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für die

ALTERTHUMSWISSENSCHAFT.

Herausgegeben

von

Dr. Julius Caesar,
Professor zu Marburg.

Zwölfter Jahrgang. 1854.

Wetzlar,

Verlag von G. Rathgeber.

Gedruckt bei Rathgeber und Cobet in Wetzlar.

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Ueber die Munera der Römischen Gemeinden.

Eintheilung derselben.

I. Munera und Honores.

Aristoteles findet, von den mancherlei Geschäften, deren die städtische Gemeinschaft benöthige, seien folgende von der dozn oder Magistratur, deren Wesen nach ihm vornehmlich in der dem Archon einwohnenden Regierungsgewalt (Imperium) beruhte, dem Begriff nach mehr oder weniger unterschieden: die Priester, die Ausrüster eines Chors im Schauspiele: Choregen, die öffentlichen Ausrufer, Gesandten, Befehlshaber der Truppen, Frauen, Knaben, Aufseher, Proviantmeister, untergeordnete Dienste und Handreichungen, zu welchen, wenn deren eine hinreichende Anzahl vorhanden, Sclaven genommen wurden. Im Gegensatze zu dozn bezeichnet Aristoteles die genannten Geschäfte: ἐπιστασία, ἐπεμέλεια 1). Ihm entsprechend unterscheiden Aeschines, Cicero u. A. ¿quéйεiα, Sianovia von άoxn 2), Curatio, Procuratio von Magistratus oder Potestas 3).

Das Wort honor bildet gleichsam eine Erweiterung des Begriffs Magistratus, Obrigkeit 4). Bei den Römischen Juristen, wie in Inschriften begegnen wir der Unterscheidung von Munera, auch Curae, und Honores 5). Erstere unterscheiden Munus und Honor dadurch, dass jenes nicht, sowie dieser, mit einer persönlichen Würde verbunden war 6). Unter den durch Aristoteles von der dozn unterschiedenen Geschäften sind die Priester, nicht die Gesandten 7), den Honores im Römischen Sinne beizuzählen. Truppenbefehlshaber werden in Römischen Municipalstädten in der späteren Zeit nicht erwähnt. Die Honores, welche in diesen am häufigsten erwähnt werden, sind: die Würde des De

1) Polit. IV, 12, 2. 3. 2) In Ctesiph. 398 R.

3) In Verr. II, 48 fin. 51, 126. De 1. agr. contra Rull. II, 8, 21. Sueton. Julius 15. Vgl. die lex de imperio Vespasiani, Haubold monum. leg. p. 222. L. 1 in. D. de 1. Jul. repetund. (Marcianus).

4) So Gajus I, 96: „qui vel magistratum, vel honorem gerunt." L. 11 D. de pollicit. (Modestinus): honorem vel magistratum."

"

5) Orelli inscr. lat. n. 2532: „tempore honorum curarumque suarum."

6) L. 14 in. § 1 D. de mun. et hon. (Callistratus): „Honor municipalis est administratio reipublicae cum dignitatis gradu,... munus sine titulo dignitatis."

1) L. 6 D. legat. (50, 7). L. 2. C. J. de mun. et hon. non cont. (10. 40).

Erstes Heft 1854.

curio, oder der Decurionatus ), die Würden der Duumviri juri dicundo quinquennales, Duumviri juri dicundo, Aediles und Quaestores 9). Die Verwaltung des städtischen Schuldbuchs, cura calendarii, und die Quaestur wurden jedoch in mehreren Städten nicht zu den Honores gerechnet.

