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Göttingen 1900.
Druck der Dietrich'schen Univ.-Buchdruckerei

(W. Fr. Kästner).

Letni Sathur

DG 203 : P429 1900 MAIN

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Der Gedanke, die Geschichte Roms in Lebensbeschreibungen seiner hervorragenden Männer darzustellen, ist Petrarca schon in jungen Jahren aufgestiegen und hat in der Einsamkeit von Vaucluse seine erste feste Gestalt gewonnen. Aber ein anderer Plan, den er später fasste, der wissenschaftlichen Verherrlichung Roms eine poetische durch ein Epos von Scipio, dem Sieger von Zama, zur Seite zu stellen, drängte das biographische Werk zeitweise in den Hintergrund. Im Beginn der fünfziger Jahre des 14. Jahrhunderts war es indessen so weit gefördert, dass in den Kreisen von Petrarcas Freunden und Verebrern der Abschluss erwartet wurde 1) und Kaiser Karl IV., der auf seinem Römerzuge vom J. 1354 den Dichter zu sich nach Mantua einlud, die Bitte um Widmung des Werkes an ihn richten konnte. Aber die Erwartung wurde nie erfüllt; als Petrarca zwanzig Jahre später aus dem Leben schied, war es noch unvollendet; erst fünf Jahre nach seinem Tode wurde ihm durch seinen Freund Lombardo della Setta derjenige Abschluss gegeben, in dem es uns gegenwärtig vorliegt.

Die Vorrede ist noch von Petrarca selbst verfasst; sie eignet das Werk nicht Karl IV., sondern dem Herrn von Padua, Francesco von Carrara, zu, mit dem Petrarca in den letzten Jahren seines Lebens in vertraute Beziehungen getreten war, nachdem er sich Arqua bei Padua zum Wohnsitz erwählt hatte. Der junge Fürst, ein grosser Verehrer unseres

1) Dies lässt sich aus dem Briefe de reb. fam. 19,3 schliessen, in dem er von seiner Unterredung mit Karl IV. berichtet.

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Dichters und glutender Bewundérer des römischen Altertums, hatte sich in seinem Palaste zu Carrara einen Saal mit den Bildern römischer Krieger und Staatsmänner ausmalen lassen und so das Werk Petrarcas gewissermassen illustriert; er hatte ihn auch veranlasst, von dem Werk einen Auszug zu machen; doch Petrarca ist hierbei über vierzehn Biographien nicht hinausgekommen, Lombardo hat auch diesen Auszug durch die Zugabe der noch fehlenden zwei und zwanzig zum Abschluss gebracht).

Das grössere Werk führt in den Handschriften den Titel Epitome, weil es eine zusammengedrängte Darstellung der in den alten Historikern befindlichen Berichte gab, der kürzere Auszug wird Compendium genannt, ist aber, wie es scheint, schon früh mit demselben Titel wie das Hauptwerk bezeichnet worden. Diese Uebertragung des falschen Titels auf den Auszug hat, wie Nolhac sehr ansprechend vermutet, wahrscheinlich dazu beigetragen, dass man den Auszug für das eigentliche Werk ansah, und so ist es gekommen, dass, als Petrarcas Werke zuerst gedruckt wurden, nur das kurze Compendium unter dem Titel Epitome in seinen Gesamtausgaben Aufnahme gefunden hat, die Erinnerung an das Hauptwerk aber völliger Vergessenheit anheimgefallen ist.

Nur die Biographie Cäsars hat ein anderes Schicksal gehabt; als die umfangreichste unter allen hat sie eine selbständige Existenz geführt, ist früh in mannigfachen Abschriften, aber, wie es scheint, ohne den Namen des Verfassers verbreitet und im J. 1473 als Anhang zu der ersten Cäsarausgabe, die nach Erfindung der Buchdruckerkunst auf deutschem Boden erschienen ist, gleichfalls ohne Autornamen gedruckt worden. Diese typographisch sehr merkwürdige Ausgabe ist aber ausserordentlich selten gewesen. Der französische Gelehrte Godwin, der sie seiner in usum Delphini bearbeiteten Cäsarausgabe vom J. 1693 beigeben wollte, konnte in den berühmtesten Bibliotheken Frankreichs kein Exemplar auftreiben '), so dass Zweifel erhoben wurden, ob diese Ausgabe überhaupt existiere. Aber sie existiert in der That, wenn auch nur in wenigen Exemplaren, deren eines die hiesige Universitäts-Bibliothek besitzt. Zur Kenntnis weiterer Kreise ist diese Biographie erst durch J. G. Graevius gebracht, der sie seinen Cäsarausgaben vom J. 1699 und 1713 als Anhang beigegeben hat. Da die von ihm zu Grunde gelegte Handschrift aber keinen Autor nannte, so glaubte er diesem Mangel abhelfen zu müssen und bezeichnete als Verfasser nach dem Vorgange von G. J. Vossius den sogenannten (qui vocatur) Julius Celsus. Zur Wahl dieses Namens scheint Vossius durch ein Missverständnis veranlasst zu sein, das aufzuklären kein weiteres Interesse bietet; er hat aber in diesem Julius Celsus denjenigen Autor zu entdecken vermeint, den Johannes von Salisbury, Vincentius von Beauvais und andere Schriftsteller des Mittelalters als Berichterstatter von Cäsars Thaten citieren. Der Julius Celsus dieser Schriftsteller war aber kein anderer als Julius Cäsar selbst, dessen Commentarien in den Zeiten des Mittelalters bekanntlich gar nicht als ein Originalwerk, sondern als eine Bearbeitung galten, welche in Cäsars Auftrag ein Julius Celsus genannter Mann vorgenommen hätte, den man sich als Begleiter Cäsars auf seinen Feldzügen dachte. Dieser Wahn, den auch Petrarca teilte, hatte vermutlich darin seinen Grund, dass die Subscription, durch welche ein gewisser Julius Celsus seine Recensententhätigkeit mit den Worten: Julius Celsus Constantinus, Vir) C(larissimus) et Comes legi oder emendavi bezeugte, in einigen Handschriften auch die Fassung: Julii Caesaris per Julium Celsum commentarii aufweist. Indem man

1) Vgl. hierüber: A. Gaspary, Gesch. der ital. Litt. I 1885, p. 434 und besonders P. de Nolhac, notices et extraits des manuscrits de la bibl. nationale et autres bibl. XXXIV, 1 p. 65 ff., auch im Separatabdruck erschienen unter dem Titel: Le de viris illustribus de Pétrarque Paris 1890.

nun beide Subscriptionen kombinierte und das Wort comes der ersten Fassung, das die Würde des Celsus in der Beamtenchierarchie des römischen Reiches bezeichnet, als 'Begleiter' deutete, mit den

1) Graevius in der praef, zu der Ausgabe des Julius Celsus Leyden 1713, p. 1.

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