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Einleitung.

1. Sallusts Leben.

C. Sallustius Crispus wurde im Jahre 86 v. Chr. zu Amiternum im Sabinerlande geboren. Die Familie gehörte dem Plebejerstande an. Seine Jugend fällt somit in die stürmisch bewegte Zeit römischer Geschichte, in welcher die einander entgegengesezten Strömungen der Optimaten und der Volkspartei in leidenschaftlichem Kampfe aneinanderprallten. Energische Charaktere standen an der Spige der Massen und gaben im Wechsel kleineren oder größeren Zeiträumen ihr Gepräge. Die Lebensläufe eines Sulla, Pompeius und später Cäsars sind aufeinanderfolgende Capitel römischer Geschichte. In dieser Zeit bedeutender Persönlichkeiten wuchs Sallust heran, und wir ersehen aus seinen Schriften, dass er nicht bloß die übliche schulmäßige Bildung genoss, sondern dass die Ereignisse und mehr noch eben diese Persönlichkeiten auf ihn wirkten. Jedenfalls war damals schon in ihm die Neigung gereift, sich der Geschichtsschreibung zu widmen.

Seine politische Laufbahn begann er zur Zeit, als neben Pompeius die mächtige Gestalt Cäsars zu gleicher Bedeutung emporgestiegen war. Er schloss sich lezterem an, blieb als entschiedener Charakter treu auf seiner Seite und machte alle Schwankungen des Glückes seines Gönners mit. Nachdem er wahrscheinlich im Jahre 59, im Consulatsjahre Cäsars, die Quästur bekleidet hatte, war er im Jahre 52 Volkstribun und trat in den Händeln des Clodius und Milo offen vor dem Volke gegen lezteren und dessen Vertheidiger Cicero auf. Als dann die Partei des Pompeius für eine Zeit die Oberhand gewann, wurde der Cäsarianer Sallust jedenfalls wegen dieser politischen Gesinnung im Jahre 50 aus dem Senate gestoßen, wenn wir auch zugeben müssen, dass der Hinweis auf seine nicht gerade einwandfreie Lebensführung, die man als Grund angah, nicht ganz unbegründet war.

Sallust.

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Sallust begab sich sofort zu Cäsar, machte in dem nun folgenden Bürgerkriege einen Feldzug in Illyrien in Cäsars Diensten mit und wurde bei Cäsars Rückkehr nach Rom im Jahre 47 durch ihn wieder in den Senat aufgenommen.

Als designierter Prätor und besonders als Prätor im afrikanischen Kriege leistete er dem Dictator mannigfaltige Dienste und wurde daher nach der Schlacht bei Thapsus im Jahre 46 v. Chr. mit dem Titel eines Proconsuls als Statthalter der neuen Provinz Africa nova bestellt, welche den dem Könige Juba abgenommenen Theil Numidiens umfasste. Hier lernte er nicht bloß Land und Leute kennen und sammelte Stoff, den er später im bellum Iugurthinum verarbeitete, sondern er erwarb sich auch aus seiner Amtsführung ansehnliche Reichthümer, mit denen er sich nach seiner Rückkehr nach Rom einen behaglichen Wohnsiz, die berühmten horti Sallustiani bei der porta Collina, im Nordosten der Stadt, gründete. Die Klage de repetundis, welche die Provinzbewohner erhoben, war erfolglos, vielleicht schlug sie noch Cäsar nieder.

Mit der Ermordung Cäsars im Jahre 44 war auch für Sallust der Zeitpunkt gekommen, sich vom öffentlichen Leben zurückzuziehen. In behaglicher Muße in seinem prächtigen Heim widmete er sich nun ganz der Geschichtsschreibung und starb fern vom Parteiengetriebe im Jahre 35 v. Chr.

2. Sallusts Schriften.

In seinem ersten Werke, dem bellum Catilinae, gibt uns Sallust eine Darstellung der Verschwörung des Catilina mit der unverkennbaren Absicht, uns das rücksichtslos egoistische Treiben der durch eigene Schlaffheit und Verschwendung herabgekommenen Nobilität vor Augen zu führen, die vor keiner Grausamkeit zurückschreckt, wenn es die verlorene angenehme Stellung wiederzugewinnen gilt, und, wenn sie schon sinken muss, sich nicht scheut, das gesammte Staatswesen mit ins Verderben zu reißen.

Das bellum Iugurthinum hat den wechselvollen Krieg zum Gegenstande, den Rom 111 bis 105 v. Chr. mit dem Numiderkönige Jugurtha führte. Aber auch in dieser Schrift bilden die Ereignisse auf dem Kriegsschauplage nur die Grundlage, um zu zeigen, dass alle

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Misserfolge der ersten Kriegsjahre nur dem gewissenlosen Treiben der bestechlichen Optimaten zuzuschreiben seien, bis endlich der wahre Voltsmann Marius den Krieg beendete.

Sallusts Hauptwerk waren seine 5 Bücher Historien, die den Zeitraum vom Tode Sullas bis zum Gabinischen Geseße (78 bis 67 v. Chr.) umfassten. Leider entzieht sich dieses Werk unserer Betrachtung, da von demselben außer 4 Reden und 2 Briefen nur überdies verstümmelte Fragmente und Citate bei späteren Schriftstellern erhalten sind.

Sallust wählte also, wie wir sehen, nur einzelne Abschnitte römischer Geschichte zu Gegenständen seiner Darstellung, aber diese durchdrang er mit der Schärfe seines Geistes so sehr, dass er uns ein lebendiges Bild entrollt. Daher nimmt er Stoffe aus der nächsten Vergangenheit, die er, wenn er sie auch nicht bewusst miterlebt hat, doch ihrem inneren Gehalte nach noch mitfühlen kann, da die inneren Verhältnisse, auf denen er die Darstellung aufbaut, noch fortdauern. Die Wahl solcher historischer Partien hatte den Vortheil, dass der Schriftsteller in die Darstellung mit vollem Gewichte seine persönliche Anschauung einflechten konnte, während er ferner liegenden Abschnitten der Geschichte gegenüber hätte vollkommen objectiv bleiben müssen.