Ungeachtet sich aus dem Angeführten ergiebt, dass die Ausdrücke Procuratio, Cura ursprünglich einen untergeordneten Dienst bezeichneten, sind dieselben in der späteren Zeit in vielen Städten als Bezeichnung der höchsten obrigkeitlichen Würde gebraucht worden 10). Sie bezeichneten das Amt des Curator Reipublicae, den die Griechen hoyiotis 11), ratne tūs nólews benannten. In einem Rescript des Kaisers Nerva geschieht des Curator Reipublicae zum erstenmal Erwähnung 12). Die Kaiser gaben anfänglich einzelnen Städten wegen des städtischen Vermögens Römische Senatoren oder Ritter zu Curatoren 13). In der Folge wurde daraus eine regelmässige städtische Behörde, die jetzt, wie andere Municipalämter, durch Wahl der Curie besetzt ward 14). Die Bestätigung des Gewählten durch den Kaiser blieb, war aber eine blosse Förmlichkeit, die auch bei der Wahl zum Defensor Civitatis 15) und zum Agonotheten, oder obersten Priester 16), beobachtet wurde. Der Defensor Civitatis, Gr. Exdixos, wurde noch später als der Curator zu einer stehenden städtischen Behörde erhoben 17). Derselbe stand dem Curator zur Seite, so dass jenem die Ausübung der Rechtspflege, diesem die politische Verwaltung zugetheilt war. Die angeführten Umstände

8) L. 5 D. de vac. et exc. (50. 5).

9) Vgl. die vortrefflichen Abhandlungen de quinquennalibus municipiorum et coloniarum und de quatuorviris municipalibus in A. W. Zumpt commentation. epigraph. Berol. 1850, p. 71-158. 10) L. 20. 189 C. Th. de decur. (12. 1) Vgl. L. 1 C. Th. de honorar. codic. (6. 22).

11) L. 3 C. J. de modo mult. (1. 54). Daher opóreia zóλews“. L. 15, § 7 D. de excus. (Herenn. Modestinus). Philostratus v. soph. I, 19. 2. Euseb. hist. eccl. I. VIII, c. 11 und de martyr. Pal. c. 9, 1. IX, c. 1. 2 extr.: λopórai nai órpaTyo." C. I. Gr. n. 2349, n. in Add. 2782. 2790. 2791. 2926. 2977. 2987, b. 3497. 3747. 3748. 3771, vgl. Or. 798. Grut. 407, 1. C. J. n. 3418: κεκουρατορευκότος.“

12) L. 3, § 4 D. quod vi aut clam. (43. 24).

13) Vgl. A. W. Zumpt 1. 1. p. 153 sq. Boeckh. C. I. T. II, p. 957. Dio Cass. LXXIX, 7 extr.

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erklären, wie es zuging, dass in den kaiserlichen Constitutionen der Defensor und der Curator vor den Magistraten genannt werden; unter welcher Benennung jetzt speciell die richterlichen Beamten, die Duumviri juri dicundo, begriffen wurden 16). In einigen der Ersteren werden der Defensor und der Curator: in den von Byzanz ausgegangenen der έκδικος und der παTo, welcher Letztere sonach mit dem Curator identisch war, als die allgemeine und höchste Obrigkeit der Städte bezeichnet 19). In andern werden noch die städtischen Magistrate zu jenen hinzugefügt 20). Dies scheint nun so zu erklären, dass viele Städte in den Provinzen keine den Duumviri entsprechenden Magistrate hatten. Bei Gelegenheit der Defensoren wird dies ausdrücklich bemerkt. Denn diese üben obige Befugniss blos da aus, wo keine Magistrate sind 21).

II. Munera Personarum und Patrimonii. Den Honores stehen die Munera schlechthin gegenüber. Deren Begriff entsprechen die meisten der oben aus Aristoteles angezogenen ἐπιμέλειαι, welche zum Theil noch in den Griechischen Städten des Römischen Reichs fortbestanden 22). Manche theilten die Munera Manche theilten die Munera ein in publica und privata 23). Callistratus nennt die Tutel ein Munus privatum 24). Andere unterscheiden sie von den Munera civilia, municipalia und honores 25). Man kann dies dadurch rechtfertigen, dass die Tutel, sowie ähnliche auf private Verhältnisse sich beziehende Curae, z. B. die cura adulti, furiosi, prodigi, muti, ventri u. s. w. 26), nicht das Wohl des Gemeinwesens als solches: tutela non est reipublicae munus" 27), sondern das eines einzelnen Individuums zum Zielpunkte hat. Indessen erklären andere Stellen die Tutel für ein Munus publicum 28); wie denn nicht zu leugnen ist, dass alle die angedeuteten Geschäfte das Gemeinbeste wenigstens indirect befördern.

