sallustius weder für den Gebrauch bei der Schullektüre bestimmt, noch den Standpunkt einer bestimmten Schulklasse bei derselben festgehalten: ich muss mich um so mehr über den bei ihr verfolgten Zweck aussprechen.

Was ich vorher über den mir zulässig und wünschenswert scheinenden Gebrauch von Ausgaben mit Commentaren gesagt habe, stimmt mit der von mir längst und oft ausgesprochnen Ansicht über den hohen Wert derselben für das Privatstudium; denn jener Gebrauch ist eigentlich ein Privatstudium des Schülers. Wir sind ja wol über die Zeit hinweg, in welcher von der Lektüre der alten Schriftsteller ausserhalb der Schule keine Rede mehr war; die Ueberzeugung, dass was der Schüler aus eigner, wenn auch immer vom Lehrer geleiteter Wahl und mit eigner Kraft sich zu einem angemessnen Verständnis gebracht, viel grösseren Wert besitzt, als was er auf Auctorität sich angeeignet hat, gewinnt immer weiteren Boden. Damit aber sind wir auch mit dem lang geführten Streit über die Art der Lektüre in der Schule hinweg: wir erkennen in ihr ebensowol eine ergänzende und berichtigende Controle über das von den Schülern selbständig gewonnene, als eine Anleitung zu selbständigem, richtigem Lesen. Darauf ist ein um so grösserer Wert zu legen, weil wir leider die Erfahrung machen, dass das denkende und ge

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