3. Sallusts Sprache.

Wie Sallust als Schriftsteller in Darstellung und Urtheil eine ausgeprägte Eigenart erkennen lässt, so sollte auch seine Sprache nicht die glatte und dabei oft der Kraft entbehrende Sprache der leichten und seichten Lectüre sein. Der Lobredner der guten alten Zeit, in welcher echt römisches Volksthum den Staat groß und mächtig gemacht hatte, nahm Wörter und Phrasen eines Cato und anderer älterer Schriftsteller wieder auf und verschmähte es als Plebejer nicht, Ausdrücke der Vulgärsprache zu gebrauchen. Um nicht durch Glätte des sprachlichen Ausdruckes auch den Gedanken zu verflachen, liebt Sallust im Gegensaße zu Cäsar und Cicero ganz besonders die variatio, die reiche Abwechslung im Ausdrucke. Ja wir begegnen sogar ganz auffälligen Härten in der Construction, Erscheinungen, die zusammengenommen der Sprache des Schriftstellers etwas alterthümlich Absonderliches, aber eben deshalb Interessantes und Anregendes geben.

Hier seien nur einige Gruppen solcher Erscheinungen aus der Formenlehre erwähnt, deren Verständnis vor der Präparation nothwendig ist:

Der Genitiv der II. Declination auf ii erscheint immer zusammengezogen in : impéri, auxíli, benefíci 2c.

Der Accusativ plur. der I-Stämme der III. Declination hat die Endung is: urbis, partis, alle Adjectiva und Participia.

Die Gerundiva der Verba der III. und IV. Conjugation auf undus (außer nach u): cupiundus, cognoscundum, ambiundo 2c.

Die Superlativendung umus statt imus: minume, vehementissume; ebenso: maritumus, vigesumus 2c., o für u nach v: voltus, volgus, voltis, volneratus; ebenso o für e nach v: avortere, revorti, divorsus, voster, controvorsiae 2c.

Ferner u für i in: aestumo, existumo, lubet, lubido, la

crumans 20.

Außerdem os statt or in den Nominativen: nos, colos, odos. Endlich der Genitiv senati in Formeln, der Genitiv die, das Perfectum neglegi u. a.

4. Sallusts Bedeutung.

Die oberflächliche, oft skizzenhafte Darstellung der ersten römischen Geschichtsschreiber, ja selbst die bereits vorliegenden Denkwürdigkeiten Cäsars über den gallischen und den Bürgerkrieg konnten Sallust als Muster nicht genügen. Er suchte eine Vertiefung des Stoffes, ein Durchdringen der Materie, eine psychologische Entwicklung der Handlung und fand hiefür das treffende Beispiel bei den Griechen, in Thucydides. So nahm er denn nicht, wie etwa nach ihm Livius, die gesammte römische Geschichte zum Gegenstande, sondern wählte einzelne Capitel aus, die ein abgerundetes Bild abgeben konnten. Nicht um die Aufzählung einer endlosen Reihe historischer Thatsachen ist es ihm zu thun, seine Tendenz ist es, eine in sich abgeschlossene Handlung mit Anfang und Ende in fast dramatischer Darstellung aufzubauen. Und nicht in der Handlung selbst liegt der Schwerpunkt, sondern in den Trägern derselben, dem Helden und seinen Gegenspielern. Auf die Exposition der Charaktere und die Ableitung der äußeren Handlung aus denselben verlegt er das Hauptgewicht, und indem er die Handlung so entwickelt, wie sie sich aus dem inneren Leben der handelnden

Personen ergibt, lässt er selbst die historische Treue in den Hintergrund treten: die Angaben über Zeit und Ort sind oft recht ungenau und verschwommen, manchmal sogar unrichtig. Wir werden ihm dies zugute halten, wenn wir andererseits die große Kunstfertigkeit bewundern, mit der es ihm gelingt, lebendige Bilder zu entrollen. Mit kurzen, aber kräftigen Strichen (die gerühmte brevitas), als Meister einer abwechslungsreichen Sprache (variatio), in geistreichen Antithesen und gehalt= vollen Sentenzen schafft er ein das Interesse des Lesers fesselndes Kunstwerk und erhöht die Lebendigkeit der Darstellung durch kunstvolle Reden, die er seine Helden in bedeutungsvollen Momenten halten lässt. In der freien Erfindung solcher Reden, die, den Personen vollkommen angepasst, wahr und überzeugend aus ihrem Munde klingen, steigert sich die Kunst des Schriftstellers besonders in den Historien zu wahrer Meisterschaft.

Wir werden uns nicht wundern dürfen, wenn Sallust mit seiner bewussten Eigenart in Sprache und Darstellung als Verächter der Mode vonseiten seiner Zeitgenossen manchen Tadel, ja selbst Spott sich gefallen lassen musste. Aber bald fanden sich auch viele Bewunderer, und es ist wohl das größte Lob, wenn ein Quintilian erklärt, er trage keine Bedenken, Sallust dem Thucydides geradezu an die Seite zu stellen. Der größte römische Geschichtsschreiber Tacitus nennt ihn rerum Romanarum florentissimus auctor, und wie er, so haben viele Schriftsteller der Folgezeit sich an Sallust gebildet. Durchs ganze Mittelalter behauptete er seine Bedeutung, und die modernen Literarhistoriker nennen seine Werke Perlen römischer Geschichtsschreibung.

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