18) Vgl. von Savigny, Gesch. des Röm. Rechts im Mittelalter, Bd. I, S. 51 (2. Ausg.).

19) L. 3 C. Th. de donat. (8. 20). L. 1 C. Th. de scaen. (15. 7). L. 25. 26, § 6. 32 C. J. de episc. aud. (1. 4). L. 1 C. J. de aleator. (3.43). L. 3 extr. C. J. de infant. expos. (8. 52). L. 1 C. J. ne quis liber (11. 36). Nov. Justiniani 75. 104.

20) L. 8 C. Th. de donat. L. 5 C. Th. de exhibendis reis (9. 2). L. 3 C. Th. de superexact. (11. 8). L. 5 C. Th. de repar. appell. (11. 31). L. 2 C. Th. de can. frum. U. R. (14. 15). L. 31 C. Th. de episc. (16. 2). L. 30. C. J. de episc. aud. (1.4): παρὰ τῷ . . . ἐκδίκῳ, ἡ στρατηγῷ. S. auch Gesta collationis Carthagini habitae etc. op. Papirii Massonis et P. Pithoei 1596, cognit. 1, c. 1. 5, p. 1. 10, auch bei Harduin Tom. I conciliorum, p. 1049. 1052.

21) L. 8 C. Th. de donat. L. 30 C. J. de donat. (8. 54). 22) C. I. Gr. n. 2881: „prvazovóuos λειτουργὸς τῶν ἐν παιδὶ λειτουργιῶν πασῶν, χορηγὸς τῶν ἀρίστων χορηγιών. 2885: τὰς ἐν παιδὶ τετελειότος λειτουργίας πάσας, Sovouov." 3384. 3644: παιδοτρίβου." 3562: η γυναικονόμος.“ 5426. 5427: Ανάουξ, υπηρέτας.

... παι

23) L. 14, § 1 D. de mun. (Callistratus lib. 1 de Cognitionibus). 24) L. 17, § 4 D. de exc. (Callistratus lib. 4 de Cognitionibus). S. die Erklärung dieser Stelle durch Everard. Otto de aedilibus p. 493-503 und vgl. § 3 Inst. de exc. tut. (1. 25). L. 6, § 16. L. 17, § 5 D. de exc. (27. 1).

25) Fragm. Vatic. § 131. 247. L. 8, § 1. 4. L. 12, § 1. D. de vac. et exc. (50. 5). L. 3 D. de j. imm. (50. 6).

26) L. 1, § 4. D. de mun. 27) L. 6, § 15. D. de exc. (27. 1). 28) Init. Inst. de exc. tut. (1. 25). L. 9 D. de his qui sui (1. 6).

Die gangbarste Eintheilung der Munera publica, die auch Munera civilia, civitatum, municipalia bezeichnet werden, welche wir bei den Römischen Juristen antreffen, ist die in munera personarum und patrimonii, Lasten der Personen und des Vermögens; d. h. solche, welche allein oder überwiegend die Anspannung der geistigen und körperlichen Kräfte, oder Ausgabe und Gefahr des Vermögens in sich schlossen 29). Wir verdanken die vollständige Aufzählung der in dieser Eintheilung begriffenen Munera Hermogenianus und Arcadius Charisius 30). Der Umstand, dass die angeführte Eintheilung blos die Munera schlechthin. betraf, hat die genannten Juristen veranlasst, die Honores bei ihrer Aufzählung zu übergehen, ungeachtet die angegebenen Merkmale, insbesondere das zweite, zugleich auf die Honores Anwendung leiden 31). Charisius bezeichnet dagegen die Verwaltung des städtischen Schuldbuches, cura calendarii, und die Quaestur, inwiefern sie in einer Stadt nicht zu den Honores gezählt würden, ausdrücklich als Munera personalia 32). Mit den Curatores Calendarii 33) hatte es eine ähnliche Bewandtniss wie mit den Curatores Reipublicae. Sie wurden zur Ordnung des städtischen Vermögens häufig den Städten gegeben 34), oder durch den Statthalter der Provinz erlesen 35), erst später von der Curie gewählt 36). Aus einem Fragment der be sondern Schrift Ulpians uber den Curator Reipublicae 37) scheint hervorzugehen, dass die Verwaltung der ausgeliehenen Gelder dem Curator Reipublicae, wo dieser bestand, gleich anfangs übertragen sei; ungeachtet sonst der Curator Calendarii und Reipublicae von einander unterschieden werden 38). In den Städten des Ostens scheint der erstere Name unbekannt gewesen zu sein. Tribonian substituirt ihm daher in einer aus dem Theodosischen Codex in den Justinianeischen herübergenommenen Constitution des Kaisers Constantin den des Pater Civitatis, welchem die Verwaltung der ausstehenden Gelder in Justinians Zeit oblag 39). Quaestoren fehlten in manchen Städten ganz. So in Arpinum, wo kein anderer Magistrat als

29) L. 1, § 3 D. de mun. (Hermogenianus): „personale munus, quod corporibus, labore, cum sollicitudine animi ac vigilantia solenniter exstitit: patrimonii vero, in quo sumptus maxime postulatur. L. 18, § 1 eod. (Arcadius Charisius): „Personalia sunt, quae animi provisione et corporalis laboris intentione sine aliquo gerentis detrimento perpetrantur." § 18: „Patrimoniorum . quae sumptibus patrimonii et damnis administrantis expediuntur."

30) L. 1. L. 18. D. mun.

31) L. 14 in. D. de mun. L. 6. D. de legat. (50. 7).
32) L. 18, § 2 D. de mun. et hon.

33) Vgl. Orelli inscr. latin. 62. 2391. 3940. 4491.
34) Fragm. Vat. § 187. Mommsen inscr. regni Neap. lat.

n. 222. 1135. 1486. (Or. 4006. 4007).

35) L. 9, § 1 D. de admin. rer. ad civ. (50. 8).

36) Ihre creatores in L. 1 extr. C. Th. de cur. calend. (12. 11). Vgl. hierüber v. Savigny, Gesch. des Röm. Rechts im Mittelalter, Bd. I, S. 42 (2. Ausg.).

37) L. 33 D. de usuris (22. 1).

3) Vgl. u. a. Mommsen 1. 1. 1486 (Or. 4007).

39) Vgl. L. 1 extr. C. Th. de curat. calend. (12. 11) mit

L. 2 extr. C. J. de debitor. civit. (11. 32).

drei Aedilen gewählt wurden 40); deren Einer die Geldgeschäfte der Arpinaten besorgte 41). Auch die Inschriften von Formiae 42), Fundi 43), nennen blos drei Aedilen, ohne jemals Quaestoren anzuführen; so dass diese hier, wie in Arpinum gefehlt haben dürften. Die Quaestoren werden ferner in den Fasten von Nola 4+), einer Inschrift von Ebur 45) in der solennen Aufzählung der Magistrate dieser Städte übergangen; wogegen die Inschrift von Ebur einen quaestor arkae namhaft macht. Auch in andern Städten werden quaestores arkae 46), pecuniae publicae, aerarii angeführt; und man hat aus Allem diesem mit Rücksicht auf die angezogene Aeusserung des Charisius gefolgert, dass die Genannten keinen Honor, sondern ein Munus personale bekleidet hätten 47). Doch kommen quaestor" und "quaestor pecuniae publicae" in einem und derselben Stadt vor 48); und q. pec. publ., arc. publ., r(ei) p(ub)“ ist häufig dem q. alimentor., pecuniae alimentar.", wovon sogleich, entgegengesetzt 49). Unbedenklich erscheint trotz dem die Annahme, dass der cur(ator) aerarl Mediolan. 50), cur(ator) pecuniae publicae in Sutrium 51), Venusia 52), gleich dem quaestor arkae in Ebur, ein Munus personale verwalteten. Andere Beispiele der Munera personalia sind: die Verwaltung der Gemeindegrundstücke 53). Sie gehörte, wie die Verwaltung der ausgeliehenen Gelder zu den Geschäften des späteren Curator Reipublicae oder Pater 54), der desshalb häufig als Verwalter des städtischen Vermögens überhaupt bezeichnet wird 55). Die Erhebung der städtischen Einkünfte 56). Das Amt des Polizeimeisters, irenarcha, siorvάons 57), auch orgατηγὸς ἐπὶ τῆς εἰρήνης 56), εἰρηνοφύλαξ 59), εἰρήνης φύλαξ 60), ειρήνης προστάς 61). Nach dem Redner

40) Cic. ad div. XIII, 11, 3. Vgl. Mommsen I. N. n. 4322 (Or. 571): III vireis aed. pot. Mommsen n. 4472. 4473. 7253. 7254; drei Aedilen.

41) Cic. ad Att. XV, 15 in. 42) Mommsen 4102.

43) Mommsen 4146. 4147. 4148. 4150.

44) Mommsen n. 1968 (Or. 4033).

45) Mommsen n. 189. 46) Mommsen 6824.

47) Vgl. A. W. Zumpt I. I. p. 172 Ebur, 173 Assisium,

177 Falerio, 184 Verona, 188 Spoletum.

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48) Mommsen 1116. 1121. 1127. 1128. 1135. 1139. 1140. 1947. 1954.

49) Vgl. z. B. Mommsen n. 10. 1954. 3903. 4771. 5628. 5631. Or. 3366 (wo aedili q. abzutheilen ist, Zumpt p. 173). 3908. 50) Or. 4000. 51) Or. 3807. 3976. Grut. 481, 6. 52) Mommsen 719.

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53) L. 1. § 2 D. de mun.: cura praediorum publicorum." 54) L. 3, § 1. L. 9, § 2 D. de admin. rer. ad civ. (50.8). 55) L. 2, § 4. 6. cod. tit. L. un. C. J. de solut. et liberat. (11. 39). Nov. Justiniani 160.

56) L. 18, § 9 D. de mun.: „Sed et curatores, qui ad colligendos civitatum publicos reditus eligi solent, personali munere subjunguntur.“ Eine Inschrift bei Orelli n. 3882 erwähnt einen Curator pecuniae publicae exigendae et adtribuendae," C. I. Gr. n. 3945 einen ἐπιμελητὴν χώρας καὶ τῶν δημοσίων τῆς πόλεως.

57) L. 18, § 7 D. de mun. Vgl. L. 6 D. de custod. reor. (48.3). C. I. Gr. n. 2768. 2882. 2929. 3496. 3886. 4020. 4085. Add. Vol. III, n. 3831, a, 4. 4341, f.

58) C. I. Gr. n. 3151.

59) Libanius or. Vol. II, p. 530, 16 Reiske.

60) Liban. ep. ad Modestum 100, ad Firminum 446 ed. Wolf. 61) Liban. ep. ad Urbanum 101.

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Aristides wurde derselbe aus zehn von jeder Stadt dazu vorgeschlagenen angesehenen Bürgern vom Statthalter erwählt 62). Dass der Statthalter sich in die Wahl der Municipalbeamten ordnungsmässig einmischen konnte, wird mehrfach bezeugt 63); und diese Einmischung bei der Wahl des Irenarcha noch in einer von Tribonian emendirten Constitution des Theodosius anerkannt 64). Das Amt des Limenarcha, dem die Ausübung der Hafenpolizei oblag 65), des Nyktostrategen 66). Letzterer besonders in grossen Städten, z. B. in Alexandria 67), Tralles 68), zu vergleichen mit dem Praefectus Vigilum in Rom, welchem auch der praefectus vigilum et armorum in Nemausus nachgebildet ist 69). Das Amt des Schriftführers, scriba magistratus 70), scriba II vir(um) et Q(uaestorum) Capuae 71), auch scr. publicus 72), scr. civitatis 73), scr. reipublicae Cubulteriae 74), scr. Venafranus, Aeserninus, Sul(monensis) 75), und bloss scriba 76). In Griechischen Städten γραμματεὺς τῆς πόλεως 17), γρ. βουλῆς, δήμου 78), βουλᾶς καὶ δάμου 19), γρ. τοῦ δή μου 80), γρ. τῆς βουλῆς 81), γρ. γερουσίας 82) und blos roaμμateús 83). Dieses Amt war nicht immer auf den scriptus publicus 84), scribatus 85) beschränkt. Der Grammateus der Ephesier war ein angesehener Magistrat und beschwichtigte den Aufstand der Ephesier 86); der Scriba der Concordienser, ein Mitglied des Senats, ward zu Gesandtschaften, Kornankäufen, verwendet 87). Auch die Schreiber des Rathes in Athen, Lacedaemon, Chalcedon u. s. w., Mitglieder des Raths, zugleich άoxovtes genannt, waren sehr angesehen 88),

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62) Arist. sacr. serm. IV, T. I, p. 523 ed. Dindorf.

63) L. 12 D. de appellat. (49. 1). L. 1, § 3. 4 D. quando appell. (49. 4). L. 192 C. Th. 59. J. de decur. (12. 1 u. 10, 31). 64) L. un. C. J. de irenarch. (10. 75).

65) L. 18, § 10 D. de mun. Vgl. L. 4 D. de fugit. (11.4.). L. 38. C. J. de liberali (7. 16).

66) L. 18, § 12 D. de mun.

67) Str. XVII, 797 med. o vvxregivos oroarnyós." 683 C. I. Gr. n. 2930: στρατηγήσαντα τὴν νυκτερινὴν στρα τηγίαν. Vgl. n. 3948.

69) Kellermann: Vigil. Rom. laterc. duo Coelim. Romae, 1835, p. 33.

70) L. 18, § 17 D. de mun.: „scribae magistratus personali muneri serviunt." 71) Mommsen I. N. n. 3631. 72) Der Colonie Pisae, Orelli n. 643 extr.

73) L. 3 C. Th. de tabular. (8. 2).

74) Mommsen 1. 1. 3942. 75) Mommsen 4648. 5049. 5448. 76) Mommsen 6224 Truentum: „scr. quinq." 6828, v. 5 (Or. 3787) Caere.

77) C. I. Gr. n. 2913. 2931. 2947. Add. Vol. III, n. 3858, i. v. 10. 4380, b, 2, v. 10.

76) C. I. Gr. 2929. 3151. 3162. 3490.
79) C. I. Gr. 1052. 3794, v. 18.

80) N. 2767, v. 2. 2827 Aphrodisias. 2943, v. 6 Nysa. 2961, b. 2965. 2966. 2968. 2975. 3001 Ephesus.

81) N. 1253, v. 6. 1259. 3661. 4155. 4415, b, daher „Bovλογραφία" 4015.

82) N. 3429. 83) N. 1123. 1125. 2990. 3462, v. 13. 3749. 3750, 3858. 5425 sq. 5491. Add. Vol. III, n. 3831, a, 2. 3847, b. 3865, c. v. 14. 4380, b, 1 extr. 4536, d.

84) Fronto ep. II, 11.

85) L. 1, § 2 D. de mun. L. 4 C. J. de appell. (7. 62).
86) Act. apostol. c. 19, v. 35. Vgl. Philostratus ep. Apollon. 32.
87) Fronto 1. 1.

88) Boeckh C. I. Vol. I, p. 323 (vgl. Staatshaush. d. Ath.

I, 253), p. 611. Vol. II, p. 973.

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